Geheimnis um Zugang zum Eiskeller am Falkenkrug gelüftet

Jana Beckmann

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Am Ausgangspunkt: Heinz Kruse, Vermessungsingenieur und Ausbildungsleiter im Fachbereich Geoinformation beim Kreis Lippe, ermittelt mit den Azubis René Helms (links) und Meik Krösche Koordinaten. Hinten ist der heutige Eingang zum Keller zu sehen. - © Jana Beckmann
Am Ausgangspunkt: Heinz Kruse, Vermessungsingenieur und Ausbildungsleiter im Fachbereich Geoinformation beim Kreis Lippe, ermittelt mit den Azubis René Helms (links) und Meik Krösche Koordinaten. Hinten ist der heutige Eingang zum Keller zu sehen. (© Jana Beckmann)

Unter der früheren Brauerei gibt es riesige Gewölbe. Das ursprüngliche Eingangsportal wurde irgendwann zugemauert und verschüttet. Wo genau es sich befindet, war lange ein Rätsel – bis jetzt.

Detmold. Wolfgang Linnemann engagiert sich seit 30 Jahren für die Freie Waldorfschule Lippe-Detmold – zunächst im Vorstand, dann als Hausmeister. In den 1980er Jahren hat er den Umbau der Falkenkrug-Brauerei zum Bildungsort maßgeblich begleitet. Zu seinem Abschied in den Ruhestand ist gestern ein Wunsch für ihn in Erfüllung gegangen: Das Geheimnis um den ursprünglichen Zugang zum Eiskeller wurde gelüftet.

„Im Winter ist früher aus verschiedenen Teilen der Stadt das Eis mit Bullenkarren hierher gebracht worden", erklärt Architektin und beratende Ingenieurin Petra Schröder-Kaiser, die regelmäßig Führungen durch die Gewölbe anbietet. Simon August Gausmann, Betreiber der benachbarten Falkenkrug-Gaststätte und Bierbrauer, hatte die weitläufigen unterirdischen Lagerräume in den 1830er Jahren angelegt – der größte war 40 Meter lang, 8 Meter breit und 5 Meter hoch.

Zehn Meter unter der Erde

Der Eiskeller, der sich rund 10 Meter unter der Erdoberfläche befindet, war ein Teil davon. Nachdem er im Winter mit Eis befüllt worden war, war er ein idealer Ort zum Kühlen der Bierfässer. Genutzt wurde er nach heutigen Erkenntnissen bis etwa 1919. Später wurde der Eingang, durch den früher die Karren in die Gewölbe gezogen wurden, zugemauert und verschüttet, so dass er nur noch von der Rückseite des heutigen Schulgebäudes aus über eine steile Stiege zu erreichen ist.

„Den Eingang zu finden, ist auch historisch wichtig", findet Wolfgang Linnemann. Dort gebe es einen in Sandstein gehauenen Bogen mit einer Inschrift von Gausmann. Mit Hilfe eines Kompasses hat der Hausmeister schon einmal selbst versucht, die Position einzumessen. Und auch „Schlagproben" wurden von innen gemacht. „Aber draußen hören Sie einfach nichts aus dem Keller", berichtet Linnemann.

Sein Nachfolger, Thomas Wendler, hatte schließlich die Idee, das Rätsel als Geschenk zum Abschied zu lösen. Angehende Vermessungstechniker vom Katasteramt des Kreises Lippe und Zehntklässler der Waldorfschule halfen dabei. Dazu wurden laut Jochen Brunsiek, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Schule, die Koordinaten im Gewölbe ermittelt und anschließend an der Oberfläche abgesteckt. Kommendes Jahr soll der Zugang freigelegt werden.

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