Jugendliche schießen mit Softair-Waffen auf Sinti-Familie

Staatsschutz ermittelt nach rassistischen Äußerungen in Pivitsheide

Von Seda Hagemann

Sinti-Familie

mit Softair-Waffen beschossen - © DETMOLD
Sinti-Familie mit Softair-Waffen beschossen (© DETMOLD)

Detmold-Pivitsheide. Für die Frankes wird die Nacht zum Mittwoch immer in grauenvoller Erinnerung bleiben. Die Sinti-Familie, die am Freitag mit Genehmigung der Behörden ihr Lager für eine Woche auf dem Parkplatz am ehemaligen "Eichenkrug" in Pivitsheide aufgeschlagen hatte, wurde von einer Gruppe Jugendlicher mit Nazi-Parolen beschimpft und mit Softair-Waffen beschossen. 

Eine Gruppe von drei Mädchen und vier Jungs im Alter zwischen 16 und 18 Jahren hielt sich am späten Dienstagabend nach Schilderung der Sinti-Familie am Parkplatz auf, wo auch sie selbst lagerten. "Es war gegen Mitternacht. Erst hat die Gruppe uns heftig beschimpft und später hörten wir dann die Schüsse in unsere Richtung", beschreibt Vater Franke die Vorfälle in der Nacht. Daraufhin alarmierte die Familie die Polizei. Als die aber eintraf, waren die Jugendlichen bereits mit ihren Rollern in Richtung Stratenweg und Umgebung verschwunden. Die Beamten nahmen den Vorfall auf und fuhren davon.

Familie Franke baut ihr Lager vorzeitig ab. Eigentlich wollte die Sinti-Familie bis Freitag bleiben, doch nach der Alptraum-Nacht wollen sie nur noch weg. - © Foto: Seda Hagemann
Familie Franke baut ihr Lager vorzeitig ab. Eigentlich wollte die Sinti-Familie bis Freitag bleiben, doch nach der Alptraum-Nacht wollen sie nur noch weg. (© Foto: Seda Hagemann)

Nur kurze Zeit später kam die Gruppe zurück und schoss erneut mit Luftdruckwaffen auf die Wohnwagen der Familie. "Einer von uns wurde von einer abprallenden Kugel in die Rippen getroffen. Der hatte schlimme Schmerzen", erzählt der Vater. Am Mittwochnachmittag künden lediglich die Dellen in den Fahrzeugen noch vom nächtlichen Angriff.

Das Oberhaupt der Sinti-Familie mit insgesamt 24 Mitgliedern, darunter sind auch zehn Kinder, kann noch immer nicht verstehen, dass die Situation derart eskalierte. "Wir hatten allesamt Angst. Keiner von uns hat gestern Nacht wirklich geschlafen. Es war schrecklich." Die Familie rief nach dem zweiten Vorfall erneut die Polizei, die konnte jedoch - trotz Fahndung - wieder keinen der Täter auffinden. Vor Ort stellte die Polizei aber Plastikkugeln sicher, die aus sogenannten Softair-Waffen abgeschossen worden waren. Auch Polizeihunde waren laut der Familie Franke im Einsatz, um die Richtung, aus der die Schüsse abgefeuert wurden, herauszufinden.

Eine Anwohnerin, die nicht namentlich genannt werden möchte, beschreibt die Ereignisse der vergangenen Nacht als "erschreckend". "Ich bin noch immer ein wenig durcheinander. Es gab hier noch nie Probleme mit Ausländerfeindlichkeit und jetzt so etwas." Der Vorfall bewege ganz Pivitsheide. "Jeder spricht hier darüber. Die Familie ist schon seit Freitag hier und es gab keinerlei Probleme. Ich kann nicht verstehen, dass so etwas gerade hier passiert ist", so die junge Frau, die selbst Mutter ist.

Für Familie Franke ist der Aufenthalt in Pivitsheide nach dem Vorfall beendet. "Wir haben am Mittwochmorgen angefangen unsere Sachen zusammenzupacken. Wir wollen hier nicht mehr bleiben und werden weiterziehen", so der Vater.

Nun ermittelt auch der Staatsschutz Bielefeld. Die Beamten bitten nun um Hinweise aus der Bevölkerung. "Wer kann Angaben zu der Gruppe von Rollerfahrern und Fußgängern machen, die am 'Eichenkrug' aufgetaucht sind? Wer hat beobachtet, wie Schüsse aus Softair-Waffen abgefeuert wurden?", fragen die Ermittler. Alle Hinweise an: 0521-5450.

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