Detmolderin bekommt durch Zustellerfehler ständig fremde Post

Erol Kamisli

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Empfänger unbekannt: Bei Gabriela Müller landen Briefe, die nicht an sie adressiert sind. - © Bernhard Preuß
Empfänger unbekannt: Bei Gabriela Müller landen Briefe, die nicht an sie adressiert sind. (© Bernhard Preuß)

Detmold. Auf dem Tisch vor Gabriela Müller liegen Briefe von Banken, Schulen und Behörden. Das Problem: Die Schreiben sind nicht an die Detmolderin adressiert und landen trotzdem in ihrem Briefkasten.

„Seit mehr als 18 Monaten bekomme ich Briefe, die nicht für mich sind, sondern für Nachbarn oder Menschen, die in anderen Detmolder Ortsteilen wohnen", ärgert sich die 65-Jährige. Am Anfang habe sie die einzelnen Schreiben bei Spaziergängen bei den „richtigen Empfängern" eingeworfen, doch mit der Zeit sei immer mehr „fremde Post" in ihrem Briefkasten gelandet.

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Vor zwei Wochen wurden zehn Briefe, die nicht an sie 
adressiert waren, eingeworfen. „Darunter Post von Banken, Behörden und Stadtwerken", erzählt die Detmolderin. Aber auch Sendungen, auf die sie gewartet habe, seien bei anderen Detmoldern gelandet. „Ich habe Anrufe von Menschen bekommen, die weit weg wohnen und denen unsere Post zugestellt wurde", so die Modedesignerin.

Immer wieder habe sie sich im Detmolder Postamt beschwert, doch die Mitarbeiter hätten nur mit den Schultern gezuckt. „Sie haben mich darauf hingewiesen, dass ich in der Filiale der Postbank bin, und mit der Deutschen Post hätten sie nichts zu tun. Am Ende haben sie mir eine Kundentelefonnummer in die Hand gedrückt", sagt Müller. Dort habe sie mehrfach erfolglos angerufen.

Auch die Postboten, die regelmäßig wechselten, habe sie angesprochen. „Doch keiner fühlte sich zuständig, das ist frustrierend", sagt Müller. Sie sei echt sauer, dass die Deutsche Post mit dem „Grundrecht Briefgeheimnis" so fahrlässig umgehe. „Ich öffne die Schreiben natürlich nicht. Aber vielleicht warten die Menschen auf die Post, die bei mir liegt", sagt sie und zeigt auf den Briefstapel. Aber sie sehe sich nicht als Hilfspostbotin, die die Fehler der Post ausbügele. Inzwischen habe sie Briefe verpackt und in der 
Postbank abgegeben: „Ausnahmsweise wollen sie die Briefe an die Post weiterleiten."

Auf LZ-Nachfrage entschuldigt sich die Deutsche Post bei Gabriela Müller. „Wir schicken unseren Qualitätsmanager vorbei, der sich persönlich entschuldigen wird", sagt Post-Sprecher Rainer Ernzer. Auch die Postboten seien in persönlichen Gesprächen sensibilisiert worden.

Die 65-Jährige ist nach dem Gespräch mit dem Qualitätsmanager zufrieden: „Endlich fühle ich mich ernst genommen." Und einen Tipp für alle, die auch falsche Post im Briefkasten finden: Auf den Brief „Empfänger unbekannt" schreiben und in den nächsten Postkasten werfen. Neu frankiert werden muss nicht.

Kunden bügeln die Fehler aus
Kommentar von LZ-Redakteur Erol Kamisli
In Lippe wird täglich das Postgeheimnis verletzt. Unabsichtlich zwar, aber dabei handelt es sich um eine Straftat, die grundsätzlich mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren geahndet werden kann.

Diese „Straftaten" werden in Wohnungen und Büros begangen – und das ist schnell passiert, denn wer schaut immer genau auf die Adresse, wenn das Schreiben im eigenen Briefkasten liegt? Besonders in Geschäftsbetrieben, wo nicht ein oder zwei, sondern Hunderte Briefe am Tag ankommen.

Ihren Anfang nimmt die „Straftat" bei der Deutschen Post. Immer wieder kommt es vor, dass bei der Zustellung Schreiben im falschen Briefkasten oder Postfach landen. Postsprecher Rainer Ernzer räumt die Fehler ein. Sie sollten nicht vorkommen, aber ausschließen ließen sie sich nicht. In diesem Zusammenhang spricht er von „menschlichem Versagen, das eine Rolle spielen kann". Der Fehler passiert am Ende des Transportweges einer Postsendung, also dem Zusteller der Deutschen Post.

Doch eine Verantwortung bei der möglicherweise unabsichtlichen Verletzung des Briefgeheimnisses lehnt die Deutsche Post ab. Jeder Empfänger sei verpflichtet, sich zu vergewissern, dass die Sendungen, die er öffnet, auch an ihn adressiert sind. Damit übernimmt der Kunde die letzte Fehlerkontrolle und nicht die Post, die dafür verantwortlich ist. Und das ist verantwortungslos.

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