Kinderhospizdienst hat ein offenes Ohr für die Traurigkeit

Silke Buhrmester

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Ein offenes Ohr: Koordinatorin Gaby Monath des Ambulanten Hospiz- und Palliativddienstes (rechts) und Anette Selke, Präsidentin des Soroptimist Clubs Detmold. - © Silke Buhrmester
Ein offenes Ohr: Koordinatorin Gaby Monath des Ambulanten Hospiz- und Palliativddienstes (rechts) und Anette Selke, Präsidentin des Soroptimist Clubs Detmold. (© Silke Buhrmester)

Detmold. Diese Spende kommt Gaby Monath, Koordinatorin für Kinder- und Jugendhospizarbeit, gerade recht: Für die Kindertrauergruppen hat Annette Selke, Präsidentin des Soroptimist Clubs Detmold, ihr 2.000 Euro überreicht. Das Geld stammt aus dem Erlös des Suppenverkaufs der Soroptimistinnen auf dem Detmolder Weihnachtsmarkt.

Das Kunstwerk aus Holz schmückt den hellen Raum in der Langen Straße 31 – es handelt sich um einen übergroßen Kopf aus Holz, der eine Hand am Ohr hat: „Das Werk heißt ,Offenes Ohr’ – und es passt zum Ziel unserer Trauergruppen", unterstreicht Gaby Monath. Gerade dieser Zweig der Arbeit des Ambulanten Hospiz- und Palliativdienstes ist auf Spenden angewiesen, erhält er doch kein Geld von den Krankenkassen. Mit der Soroptimisten-Spende könnten besondere Ausflüge, gemeinsame Aktionen oder Bastelmaterialien finanziert werden.

Information

Zehn Jahre Trauergruppen

Seit mittlerweile zehn Jahren gibt es die Kinder- und Jugendtrauergruppen im Ambulanten Hospiz- und Palliativ-Beratungsdienst Lippe e.V. Derzeit teilen sich die mehr als 30 Kinder in drei Gruppen auf: Sechs- bis Neunjährige, Zehn- bis 14-Jährige und 14- bis 18 -Jährige. Acht Ehrenamtliche begleiten die Gruppen, die sich jeweils einmal im Monat für zwei Stunden treffen. Die Trauerbegleiter sind im Durchschnitt um die 40 Jahre alt, viele sind in sozialen Berufen tätig, zum Beispiel Heilpädagogen, Erzieher.

Die meisten Kinder, die in die Trauergruppen kommen, haben ein Elternteil oder ein Geschwister verloren – seltener auch Großeltern. Im geschützten Raum sprechen sie mit Gleichaltrigen über ihre Erfahrungen. Sie merken, dass sie mit ihrer Trauer nicht allein sind, suchen mit Hilfe der Trauerbegleiter nach neuen Wegen und schöpfen neuen Mut.

Es sei immer wieder erstaunlich, wie unverkrampft Kinder mit dem Thema Tod umgingen, wenn man ihnen genügend Raum ließe, Gefühle zu zeigen. „Wie lange ein Kind die Gruppe besucht, ist ganz individuell. Manche bleiben nur ein paar Monate, andere zwei Jahre", sagt Monath.

Obwohl es mit der „Leuchtturm"-Trauergruppe noch ein zweites Angebot in Lippe gibt, kann sich der Ambulante Hospiz- und Palliativdienst vor Anfragen kaum retten: „Viele Jahre wurden Erlebnisse mit dem Tod nicht thematisiert, aber das ist heute anders", unterstreicht Monath. Derzeit gebe es Überlegungen, eine vierte Gruppe ins Leben zu rufen. Zur Betreuung müssten jedoch weitere Ehrenamtliche gewonnen werden. Die Koordinatorin hofft, dass sich unter den Teilnehmern eines demnächst auslaufenden Qualifikationskurses neue Interessenten für die Kinderhospizarbeit finden.

Einige Kinder aus den Trauergruppen kennen den Hospizdienst schon, denn die Ehrenamtlichen übernehmen auch die Begleitung der Familien mit schwerstkranken Kindern. Dabei stehe oft die Mutter der kranken Kinder im Vordergrund, aber auch die Geschwister. „Es geht darum, den Angehörigen eine kurze Zeit der Entlastung zu schaffen", erläutert Monath. Aktuell werden elf Familien betreut. Gaby Monath übernimmt den Erstkontakt und bringt die Familien und die Ehrenamtlichen zusammen. Dabei spiele nicht nur die räumliche Nähe eine Rolle, sondern vor allem müsse die Chemie zwischen beiden Seiten stimmen.

„Manche Kinder werden sehr lange begleitet – wir haben ein Kind, dass schon seit elf Jahren von derselben Mitarbeiterin betreut wird." Die Eltern empfänden die Hilfe oft als große Entlastung: „Da gibt es zum Beispiel einen schwerstkranken Jungen, den eine unserer Mitarbeiterinnen jede Woche besucht, um ihm vorzulesen. Mittlerweile kennt sie ihn schon sehr gut und weiß, was er hören möchte. Und die Mutter sagt, dass er dabei eine große Entspannung empfindet."

Die Qualifizierung der Mitarbeiter, aber auch die Arbeit mit den Familien sind Felder, die der Hospizdienst weiter ausbauen will. Auch dafür werden Spendengelder benötigt. In Planung ist laut Morath zum einen ein Frauenfrühstück: „Viele der Mütter schwerstkranker Kinder leben sehr isoliert. Ihnen Kontakte zu ermöglichen, ist ein Ziel", sagt die Koordinatorin.

Zudem steht auch die Weiterbildung der Ehrenamtlichen im Mittelpunkt. So soll demnächst eine Erzählerausbildung angeboten werden, damit die Ehrenamtlichen lernen, mit den Kranken zu kommunizieren, die auf normalem Wege nicht mehr zu erreichen sind. Annette Selke verspricht, dass der Soroptimist Club die Arbeit weiter unterstützen will.

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