Neuer Kämmerer Frank Hilker ist im Amt

Der neue Kämmerer erobert das Rathaus – Gespräche zum Haushalt laufen an

Jana Beckmann

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Hier hat er seinen Sitz: Frank Hilker arbeitet als Erster Beigeordneter und Kämmerer im Rathaus am Markt. Von hier aus möchte er die Stadt mitgestalten. - © Bernhard Preuss
Hier hat er seinen Sitz: Frank Hilker arbeitet als Erster Beigeordneter und Kämmerer im Rathaus am Markt. Von hier aus möchte er die Stadt mitgestalten. (© Bernhard Preuss)

Detmold. Kurz vor Beginn der Haushaltsberatung ist der Lokführer auf den Zug aufgesprungen: Frank Hilker hat seinen Dienst als Erster Beigeordneter und Kämmerer der Stadt Detmold angetreten. Und: Er möchte Einfluss nehmen.

„Ein moderner Kämmerer hat nicht nur mit Finanzen und Gesetzen zu tun. Es geht auch um die Frage, wie sich die Stadt inhaltlich entwickeln und welche Schwerpunkte sie setzen will“, erklärt der 46-Jährige. Dafür bringt der gebürtige Bielefelder einiges an Erfahrung mit, hat er doch viele Jahre lang als Verwaltungs- und Betriebswirt bei der Stadt Bielefeld gearbeitet.

Information
Persönlich

Frank Hilker ist 46 Jahre alt und stammt aus Bielefeld. Nach dem Schulabschluss absolvierte er eine Ausbildung für den gehobenen Dienst bei der dortigen Stadtverwaltung und war zehn Jahre lang im Bereich Personal und Organisation tätig. Es folgte ein berufsbegleitendes Studium an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie mit dem Schwerpunkt BWL. Danach wurde der Verwaltungs- und Betriebswirt Referent des Sozialdezernenten, später arbeitete er in dessen Stab für Finanzen und Controlling. Zudem war er bis zu seinem Wechsel nach Detmold Geschäftsführer der Bielefelder Zweigstelle der Deutschen Olympischen Gesellschaft sowie der Wilhelm-Bröker-Stiftung, die sich um sozial Bedürftige in Bielefeld kümmert. Hilker wohnt in Ubbedissen und sucht derzeit nach einer Dienstwohnung in Detmold. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. In seiner Freizeit spielt er gerne Tennis. Der 46-Jährige ist Mitglied der SPD.

Im dortigen Sozialdezernat bekleidete er zuletzt schon eine Art Kämmerer-Posten, mit einem Budget von 410 Millionen Euro.
Der Detmolder Haushalt fällt vom Volumen her um einiges geringer aus – mit rund 200 Millionen, insgesamt wohlgemerkt. Das Soziale wird den Kämmerer, die Verwaltung und die Politik aber auch künftig stark beschäftigen. Immerhin macht dieser Bereich einen Großteil des Budgets aus, vieles davon sind Pflichtaufgaben. Dennoch möchte Hilker, der als Erster Beigeordneter zum Gesamtvorstand der Stadt Detmold gehört und den Bürgermeister vertreten kann, etwas bewegen.

„Mein Ziel ist, stärker in den Fokus zu rücken, was die Stadt alles bietet“, sagt der Kämmerer. So seien etwa viele Eltern von Kita- und OGS-Beiträgen befreit, was zur Familienfreundlichkeit beitrage. Und auch das, was es an Kulturveranstaltungen gebe, sei im Hinblick auf die Größe Detmolds toll.

„Wenn wir das so belassen, müssen wir es herausstellen. Die Leute müssen wissen, dass es ein endliches Budget gibt und dass wir konsolidieren müssen“, findet der Verwaltungs- und Betriebswirt.

Also wo könnte gespart werden? Dazu möchte Hilker, der an der Schnittstelle von Verwaltung und Politik sitzt, gerne die Kommunikation mit den Ratsfraktionen suchen und mit ihnen ein Gesamtkonzept entwickeln. „Generell sollte die Belastung auf möglichst viele Schultern verteilt werden.“

Parallel wolle er in der Verwaltung Gespräche führen, zum Beispiel mit den einzelnen Fachbereichsleitern. In Bielefeld hat Hilker zudem gute Erfahrungen mit einem Controlling-Modell gemacht, das es bei der Detmolder Stadtverwaltung bislang erst in Teilen gibt. Dabei geht es im Kern darum, Leistungen der Stadt auf ihre Wirkung hin zu überprüfen und entsprechend auch Anträge genau zu betrachten und nicht einfach durchzuwinken.

Bei allen Konsolidierungszwängen liegt ihm eines besonders am Herzen: Das Projekt „Sports for Kids“, das seit drei Jahren in Bielefeld läuft. Die Idee: Jedes vierjährige Kind erhält einen Gutschein über eine einjährige kostenlose Mitgliedschaft in einem Sportverein. So etwas möchte er gerne auch in hier einführen – eventuell mit Partnern, wegen der Finanzlage.

„Der Haushalt ist das Drehbuch eines Jahres. Das Ziel muss es sein, dass möglichst viele zustimmen“, betont der Kämmerer. Dass er bei seiner Wahl viele Stimmen bekommen habe, freue ihn sehr. Gleichzeitig bringe dies für die Fraktionen aber auch die Verpflichtung mit sich, sich einzulassen und sich unter Umständen auch einmal kompromissbereit zu zeigen.

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