Detmolder machen auf Probleme in Afrika aufmerksam

Thorsten Engelhardt

Armut: Frauen, die vor den Kämpfen im nahegelegenen Leer geflohen sind, stehen in Bentiu im Südsudan in einer Schlange für Lebensmittelhilfe an. - © dpa
Armut: Frauen, die vor den Kämpfen im nahegelegenen Leer geflohen sind, stehen in Bentiu im Südsudan in einer Schlange für Lebensmittelhilfe an. (© dpa)

Detmold. Fällt das Stichwort Flüchtlinge, schaut die Welt derzeit in den Nahen Osten. Dabei ist die nächste humanitäre Katastrophe schon da – in Afrika: Kriege, Dürre, Hunger, Perspektivlosigkeit bei steigendem Bevölkerungswachstum. 20 Millionen Menschen sind laut UN akut in Gefahr.

Die Konsequenz ist offenkundig: Noch mehr Menschen werden versuchen, davor zu fliehen, und damit zeigen die Probleme im fernen Afrika direkte Wirkung hier bei uns. Nicht zuletzt deshalb stellt die Detmolder Sektion der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) Afrika in den Mittelpunkt ihres Jahresprogramms 2017. Die Arbeit der UN im Südsudan, der Einsatz der Bundeswehr in Mali oder der Krisenherd Trinkwasserknappheit werden Vortragsthemen, kündigten der Sektionsleiter Dr. Karl-Hans Schloßstein, und der Landesvorsitzende, General a. D. Gerhard Kemmler, in einem Gespräch mit der LZ an.

Die Bundesregierung habe 2017 zum „Jahr Afrikas" erklärt und spreche von einem „Marshallplan mit Afrika", der dem Kontinent ähnlich helfen solle, wie der Namensvetter Europa nach dem Zweiten Weltkrieg geholfen habe. Schließlich könne man die Probleme nur in Afrika selbst lösen. Und Sicherheitspolitik heiße längst nicht mehr nur Verteidigung. „Sicherheit hat viele Gesichter", sagt Kemmler. 1,1 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, berichtet das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung und warnt, dass künftig um Wasser Kriege geführt werden könnten.

Die Klimaveränderung nennt Kemmler ebenfalls als einen potenziellen Krisenherd. Auch religiöser Fanatismus, Terror und die Digitalisierung sind sicherheitspolitische Bedrohungen.

Aber unter anderem hier in Deutschland müsse dafür ein politisches Bewusstsein geschaffen werden, denn Schloßstein und Kemmler vermissen so etwas wie Grundlinien deutscher Sicherheitspolitik. Die GSP wolle dafür ein überparteiliches Forum bieten und alle gesellschaftlichen Gruppen zur Diskussion einladen, unterstreicht Dr. Karl-Hans Schloßstein. Gleichzeitig hoffe man, so gegen ein Desinteresse an Außen- und Sicherheitspolitik wirken zu können.

„Die Flüchtlingskrise zeigt uns ja die innenpolitischen Folgen von Staatsversagen, Terrorismus und illegaler Migration", argumentiert Gerhard Kemmler. „Und wir wollen auch ein Regulativ gegenüber dem postfaktischen Denken sein."

Information
Erfolge und Scheitern der UN
Peter Schumann, ein ehemals hoher deutscher UN-Mitarbeiter, berichtet am Donnerstag, 2. März, auf Einladung der Gesellschaft für Sicherheitspolitik Detmold über Wirkungen und Grenzen friedenschaffender Operationen der Vereinten Nationen.

Sein Beispiel dafür sind die Länder Sudan/Südsudan. Schumann war für die UN unter anderem im Irak, Somalia und zuletzt im Südsudan tätig.

Heute lehrt er an der Uni Konstanz, an der Führungsakademie der Bundeswehr und an der Polizeiakademie Lübeck. Sein Vortrag findet ab 19 Uhr im kleinen Saal der Stadthalle Detmold statt. Der Eintritt ist frei.

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