Ausstellung erzählt vom Ende einer Dynastie

Temde in Detmold: Der Aufstieg und Niedergang eines Unternehmens

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Auch Rollschuhe gab es aus Detmold. - © Foto: Beckschäfer
Auch Rollschuhe gab es aus Detmold. (© Foto: Beckschäfer)

Detmold (abe). Anlässlich der Gründung der Firma Temde vor 100 Jahren hat Bürgermeister Rainer Heller in der Volkshochschule eine Ausstellung eröffnet. Darin wird auf 18 Tafeln die bewegte Geschichte des Detmolder Unternehmens rekonstruiert.

Das öffentliche Interesse war so groß, dass im Vortragsraum der VHS sämtliche Stühle belegt und selbst Stehplätze rar waren. In einem Vortrag stellte Stadtarchivar Dr. Andreas Ruppert die Entwicklung des Betriebes dar. Gegründet wurde Temde (der Markenname entstand aus einer Kurzform des Namens des Vaters: "Theodor Müller, Detmold") von Fritz Müller. Dieser hatte als Auszubildender im väterlichen Betrieb seine holzhandwerkliche Herkunft mit dem ausgeprägten Interesse an Elektrizität verbunden und mit der Herstellung von Holzleuchten eine Marktlücke entdeckt. "Die Erfindungskraft von Fritz Müller war faszinierend, bereits als Jugendlicher hatte dieser im Jahre 1905 Patente für das Schließsystem eines Schreibtischs in mehreren Ländern", beschrieb Ruppert, dass die Geschichte der Firma Temde gleichzeitig auch die Geschichte eines technisch außergewöhnlich begabten Wunderkindes gewesen sei. Es folgten Innovationen, die auf die gesamte Branche ausstrahlten, wie etwa eine bis heute verwendete Gewindefassung zur Befestigung von Lampenschalen und -schirmen. Über die Jahrzehnte meldete die Firma Temde insgesamt 75 Patente an. Fritz Müller war nicht nur für die gesamte Produktstrategie verantwortlich, sondern erwies sich auch gewiefter Marketingstratege.

Die Papiere und Objekte, die zum Teil aus dem Nachlass des Fritz Müller-Sohnes Gerhard stammen, dokumentieren die Expansion des Unternehmens, dessen Erfolge im Export auch die Eröffnung eines Zweitwerkes im schweizerischen Sevelen begründete. Der Niedergang der Firma in den1980er-Jahren ging mit dem Bedeutungsverlust der Möbelindustrie einher. "Zudem habe sich die einstige Stärke der Firma, alle Arbeitsgänge im Haus auszuführen, in Zeiten der Globalisierung zu ihrer größten Schwäche gewandelt", nannte Ruppert einen Grund für das Ende der Erfolgsgeschichte der Lampenfabrik.

Die Ausstellung kann zu den Öffnungszeiten der VHS betrachtet werden.

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