Trend zu grüner Energie: Jowat setzt auf Solarstrom

Jana Beckmann

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Sowohl auf der Logistik-Halle (große Fläche links) und auf dem Neubau (rechts) sind Photovoltaik-Module neu installiert worden. - © Jowat SE
Sowohl auf der Logistik-Halle (große Fläche links) und auf dem Neubau (rechts) sind Photovoltaik-Module neu installiert worden. (© Jowat SE)

Detmold. Wer die Ernst-Hilker-Straße entlang fährt, dem fällt Jowat ins Auge. Der Klebstoffhersteller mit mehr als 100-jähriger Geschichte ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen und hat sich mittlerweile auf beiden Seiten der B239 ausgebreitet. Was dem Betrachter zu ebener Erde verborgen bleibt, zeigt sich aus der Vogelperspektive: eine Photovoltaik-Anlage auf den Dächern des Unternehmens. Am Dienstag erfolgte die symbolische Inbetriebnahme.

Damit gingen rund 1800 Photovoltaik-Module, die auf dem Logistik-Gebäude und auch auf dem Dach des Neubaus hinter dem Hauptgebäude errichtet worden sind, ans firmeneigene Netz. 3600 Quadratmeter Fläche werden damit bedeckt, was etwa 14 Tennisplätzen entspricht. Der jährliche Ertrag liegt bei 634.000 Kilowattstunden, womit 200 Haushalte versorgt werden könnten - oder ein Teil des Unternehmens.

Vorstand Ralf Nitschke (rechts) gibt zusammen mit Werkleiter Dirk-Alexander Segger und Mark Pixa von der Firma "Schoenergie" den Startschuss. - © Jana Beckmann
Vorstand Ralf Nitschke (rechts) gibt zusammen mit Werkleiter Dirk-Alexander Segger und Mark Pixa von der Firma "Schoenergie" den Startschuss. (© Jana Beckmann)

"Wir decken damit 5 bis 6 Prozent unseres Strombedarfs", berichtet Vorstand Ralf Nitschke. Ein Bruchteil, und dennoch lohnt sich der Umstieg für das Unternehmen. Zum einen monetär, weil der Strom vom eigenen Dach günstiger ist als der aus dem Netz. Zum anderen, weil dadurch der CO2-Ausstoß weiter verringert wird, und zwar um 200 Tonnen pro Jahr. Und das ist nicht alles.

Windenergie ist ebenfalls Thema

"Wir haben mit dem Haus der Technik einen reinen Holzbau errichtet, der CO2 speichert. Und als nächstes würden wir gerne von den Windrädern im Teutoburger Wald Energie abnehmen", sagt Nitschke und zielt damit auf das nicht unumstrittene Projekt von Westfalenwind ab, auf Flächen des Fürstenhauses Windenergie-Anlagen zu errichten. "Das wäre der nächste Schritt hin zu einer nachhaltigen Energieversorgung."

Solardächer gibt es nach Angaben des Unternehmens darüber hinaus auch an den Standorten in Malaysia und in der Schweiz, und auch in Detmold hatte es vor dem aktuellen Projekt bereits einige Module gegeben. Nach dem Regierungswechsel in Berlin ging es an die Erweiterung. Nicht etwa, weil Fördermittel in Aussicht gestanden hätten. Sondern weil klar gewesen sei, dass es eine vermehrte Nachfrage in Sachen Photovoltaik geben würde.

"Die Bestellung haben wir im November aufgegeben", berichtet Werkleiter Dirk-Alexander Segger. Im April ging es schließlich in die Umsetzung. Alle Gebäude, deren Statik Photovoltaik-Module zulassen, wurden belegt. Dann kam die Energiekrise - und damit rechnet sich die Anlage laut dem Werkleiter noch schneller.

Wärme wird mit Gas erzeugt

Etwa 12 Gigawattstunden Strom benötigt Jowat pro Jahr, wobei jeweils die Hälfte auf Produktion und auf Büros entfällt. Die Prozesswärme, die für die Klebstoffherstellung benötigt wird, wird dagegen mit Gas erzeugt. Das Thema Energie beschäftigt das Unternehmen eigener Aussage zufolge schon seit Jahren, regelmäßig gebe es ein Energie-Audit. Ziel sei es, mit nachhaltigen Rohstoffen und nachhaltiger Energie, nachhaltige Klebstoffe herzustellen. "Die Nachfrage danach wird immer größer. Das Kaufverhalten allerdings noch nicht", sagt Vorstand Ralf Nitschke.

Zu den energieintensiven Unternehmen gehört Jowat übrigens nicht und profitiert deshalb auch nicht von dem Hilfsprogramm, mit dem Unternehmen angesichts der steigenden Energiekosten entlastet werden sollen. Der Grund: Energie machte im Referenzzeitraum 2021 weniger als 2 Prozent des Netto-Produktionsumsatzes aus. Mittlerweile hat sich dieser Wert nach Angaben von Vorstand Ralf Nitschke verändert.

Und so richtet er eine klare Forderung an die Politik: "Alle Stromerzeugungsmöglichkeiten ans Netz bringen, damit durch das größere Angebot der Preis sinkt." Mit der Wirtschaft gehe es steil bergab, Unternehmen stellten bereits ihre Produktion ein. "Es muss schnell der Schalter umgelegt werden."

Daten und Zahlen

Das Unternehmen blickt auf eine mehr als 100-jährige Geschichte zurück. Im Jahr 1919 hatte Johannes Watzlawczik eine Großhandelsfirma für Drogen- und Farbwaren in Breslau eröffnet, 1945 erfolgte die Neugründung in Detmold. Heute hat der Klebstoffhersteller weltweit 5 Produktionsstandorte und 23 Tochter- und Vertriebsgesellschaften. 1200 Mitarbeiter sind für das Unternehmen tätig, 635 davon in Deutschland.

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