Jugendliche aus Deutschland und Litauen treffen Auschwitz-Überlebende

Gespräch mit Karla Raveh ist Höhepunkt

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Detmold-Heiligenkirchen (krü). Die in Lemgo geborene Auschwitz-Überlebende Karla Frenkel Raveh hat mit deutschen und litauischen Schülern gesprochen. Sie folgte einer Einladung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit.

Karla Frenkel Raveh lebt in Israel. Mit Applaus wird sie von 20 litauischen Jugendlichen aus Birzai empfangen. Gertrud Wagner von der Christlich-Jüdischen Gesellschaft bezeichnet es als einen Glücksfall, dass die Seniorin gerade in Lippe ist und aus ihrem Leben berichten kann.

Vor genau 70 Jahren wurde die 15-jährige Karla in das KZ Theresienstadt deportiert. 1944 kam sie in das Vernichtungslager Auschwitz und hatte Glück, dass sie als arbeitsfähige Jüdin für Munitionsproduktion selektiert wurde. Als sie die rauchenden Schornsteine von Auschwitz sah, dachte sie zunächst an Fabriken, in denen Juden arbeiten sollten, bis jemand sagte: "Das sind eure Leute, die da brennen."

Sehr anschaulich, vital und ohne Anklage erzählt die 85-Jährige aus dem KZ-Alltag. Die Jugendlichen sind emotional betroffen, und die Dolmetscherin Rasa Oesterwinter hat alle Hände zu tun, die vielen Fragen zu übersetzen. Die litauische Schülerin Simona, der beim Zuhören fast Tränen kamen, fand die Begegnung mit Karla Raveh wichtiger als reine Fakten, die man im Geschichtsunterricht lernt. Die deutsche Schülerin Dorina war erstaunt, wie offen sie über die schlimmen Erlebnisse sprechen konnte. Ihr Opa konnte nie darüber sprechen.

Das Gespräch mit Karla Ra­veh war Höhepunkt einer Jugendbegegnung zwischen Litauern und Deutschen. Eine Woche waren die Jugendlichen mit ihren Lehrern Gäste der Lippischen Landeskirche und wohnten im Haus Sonnenwinkel in Heiligenkirchen. Unter dem Thema "Wege der Toleranz" besuchten sie die Synagoge in Köln, lernten viel über die jüdische Geschichte in Lippe und hatten einen Workshop mit Behinderten in Eben-Ezer. Pastor Miroslav Danys von der Landeskirche stellte ein Programm zusammen, bei dem diverse touristische Ziele nicht fehlten (die LZ berichtete).

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