Richter hebt Haftbefehl gegen Tanzlehrer wieder auf

Von Seda Hagemann

Haftbefehl gegen Tanzlehrer wieder aufgehoben - © Detmold
Haftbefehl gegen Tanzlehrer wieder aufgehoben (© Detmold)

Detmold. Das Amtsgericht hat am Freitag den Haftbefehl gegen den Tanzlehrer aus Detmold wieder aufgehoben. Das teilte E.s Verteidiger Murat Baspinar auf Nachfrage mit. Der Angeklagte muss sich nun nicht mehr stellen und kann sich wieder frei bewegen - vorerst.

Wie berichtet, sollte am Mittwoch die Berufungsverhandlung gegen den 26-Jährigen stattfinden, der am 2. April zu einer Haftstrafe von drei Jahren und zwei Monaten verurteilt worden war. Sein Verteidiger war mit einem Attest erschienen, das den Angeklagten aufgrund einer akuten Erkrankung für verhandlungsunfähig erklärte. Dem Richter war dieses Schreiben ohne genaue Diagnose zu wenig. Also ordnete er an, dass der Angeklagte zur Überprüfung des Krankheitszustandes persönlich vor Gericht erscheinen möge. Polizeibeamte klingelten beim Detmolder, trafen ihn jedoch nicht zu Hause an.

Später wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft bereits einen Tag vor dem Berufungsprozess Haftbefehl gegen den Tanzlehrer beantragt hatte, da nach dem ersten Urteil weitere Betrugsfälle angezeigt worden waren. Oberstaatsanwalt Christopher Imig hatte dieses mit der Wiederholungsgefahr begründet.

E.s Anwalt legte am Freitag nun Unterlagen und Belege vor, die die neuen Taten, die im Haftbefehl eine Rolle spielen, zum Teil entkräften. "Es besteht kein hinreichender Tatverdacht mehr gegen meinen Mandanten, dass er in Betrugsabsicht gehandelt hat", sagte Murat Baspinar gegenüber der LZ. "Mein Mandant braucht sich nicht mehr zu stellen und darf sich wieder frei bewegen."

Konkret soll der Angeklagte nach seiner Verurteilung im Juni mehrere Kinokarten mit seiner EC-Karte bezahlt haben, das Konto sei aber nicht gedeckt gewesen, schilderte Imig. Die Staatsanwaltschaft hatte einen neuerlichen Betrugsfall angenommen.

E.s Vater gab am Freitag aber eine eidesstattliche Versicherung ab, dass er Geld vom gedeckten Konto seines Sohnes abgehoben habe, um für seinen Sohn Rechnungen zu begleichen. Von dieser Abbuchung habe E., der sich zu dem Zeitpunkt in Köln befand und ebenfalls Buchungen vornahm, nichts gewusst, sagt sein Verteidiger. Dadurch sei es überhaupt zu den Rücklastschriften gekommen.

Diese neuerlichen Sachverhalte entlasteten den Beschuldigten, entschied der Richter und hob den Haftbefehl auf. Es soll aber nach Aussage von Christopher Imig einen weiteren angezeigten Fall geben. Dabei soll E. unter falschem Namen Kinokarten gekauft haben, das Konto sei in diesem Fall aber gedeckt gewesen. Diese neuen Fälle würden zwar näher geprüft, ein dringender Tatverdacht bestünde nach Ansicht des Gerichtes aber nicht, sagte Imig.

Bleibt noch das Nichterscheinen des Angeklagten vor Gericht: Auch in diesem Fall könnte das Gericht einen Haftbefehl erlassen. Oder aber der Angeklagte legt ein neues Attest des behandelnden Arztes vor, in dem eine genaue Diagnose mitgeteilt wird. Es bliebe abzuwarten, "wie das Gericht damit umgeht", so Imig. Es könne auch sein, dass einfach ein neuer Termin für das Berufungsverfahren angesetzt würde.

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