Neue Stadtführung: Mit Clara Schumann durch Detmold

Julia Schäbsdau

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Sopranistin Gesa Schuddeboom singt während der Führung Lieder von Brahms und - natürlich, Schumann. - © Julia Schäbsdau
Sopranistin Gesa Schuddeboom singt während der Führung Lieder von Brahms und - natürlich, Schumann. (© Julia Schäbsdau)

Detmold. Das bodenlange Kleid mit Reifrock, in dem Stadtführerin Gesa Schuddeboom steckt, entspricht nicht gerade der aktuellen Mode. Selbstverständlich, dass sie da einige Blicke auf sich zieht. An Samstagen im Mai und Juni führt Schuddeboom als Clara Schumann durch die Residenz, um lebhaft zu berichten, wie es hier damals aussah, als die berühmte Pianistin noch in Theater und Schloss konzertierte.

Es geht zu Orten, an denen sich die musikalischen Größen aufhielten. Bei ihrem Spaziergang, zu dem sich bei diesem erst zweiten Termin nur eine kleine Gruppe angeschlossen hat, stellt „Clara" immer wieder fest, wie sich die Zeiten seit ihrem Ableben verändert haben. 208 Jahre alt wäre Ehemann Robert im Juni geworden. Der Schmerz sitzt auch nach mehr als einem Jahrhundert noch tief. Schon auf den ersten Metern muss „Clara" zweimal ihr Taschentuch zücken, weil sie ihren Gatten immer noch so wahnsinnig vermisst. „Sie müssen wissen, der Kontakt bricht ab, wenn man gestorben ist", schluchzt sie. Aber dann ist da ja noch Brahms. Und bei der Ankunft an dessen Büste auf dem Schloßplatz ist Robert dann kurzerhand vergessen.

Erinnerungen an Brahms: Gesa Schuddeboom erzählt als Clara Schumann, was "ihr Johannes" in Detmold so alles erlebt hat. - © Julia Schäbsdau
Erinnerungen an Brahms: Gesa Schuddeboom erzählt als Clara Schumann, was "ihr Johannes" in Detmold so alles erlebt hat. (© Julia Schäbsdau)


Zu der angeblichen Affäre mit ihrem Muisker-Kollegen äußert sich „Clara" nicht. Die Büste gefällt ihr, der „guten Bekannten", jedenfalls nicht: „Da sieht er doch so alt aus", befindet die. Und kramt ein Foto in Sepia aus ihrem Täschchen: „Da! So sah Johannes damals aus, mit 24. Ein dufter Typ, würde man heute sagen." Neben Schwärmereien hat „Clara Schumann" auch einiges an Fakten zu Brahms und seinem Leben und Wirken in Detmold parat. Diese präsentiert sie an jeweils entsprechenden Orten. Etwa dem heutigen DRK-Sitz in der Hornschen Straße, wo Brahms seinerzeit ein Quartier fand. Der Komponist habe in Detmold einige wichtige Werke geschrieben, beispielsweise einen Begräbnisgesang, nach dem er später sein Requiem entwickelte.

Am Hof stark eingespannt, habe unter anderem die Leitung des Chores zu seinen Aufgaben gezählt. Von seinen Einnahmen aus Detmold habe er ein Jahr lang leben können. Clara Schumann selbst kam damals auf Einladung von Prinzessin Friederike nach Detmold, wo sie die Schwester Leopolds III. unterrichtete. Schuddeboom ist im echten Leben ausgebildete Sängerin. Ihre professionelle Darbietung dreier ausgewählter Lieder von Clara Schumann und Johannes Brahms untermalt die Führung. „Früher habe ich ja nicht gesungen, aber die Zeiten ändern sich", erklärt „Clara" dazu. Gesa Schuddeboom bleibt die ganze Führung über in ihrer Rolle. Als „Clara" stolziert sie auch mal in ein Modegeschäft, um nach Krinolinenkleidern zu fragen. Oder spricht einen Motorradfahrer mit Helm an, ob der Herr denn ein Ritter sei. Ein amüsanter, aber auch sehr interessanter Einblick in eine Zeit, die Detmold nachwirkend geprägt hat.

Das sind die Termine

Wer Clara Schumann in Aktion erleben möchte, hat noch mehrere Termine zur Auswahl. Die Führung findet an den Samstagen 12. und 26. Mai sowie 16., 23. und 30. Juni statt. Treff ist um 14 Uhr am Landestheater. Die Teilnahme kostet 9 Euro, die Dauer beträgt etwa 80 Minuten. Weitere Infos gibt es in Kürze hier.

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