TV-Koch und DSDS-Kandidat aus Detmold muss ins Gefängnis

26-Jähriger gesteht 36 Betrugsfälle vor Gericht

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Haftstrafe wegen Betrugs in 36 Fällen - © Detmold
Haftstrafe wegen Betrugs in 36 Fällen (© Detmold)

Detmold. Seine TV-Karriere liegt vorerst auf Eis: Ein Tanzlehrer aus Detmold muss für drei Jahre und zwei Monate ins Gefängnis - wegen Betrugs in 36 Fällen. Der 26-Jährige räumte alle Taten vor Gericht ein.

Blass, nervös und ernst präsentierte sich E. am Dienstag vor dem Detmolder Schöffengericht. Wie berichtet, saß er seit Anfang März in Untersuchungshaft. Von seiner schillernden und durchgestylten Erscheinung, mit der er in mehreren TV-Formaten Aufmerksamkeit erregte, ist während der Verhandlung nicht viel übrig geblieben. Die Untersuchungshaft sei wie ein Schock für ihn gewesen, "Abschreckung pur". Er bereue seine Taten zutiefst. "Wenn ich nur die Zeit zurückdrehen könnte...", formulierte E. mit brüchiger Stimme seine Schlussworte.

- © Foto: Seda Hagemann
(© Foto: Seda Hagemann)

Er kann seine kriminelle Vergangenheit nicht ändern. Fast 20 Minuten dauerte allein die Verlesung der Anklageschrift durch Staatsanwältin Stefanie Kern. Die Vorwürfe wiegen schwer. E. mietete sich in den vergangenen Jahren immer wieder in teuren Hotels in Hamburg und Berlin ein, besuchte Musicals, buchte eine Reise ins Disneyland Paris oder lud seine Familie zum Skiurlaub nach Österreich ein. Bezahlen konnte er keine der Leistungen, trotzdem lebte er ein luxuriöses Leben.

Verteidiger: "Seine Bühne ist zusammengefallen"

Um seine Schulden zu bezahlen, wollte er mit einer Eventagentur durchstarten und viel Geld verdienen. Er bestellte Broschüren, Plakate sowie hochwertiges Musikequipment. Er stellte sogar einen Auszubildenden ein. Sein Schuldenberg wuchs weiter. Er buchte Visagisten und Friseure für einen Videodreh in Hamburg mit mehreren Darstellern, bestellte Kleidung, beging Tankbetrug. Staatsanwältin Stefanie Kern forderte in ihrem Plädoyer wegen der Vielzahl an Delikten, der einschlägigen Vorbestrafung und der Höhe des verursachten Schadens von fast 50.000 Euro eine Haftstrafe von vier Jahren und zwei Monaten.

Verteidiger Murat Baspinar versuchte in seinem Plädoyer, E.s Motiv herauszuarbeiten: "Warum macht ein junger Mann, der am Anfang seines Lebens steht, so einen Mist?" Seine Erklärung: Mit dem plötzlichen Tod der Schwester fing alles an. Den habe sein Mandant nie verkraftet. Zudem sei die Mutter erkrankt und E.s Lebensgefährte habe erwogen, sich von ihm zu trennen. Mit all diesen Problemen konfrontiert, habe sich der Detmolder immer mehr in Straftaten verstrickt. "Die Bühne, die er selbst aufgebaut hat, ist nun zusammengefallen", sagte Rechtsanwalt Murat Baspinar. Er forderte zwei Jahre und acht Monate Haft.

"Sie haben sich nach außen hin als der starke Mann präsentiert, der was zu bieten hat", sagte Richter Martin van der Sand im Urteil. Der Angeklagte habe allen etwas vorgespielt. Der Richter gab E. den Rat für den künftigen Umgang mit Problemen: "Lernen Sie für Ihr Leben, dass mit Offenheit viel zu gewinnen ist." Der 26-Jährige darf sich bis zu seinem Haftantritt in wenigen Wochen frei bewegen.

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