Maden in der Suppe: Neuer Prozess gegen Ex-Inhaber des "Toro-Blanco" vertagt

Janet König

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Das "Toro Blanco" in der Oberen Mühle ist seit Ende 2018 geschlossen. Das Objekt steht inzwischen zum Verkauf. - © Bernhard Preuss
Das "Toro Blanco" in der Oberen Mühle ist seit Ende 2018 geschlossen. Das Objekt steht inzwischen zum Verkauf. (© Bernhard Preuss)

Detmold. Eine Made in der Suppe, verschimmeltes Fleisch im Kühlhaus – die ekelerregenden Zustände im ehemaligen spanischen Restaurant „Toro Blanco" in der Oberen Mühle hatten die Detmolder Gastronomieszene in Aufruhr versetzt und den damaligen Inhaber vor Gericht gebracht. Beim Prozess im Dezember wurde der Detmolder Restaurantbetreiber vom Amtsgericht zu einer Geldstrafe verurteilt – jetzt wird der Fall neu vor dem Landgericht verhandelt.

Denn sowohl Staatsanwaltschaft als auch der Angeklagte waren laut Mitteilung des Landgerichts in Berufung gegangen. Doch der Verhandlungstermin ist fürs Erste aufs Eis gelegt - aus Krankheitsgründen wird der Fall nicht am 15. Mai verhandelt. Ein neuer Termin steht noch nicht fest.

Der 55-jährige Detmolder war zu einer Geldstrafe von insgesamt 10.400 Euro verurteilt worden. Wegen vorsätzlichen Verstoßes gegen das Lebensmittelgesetz sollten diese in 160 Tagessätze zu je 45 Euro gezahlt werden, damit wäre der Detmolder vorbestraft. Für den Inhaber kamen außerdem zwei Geldbußen in Höhe von 1500 und 1700 Euro dazu. Der Staatsanwaltschaft war das Urteil zu lasch, sie hatte laut Sprecherin Johanna Dämmig ein halbes Jahr Gefängnis gefordert.

Verteidiger Remzi Yalcin sieht das anders. Für den Detmolder Anwalt war die Geldstrafe „viel zu hoch". Deshalb habe sein Mandant, der in erster Instanz von Rechtsanwalt Volker Schulte aus Gehrden vertreten wurde, Berufung eingelegt. „Durch den unglaublichen Medienaufruhr war die Stimmung äußerst angespannt", erinnert sich Schulte, der den 55-jährigen Detmolder auch weiterhin anwaltlich betreut, aber am Berufungsprozess nicht teilnehmen wird. Die aufgeheizte Atmosphäre habe beim ersten Termin nicht gerade zu einer nüchternen Prozessführung beigetragen, meint der Verteidiger: „Man muss erstmal nachweisen, ob mein Mandant wirklich in allen Punkten persönlich verantwortlich gemacht werden kann." Diese Frage sei im ersten Prozess nicht geklärt worden.

Der 55-jährige Restaurantbetreiber erhofft sich laut Landgerichtssprecher Wolfram Wormuth sogar einen Freispruch. „Der Angeklagte hält sich für unschuldig", sagt Wormuth, Zur neuen Verhandlung sollen alle wesentlichen Zeugen erneut gehört werden. An den Vorwürfen habe sich jedoch nichts geändert.

Made in der Suppe

Im Juni 2018 hatten Gäste in ihrer Fischsuppe Maden entdeckt und umgehend die Lebensmittelkontrolle verständigt. Am nächsten Tag sei der Betrieb sofort durch einen Mitarbeiter des Kreises Lippe kontrolliert worden. Dabei seien gravierende hygienische und bauliche Mängel festgestellt worden. Das Restaurant wurde noch vor Prozessbeginn geschlossen, da die hygienischen Makel nicht ausreichend beseitigt wurden. Insgesamt acht Mal war die Gesundheitsaufsicht im Jahr 2018 in der Oberen Mühle. Es hatte Beschwerden und zwei Strafanzeigen gegeben.

In der Küche stellten die Kontrolleuren eine stickige und drückende Raumluft sowie aasige, faulige und übelriechende Verderbnisgerüche fest. Zudem soll der Fußboden mit fest anhaftenden, dunklen Lebensmittel- und Schmutzrückständen verunreinigt gewesen sein. Die Kontrolleure hatten auf dem Boden des Kühlhauses eine trübe, schleimige Flüssigkeit entdeckt, in der sich tote Maden und stark verdorbenes Fleisch schwammen. Anschließend mussten knapp 200 Kilogramm verdorbene Lebensmittel entsorgt werden.

Die Obere Mühle steht inzwischen zum Verkauf. Der Besitzer, die Brauerei Krombacher, verhandelt mit Kaufinteressenten. Pressesprecher Peter Lemm sagt, man hoffe, in den kommenden Wochen die Vertragsunterzeichnung abzuschließen. "Es soll auf jeden Fall als Gastronomie weitergeführt werden." Lemm geht nicht davon aus, dass das Lokal pünktlich zur Biergartensaison öffnen wird.

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