Straßenschild erinnert an eine politische Vorkämpferin

Jost Wolf

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Wegweisend: Axel Friedrich vom Bauhof befestigt das Straßenschild für den Luise-Rinsche-Weg. Sie war von 1929 bis 1932 für die SPD in den Lippischen Landtag gewählt worden und in dieser Zeit die einzige Frau im Gremium. Ihre Enkelin Resi Fischer freut sich mit Rüdiger Scheuß, Ortsbürgermeister von Pivitsheide VL (links) und SPD-Chronist Gerd Kaulvers über die Ehrung. - © Jost Wolf
Wegweisend: Axel Friedrich vom Bauhof befestigt das Straßenschild für den Luise-Rinsche-Weg. Sie war von 1929 bis 1932 für die SPD in den Lippischen Landtag gewählt worden und in dieser Zeit die einzige Frau im Gremium. Ihre Enkelin Resi Fischer freut sich mit Rüdiger Scheuß, Ortsbürgermeister von Pivitsheide VL (links) und SPD-Chronist Gerd Kaulvers über die Ehrung. (© Jost Wolf)
Wegweisend: Axel Friedrich vom Bauhof befestigt das Straßenschild für den Luise-Rinsche-Weg. Sie war von 1929 bis 1932 für die SPD in den Lippischen Landtag gewählt worden und in dieser Zeit die einzige Frau im Gremium. Ihre Enkelin Resi Fischer freut sich mit Rüdiger Scheuß, Ortsbürgermeister von Pivitsheide VL (links) und SPD-Chronist Gerd Kaulvers über die Ehrung. Foto: Jost Wolf - © Jost Wolf
Wegweisend: Axel Friedrich vom Bauhof befestigt das Straßenschild für den Luise-Rinsche-Weg. Sie war von 1929 bis 1932 für die SPD in den Lippischen Landtag gewählt worden und in dieser Zeit die einzige Frau im Gremium. Ihre Enkelin Resi Fischer freut sich mit Rüdiger Scheuß, Ortsbürgermeister von Pivitsheide VL (links) und SPD-Chronist Gerd Kaulvers über die Ehrung. Foto: Jost Wolf (© Jost Wolf)

Detmold-Pivitsheide VL. Bei der Benennung von Detmolder Straßen werden künftig mehr Frauen berücksichtigt werden. Das ist erklärtes Ziel von Politik und Stadtverwaltung. Der Pivitsheiderin Luise Rinsche ist diese Ehre nun zuteil geworden. Ihr Name bezeichnet jetzt den Verbindungsweg zwischen der Straße „Am Langen Grund" und der Kusselstraße.

1894 geboren in Pivitsheide VH hat Luise Rinsche rund 40 Jahre in Pivitsheide VL gelebt und gewirkt, weshalb die nach ihr benannte Straße auch in VL liegt. Luise war mit dem Kaufmann Ernst Rinsche verheiratet und im Ortsteil sehr aktiv. 1909 hatte sie mit anderen Sozialdemokraten den SPD-Ortsverein Pivitsheide gegründet. „Dies war für eine Jugendliche zu einer Zeit, als Frauen noch über keine politischen Rechte verfügten, außergewöhnlich und fortschrittlich", weiß Stadtarchivarin Dr. Bärbel Sunderbrink. Erst 1919 wurde das Wahlrecht für Frauen eingeführt.

Um der sozialen Not nach dem Ersten Weltkrieg zu begegnen, gründete Rinsche mit Gleichgesinnten den ersten Stützpunkt der Arbeiterwohlfahrt in Pivitsheide. Auch politisch betätigte sie sich weiter und wurde 1929 als einzige Frau für die SPD in den Lippischen Landtag gewählt. „Die mit dem Mandat und zahlreichen politischen und sozialen Ehrenämtern zusammenhängenden Aufgaben meisterte sie vorbildlich", urteilt Stadtarchivarin Sunderbrink. Luise Rinsches Biografie stehe stellvertretend für Frauen, die sich in besonderer Weise sozial engagiert hätten. Zusätzlich habe Rinsche ihr Landtagsmandat in einer politisch höchst problematischen Zeit ausgeübt.

„Meine Mutter war damals gerade zwei Jahre alt", erzählt Rinsches Enkelin Resi Fischer. „Die Kinderbetreuung musste nach Wahl meiner Oma in den Landtag oft mein Opa übernehmen." Der Großvater sei unheimlich stolz auf seine Frau gewesen, erinnert sich Resi Fischer.

Weil ihre Eltern auch oft im Lebensmittelgeschäft der Großeltern am Lemgoer Tor gearbeitet hätten, sei sie bis zum Alter von etwa sieben Jahren hauptsächlich von der Großmutter erzogen worden, berichtet Fischer. „Deshalb freue ich mich auch sehr über die Straßenbenennung."

Den Vorschlag hatte Rüdiger Scheuß, Ortsbürgermeister von Pivitsheide VL gemacht. „In der Chronik ,Geschichte der Lippischen Sozialdemokratie‘ von Karl Rauchschwalbe ist der Name Rinsche dreimal erwähnt", erzählt Scheuß. „Und in dem Rückblick auf 100 SPD in Pivitsheide von Gerd Kaulvers ist sie natürlich auch erwähnt." Nach dem Zweiten Weltkrieg war Rinsche als eine von 23 Frauen zum 100-jährigen Bestehen der Bundespartei während der Feier in Frankfurt geehrt worden.

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