Fall Arzu: Polizei bittet erneut um Hinweise

Schüsse in Remmighausen stammen nicht von Jägern - Polizei durchsucht auch Wohnungen von Verwandten

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Schüsse im Wald

nicht von Jägern - © Detmold
Schüsse im Wald nicht von Jägern (© Detmold)

Detmold-Remmighausen (lz). Die Schüsse, die zwei voneinander unabhängige Zeugen zur Tatzeit in einem Waldgebiet südlich der Hornschen Straße gehört hatten, stammen nicht, wie anfangs vermutet, von Jägern. "Demzufolge liegt die Vermutung nahe, dass sie etwas mit der Entführungstat zu tun haben könnten", so Polizeisprecher Uwe Bauer am Donnerstag. 

Die Polizei hatte am Mittwoch im Detmolder Ortsteil Remmighausen ihre Suche nach der verschleppten Kurdin Arzu Özmen fortgesetzt. Rund 130 Beamte durchsuchten ein 15 Hektar großes Wald- und Wiesengebiet zwischen Remmighausen und Hornoldendorf - ohne Erfolg.

Darüber hinaus wurden auch zwei Wohnungen von
Familienangehörigen der Entführten aufgrund von Hinweisen durchsucht, schreibt die Polizei. Auch hier fanden die Ermittler keine Spur von Arzu Özmen.

Die jesidische Kurdin lebte mit ihrer Familie in Remmighausen. Am 1. November war sie offenbar von Familienangehörigen aus der Wohnung ihres russlanddeutschen Freundes in Detmold entführt worden. Fünf tatverdächtige Geschwister sitzen in U-Haft und schweigen.

Jesiden haben kein Verständnis für ihre Verschleppung. - © Foto: Polizei
Jesiden haben kein Verständnis für ihre Verschleppung. (© Foto: Polizei)

Update: Unterdessen appelliert die Polizei weiterhin an die Bevölkerung, insbesondere auch an den Verwandten- und Bekanntenkreis der Verschleppten, jeden auch noch so unbedeutend scheinenden Hinweis zu melden. Alles ist wichtig und erwünscht und könnte den entscheidenden Durchbruch in den Ermittlungen erbringen.

Die intensiven Ermittlungen der Ermittlungskommission erfolgen weiterhin in alle Richtungen und dauern an. Hinweise an die Polizei Bielefeld unter 0521-5450, an die Polizei Lippe, 05231-6090 oder an jede andere Polizeidienststelle.

Information
Zentralrat der Jesiden äußert sich

Unterdessen verurteilt der Zentralrat der Jesiden in Deutschland die Entführung von Arzu Özmen (18) "aufs Schärfste". Für eine solche Gewalttat, die von Verwandten des Opfers an Allerheiligen in Detmold verübt worden sein soll, gebe es "keine Beschönigung oder Rechtfertigung", heißt es in einer Stellungnahme. Alle Verantwortlichen müssten "die volle Härte des Gesetzes erfahren".

Die Jesiden würden Wert darauf legen, dass Ehen innerhalb ihrer Religionsgemeinschaft geschlossen werden, heißt es weiter. Das sei aber kein Grund, um die Jesiden pauschal zu diskriminieren. Die junge Kurdin Arzu Özmen hatte eine Beziehung zu einem deutschen Freund.

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