Der Wärmespeicherturm soll ein echter Blickfang werden

Jana Beckmann

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Mary-Anne Kyriakou, Professorin für Lichtgestaltung, zeigt einen sogenannten Munsell Color Tree. Damit lässt sich testen, wie Licht mit Farben reagiert und diese verändert. - © Jana Beckmann
Mary-Anne Kyriakou, Professorin für Lichtgestaltung, zeigt einen sogenannten Munsell Color Tree. Damit lässt sich testen, wie Licht mit Farben reagiert und diese verändert. (© Jana Beckmann)

Detmold. Ortsbildprägende Veränderungen stehen zwischen Bahnhof und Kronenplatz bevor. Der Wärmespeicherturm, den die Stadtwerke bauen wollen, wird nicht nur allein durch seine Höhe auffallen. Auch durch seine Funktion als Leinwand mit wechselnden regionalen Motiven soll daraus ein Blickfang werden – wenn nicht sogar ein bisschen mehr.

Mary-Anne Kyriakou, Professorin für Lichtgestaltung an der Hochschule OWL, hat den farbenfrohen Entwurf zusammen mit ihrem Ehemann, dem Installationskünstler Ingo Bracke, und Studenten entwickelt. Bei Tag ist er von Magenta, Gelb und Grau geprägt, nachts treten wie von Geisterhand Rot-, Grün- und Blau-Töne hervor und wechseln sich ab. Im nächsten Sommersemester sollen in weiterer Forschungsarbeit die technischen Details erarbeitet werden.

„Die Fassade wird mit einer Gaze verkleidet", erklärt Kyriakou. Dabei handelt es sich um ein dünnes Gewebe mit Maschen, die wie ein Gitter aussehen. Eine Möglichkeit sind zum Beispiel Fassadenbanner wie sie auch in der Großflächenwerbung eingesetzt werden. Tests hierzu sollen noch gemacht werden. Fest steht: Die Folie wird farbig bedruckt sein – mit Mustern beziehungsweise Motiven, die abends durch die Beleuchtung abwechselnd hervortreten. „Über die Tageswirklichkeit wissen wir alles, in der Nacht zeigt sich das wahre Geheimnis", sagt die Professorin mit australischen Wurzeln.

Bei den Motiven solle es sich um verschiedene Pflanzen handeln. Vielleicht werde darin auch noch eine Lippische Rose versteckt, die der Betrachter dann finden müsse. Auf jeden Fall sollen die Bilder regional orientiert sein, sie beziehen sich auf den Teutoburger Wald und seine Umgebung. Das Licht, durch das sie sichtbar gemacht werden, kommt nicht etwa aus dem Inneren des Turms, sondern wird von außen darauf projiziert. „Wir werden dazu rund um den Turm LED-Strahler installieren, im Boden, aber auch auf Masten", erklärt die Expertin, die kein Freund von direktem Licht ist, das oft Blendung verursacht, wie etwa bei LED- Straßenlaternen.

Wer den Turm betrachtet, sieht nicht direkt in die Lichtquelle, sondern nimmt nur das reflektierte Licht wahr, das viel gleichmäßiger daher kommt. „Das ist so, als wenn man eine Fläche mit einer Taschenlampe anstrahlt. Dann ist das Licht auch weicher gestreut, als wenn man direkt in die Lichtquelle blickt", erläutert Kyriakou. Auf diese Weise werde auch der Verkehr nicht gestört werden. Es solle keine irritierenden Blendungen geben. Erste Lichtphänomene sollen sich bereits zum Sonnenuntergang zeigen – und zwar auf ganz natürliche Art und Weise allein durch die Sonnenstrahlung. In der sogenannten „blauen Stunde" reagieren die fluoreszierenden Pigmente des Kunstwerks mit dem blauen Licht und dem Schwarzlichtanteil der Abendatmosphäre.

Später am Abend, wenn der Turm bis etwa 23 Uhr angestrahlt wird, macht das veränderliche LED-Licht die unterschiedlichen Motive sichtbar. Dies wird durch die verschiedenen Wellenlängen des Lichtspektrums ermöglicht. Wird zum Beispiel rotes Licht genutzt, kommen auf der Folie alle Farben außer Rot zum Vorschein. „Das Leben ist nicht statisch und das Licht ebenso wenig", sagt die Professorin für Lichtgestaltung. Im Sommersemester soll noch geprüft werden, wie es möglich ist, die Inhalte des zweitplatzierten Entwurfes mit zu integrieren, das Sichtbarmachen des Füllstandes des Wärmespeichers mit Hilfe von Licht. Das Areal, in dem der Wärmespeicherturm entsteht, sei derzeit eine urbane Leerstelle ohne Leben. Das Projekt fokussiere neue Energie an diesen Ort und bringe Kreativität in die Stadt. „Vielleicht gibt dies einen Impuls für weitere Projekte", so Kyriakou.

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Reservoir für heißes Wasser


Der Wärmespeicherturm soll in erster Linie dazu dienen, die Energieversorgung in Detmold harmonischer zu gestalten. Bei einer Überproduktion an Fernwärme kann diese in Form von heißem Wasser in dem Bauwerk gespeichert werden. Steigt der Bedarf, wird sie wieder abgegeben. Darüber hinaus soll die riesige „Thermoskanne", die mit einer Aussichtsplattform ausgestattet wird, aber auch noch gut aussehen. Dafür hatte es ursprünglich drei Entwürfe gegeben, über die die Detmolder abstimmen konnten. 700 Bürger beteiligten sich, wobei sich 38 Prozent für die farbenfrohe Variante aussprachen – genau wie danach die Politik. Der Turmbau schlägt voraussichtlich mit 1,5 Millionen Euro zu Buche, davon sind 175.000 Euro für die Außengestaltung gedacht. Wann er gebaut wird, steht noch nicht fest.

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