Toxisches Substrat fließt in Oetternbach

An die hundert Kubikmeter Gärmasse gelangen aus Biogasanlage ins Gewässer

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Detmold (sk). Mehrere hundert Kubikmeter Gärsubstrat sind am Freitag nach dem Störfall in einer Biogasanlage an der Brokhauser Straße in den Oetternbach gelangt. Es dürfte Jahre dauern, bis sich das Gewässer wieder regeneriert, meinen Experten.

Wie Rüdiger Kuhlemann, Teamleiter der unteren Wasserbehörde beim Kreis Lippe, schildert, seien in den frühen Morgenstunden am Freitag geschätzte 300 Kubikmeter aus der Anlage ausgetreten, über einen Acker in ein Gewässer geflossen und dann an die 100 Kubikmeter des Gärsubstrates in den Oetternbach gelangt. "Ein großer Teil konnte glücklicherweise noch abgefangen werden", sagte Kuhlemann.

Viel wurde am Freitag abgepumpt und das namenlose Gewässer gesperrt sowie ein Fischereisachverständiger eingeschaltet, um den ökologischen Schaden zu begutachten. Dieser, so Kuhlemann, sei aber wohl als erheblich zu bewerten: Das Substrat bestehe aus Gülle und Maissilage mit hohem Stickstoffgehalt.

Der Fischereisachverständige Dr. Hartmut Späh aus Bielefeld sagte dazu: "Das Substrat lief in den Quellbereich. Der Bach war schwarz und schaumig, die Welle reichte bis zum Friedhof in Niewald." Erhebliche Schäden im Fischbestand seien ohne Zweifel zu erwarten: "Die toxische Wirkung kommt durch eine völlige Sauerstoffzehrung und die Oxidation zu Nitraten zustande." Es bleibe die nächste Woche abzuwarten - zumal auch viel Schlamm aus der Anlage in den Bach gelangt sei und dort den Boden bedecke. Weiter sei so einige Flüssigkeit in den Acker gesickert und werde gewiss im Laufe der nächsten Zeit in den Oetternbach gespült.

"Im Gegensatz zu einem Chemieunfall regeneriert sich der Bach bei biologischen Stoffen zwar schneller", so Dr. Späh. Dennoch dauere das sicher bis zu drei Jahre. 

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