Neues Detmold-Buch: „Freunde der Residenz“ geben Überblick über künstlerisch gestaltetes Glas

In der ehemaligen Residenzstadt hat sich sehr viel künstlerisch gestaltetes Glas erhalten

Thorsten Engelhardt

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„Freunde der Residenz“: Helmut Merwitz, Ulrich Heinemann, Clemens Heuger und Dr. Oliver Karnau (von links) bei der Vorstellung des Buches „Profane Glasmalerei“. - © Thorsten Engelhardt
„Freunde der Residenz“: Helmut Merwitz, Ulrich Heinemann, Clemens Heuger und Dr. Oliver Karnau (von links) bei der Vorstellung des Buches „Profane Glasmalerei“. (© Thorsten Engelhardt)

Detmold. Ein Schatz an künstlerischen Kleinodien ist gehoben worden: Es liegt jetzt ein Buch vor, das weitgehend vollständig über Glaskunst in Bürgerhäusern und profanen öffentlichen Gebäuden Detmolds informiert. Denn hier ist sehr viel Schmuckglas erhalten geblieben.

Die „Freunde der Residenz“ haben das Buch pünktlich zu ihrem 25-jährigen Bestehen herausgegeben. „Ein Buch, das über die Zeit hinaus einen Wert haben wird“, ist sich Vorsitzender Helmut Merwitz sicher.

Information
Jubiläum

Die „Freunde der Residenz“ feiern am morgigen Freitag, 23. Oktober, ihr 25-jähriges Bestehen mit einem Fest für geladene Gäste. Der Verein setzt sich dafür ein, das baugeschichtliche Erbe der Residenzstadt materiell und ideell zu fördern und zu erhalten. Rund 100 verschiedene Projekte wurden so von den 60 Mitgliedern schon unterstützt.

Die Autoren, der ehemalige Stadtdenkmalpfleger Clemens Heuger und Dr. Oliver Karnau, wissenschaftlicher Referent der Denkmalpflege im Landschaftsverband Westfalen-Lippe, sowie Fotograf Ulrich Heinemann haben mehr als 100 Häuser besucht und die Glasmalereien dokumentiert. „Wahre Schätze“ habe er da fotografiert, sagt Ulrich Heinemann.

Hochwertige Arbeit: Die Glasmalerei Müller aus Quedlinburg hat die Fenster im Leopoldinum 1907 gestaltet. Dies hier zeigt die Eule als Sinnbild der Weisheit, die auf Fleiß, dargestellt durch die Bienen, gründet. - © Heinemann
Hochwertige Arbeit: Die Glasmalerei Müller aus Quedlinburg hat die Fenster im Leopoldinum 1907 gestaltet. Dies hier zeigt die Eule als Sinnbild der Weisheit, die auf Fleiß, dargestellt durch die Bienen, gründet. (© Heinemann)

Schätze im künstlerischen Sinn. Denn die Glaskunst, die man gemeinhin zuallererst mit Kirchen in Verbindung bringt, wurde in der Residenzstadt in großem Umfang auch in profanen Gebäuden eingesetzt. Sehr markant sind die großen Aula- und Treppenhaus-Fenster im Leopoldinum mit geradezu staatstragenden und belehrenden Motiven.

Daneben gibt es aber auch eine Vielzahl figürlicher Darstellungen und Ornamentiken aus den Epochen des Historismus, des Jugendstils und der beginnenden Moderne. Bekannt sind beispielsweise die ins Glas geätzten Amoretten im Wintergarten der Ressource, expressionistische Motive finden sich nebenan im Haus Allee 13.

Die ältesten Schmuckgläser stammen aus 1866, die jüngsten aus den 1950er Jahren. In Detmold sei also eine große Bandbreite von Stilen feststellbar, erläutert Heuger. Gleichzeitig wird dadurch die Blütezeit profaner Glaskunst im Wesentlichen markiert.

Eine alte Kunst, die in Vergessenheit geriet

Denn das mittelalterliche Wissen um Schmuckglas sei im Barock verloren gegangen, sagt Oliver Karnau. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Kunst wiederentdeckt und in der Folge dann weiter entwickelt. Das fiel in eine Zeit, in der der Wohlstand es ermöglichte, solche Schmuckelemente einzusetzen. Sie demonstrierten „Bürgerstolz und Lebensfreude“, befinden die Freunde der Residenz in einer Mitteilung. Nicht nur prächtige Villen, auch einfachere Einfamilienhäuser wurden so geschmückt.

In Detmold kommt der Umstand hinzu, dass weder der Krieg noch Sanierungswellen der Nachkriegszeit die Glaskunst zerstört haben. So sind heute noch mehr als 100 Gebäude so geschmückt. „Ein Phänomen“, sagt Clemens Heuger. Nahezu alle Hausbesitzer haben ihm, Karnau und Fotograf Ulrich Heinemann die Türen geöffnet.

Clemens Heugers Verdienst als Denkmalpfleger sei es, die zerbrechliche Kunst bewahrt zu haben, sagte Helmut Merwitz. Gleichzeitig seien sein Ansehen in der Stadt und das ihm durch die Hausbesitzer entgegengebrachte Vertrauen wesentlich dafür gewesen, dass das Buch habe erscheinen können, fügte Dr. Oliver Karnau an.

Das Werk umfasst eine Einführung ins Thema und einen Katalog, in dem die einzelnen Objekte vorgestellt werden. Dabei ist immer ein Detail zu sehen, eine Gesamtansicht der Glasfläche und ein Außenbild des Hauses. Svenja Schipper hat das Layout gestaltet, die Erbrächter-Stiftung trug zur Finanzierung bei.

Clemens Heuger und Oliver Karnau: Bürgerstolz in Glas und Licht. Profane Schmuckverglasung in Detmold. Petersberg 2015; 29,95 Euro; 320 Seiten, 511 Farbabbildungen, Hardcover; ISBN 978-3-7319-0303-1.

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