Detmolderinnen entwickeln Osccar gegen das Camping-Chaos

Alexander Schaller

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Martina (links) und Kerstin Dekomien mit ihrem eingebauten Campingsystem "Osccar" - © Alexandra Schaller
Martina (links) und Kerstin Dekomien mit ihrem eingebauten Campingsystem "Osccar" (© Alexandra Schaller)

Detmold. Im Sommer 2011 machen sich Martina und Kerstin Dekomien auf den Weg in den Camping-Urlaub. Mit ihrem VW Bulli soll es für das Ehepaar nach Schweden gehen – tausende Kilometer quer durch das Land. Im Kofferraum ihres Wagens schlafen die beiden nicht nur, sie schleppen in diversen Klappkisten auch unzählige Camping-Utensilien mit. Das Chaos ist programmiert. Und die beiden Frauen sind sich einig: Dafür muss eine Lösung her.

Doch sämtliche Anbieter können ihnen nicht das bieten, was sie suchen. Kurzerhand entschließen sich die beiden leidenschaftlichen Tüftlerinnen, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und ein Organisationstool für Campingfahrzeuge zu entwickeln. Als Geschäftsführerin des Detmolder Unternehmens „Detail3" ist Martina Dekomien (34) tagtäglich mit Produktentwicklungen beschäftigt. Zudem sind beide Diplom-Ingenieurinnen im Bereich Holztechnik. Schon Ende 2011 steht ein erster Entwurf für das Organisationssystem „Osccar".

In Zusammenarbeit mit der Hochschule OWL in Detmold wird ein Prototyp entwickelt, diverse Tests folgen. In den darauffolgenden Jahren müssen sich die beiden Frauen allerdings noch diversen weiteren Herausforderungen stellen.

Das fing schon beim verwendeten Material an. „Insgesamt sollte das System nicht zu schwer werden und kaum Platz im Wagen verschwenden", erklärt Martina Dekomien. Die Wahl fiel also auf einen Aluminium-Kunststoff-Verbund-Werkstoff, der mit einer Wanddicke von gerade mal drei Millimeter aufwarten konnte. „Mit unserem System ist so 20 Prozent mehr Raumnutzung möglich als bei Mitbewerbern", erklärt sie.

Zusätzlich haben sich die Frauen für eine Falttechnik entschieden. „Die Entwicklung war extrem aufwendig", gibt Kerstin Dekomien (38) zu. Dafür ist der Zusammenbau im Nachhinein einfach und auch unterwegs ohne Werkzeug machbar. Besonders viel Tüftelbedarf gab es bei der Wahl des Klebers. „Schließlich muss der nicht nur die Fliehkräfte im Fahrzeug aushalten, sondern auch bei extremer Hitze im Inneren des Wagens alles zusammenhalten", sagt sie.

Inzwischen wären die „Osccars" serienreif. Aktuell bauen die beiden Frauen die verschiedenen Modelle aber noch händisch in ihrer kleinen Werkstatt in den Büroräumen von „Detail3" in Detmold zusammen. „Die Anschaffungskosten sind nicht ohne", geben die Tüftlerinnen zu. Daher bieten sie das Modell auch zur Miete an. „Wir sind uns sicher: Wer es einmal getestet hat, der will es auch haben", sagt Martina Dekomien. Dennoch haben sie und Ehefrau Kerstin erst einen „Osccar" verkauft.

„Seit Ende 2017 sind wir auf dem Markt. Das Interesse bei den Campern ist in jedem Fall gegeben", ist Martina Dekomien zuversichtlich. An weiteren Ideen mangelt es ebenfalls nicht: Demnächst soll die Spülvorrichtung um eine Kochplatte ergänzt werden.

Und auch der nächste Urlaub mit dem eigenen „Osccar" ist schon geplant: Für eine Woche soll es nach Paris gehen. Dem Ehepaar hat das eigene System in jedem Fall zu wesentlich entspannteren Urlauben verholfen. „Wir streiten uns weniger, weil wir weniger suchen müssen", sagt Kerstin Dekomien und schmunzelt.

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