Einzigartige Schachfigur auf der Falkenburg entdeckt

Archäologen finden Objekt aus dem späten 12. Jahrhundert

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Diese Schachfigur aus dem späten 12. Jahrhundert ist bei Grabungen an der Falkenburg in Detmold gefunden worden. - © Foto: Landschaftsverband Westfalen-Lippe
Diese Schachfigur aus dem späten 12. Jahrhundert ist bei Grabungen an der Falkenburg in Detmold gefunden worden. (© Foto: Landschaftsverband Westfalen-Lippe)
Forscher entdecken uralte Schachfigur - © DETMOLD
Forscher entdecken uralte Schachfigur (© DETMOLD)

Detmold (lz). Überraschung bei Grabungen an der Falkenburg: Archäologen haben bei ihren Arbeiten in den ehemaligen Wohngebäuden der Burgbewohner eine kunstvoll gearbeitete Schachfigur von internationalem Rang entdeckt.

Ein einfacher Holzbau aus dem späten 12. Jahrhundert, den die Wissenschaftler zunächst für eine Bauhütte bei der Errichtung der Burganlage gehalten hatten, entpuppte sich im Verlauf der Ausgrabung nicht nur als das erste Gebäude auf dem Burgberg, sondern als das erste Heim von Bernhard II. zur Lippe. Wahrscheinlich ein Provisorium, in dem er während der Bauphase der Burganlage wohnte.

"Ausgerechnet in diesem Gebäude, das zunächst so unscheinbar wirkte, haben wir die bislang frühesten und schönsten Funde gemacht", so Grabungsleiter Dr. Hans-Werner Peine. "Neben Hausrat wie Scheren und einfacher Gebrauchskeramik fanden wir hier auch kunstvoll gearbeitete Möbelbeschläge aus vergoldetem Buntmetall - ein eindeutiges Zeichen dafür, dass dieses Gebäude der hochrangigsten Person auf der Burg vorbehalten war."

Der Höhepunkt für die Wissenschaftler war laut einer Mitteilung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe eine zehn Zentimeter große, aus Knochen kunstvoll geschnitzte Figur, die ebenfalls in dem Holzbau gefunden wurde: "Diese Figur, die wir anhand der Kleidung als Darstellung eines Bischofs identifizieren können, ist in dieser Ausführung ein extrem seltener Fund", weiß Kreisarchäologin Dr. Elke Treude vom Lippischen Landesmuseum. "Solche Spielfiguren waren im Hochmittelalter meistens stark stilisiert - so naturgetreu gearbeitet gibt es nur eine handvoll vergleichbarer Funde auf der ganzen Welt."

Die Wissenschaftler fanden zahlreiche hochwertige Möbelbeschläge, Trachtbestandteile und Pferdegeschirr aus vergoldetem Buntmetall - ein Zeichen für den Reichtum und die Selbstdarstellung der Lippischen Edelherren. - © Foto: LWL/S. Brentführer
Die Wissenschaftler fanden zahlreiche hochwertige Möbelbeschläge, Trachtbestandteile und Pferdegeschirr aus vergoldetem Buntmetall - ein Zeichen für den Reichtum und die Selbstdarstellung der Lippischen Edelherren. (© Foto: LWL/S. Brentführer)

Der Bischof saß ursprünglich auf einem Thron, der ebenso wie der Kopf der Figur verloren gegangen ist, und besetzte im Spiel die Position des Läufers. "Im 12. Jahrhundert wurden die stilisierten Figuren mit militärischer Bedeutung, wie sie im Orient üblich waren, im europäischen Raum durch Figuren des wirklichen Lebens ersetzt", meint Grabungsleiter Dr. Hans-Werner Peine. "Statt Streitwagen und Streitelefanten eroberten dann Könige und Bischöfe, Ritter und Bauern das Schachbrett."

Neben den Funden haben die Archäologen auch die Baugeschichte vor allem der Wohngebäude der Burg ausführlich belegen können. Nachdem das erste, hölzerne Wohngebäude einem Brand zum Opfer fiel, sei es durch einen repräsentativen Steinbau ersetzt worden, der mit aufwendigem Quadermauerwerk, Glasfenstern, glasierten Bodenfliesen und einem Kachelofen prächtig ausgestaltet war. Später wurde dieser Prachtbau durch einen Pallas, das ist das repräsentativste Wohngebäude einer Burg, aus Bruchsteinmauerwerk abgelöst.

Im kommenden Jahr wird die Erforschung des jüngsten Pallasgebäudes einen wichtigen Schwerpunkt bilden - auch die Wehrgebäude an den Burgtoren wollen die Archäologen dann genauer unter die Lupe nehmen.

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