Die Optik für Detmolds Wärmespeicher steht fest

Jana Beckmann

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Farbenspiel: Vom Bahnhof aus gesehenen soll der Wärmespeicherturm, passend zum Umfeld, mehr rote Platten erhalten. - © Montage: Stadtwerke Detmold
Farbenspiel: Vom Bahnhof aus gesehenen soll der Wärmespeicherturm, passend zum Umfeld, mehr rote Platten erhalten. (© Montage: Stadtwerke Detmold)

Detmold. Rot- und Blautöne sollen künftig tagsüber den Wärmespeicher zieren, den die Stadtwerke am Bahnhof errichten – eine Anspielung auf die technische Funktion des Bauwerks, in dem sich warmes Wasser befinden wird. Für die Abendstunden ist eine künstlerische Optik geplant. Dann soll der Turm angestrahlt oder auch mit Motiven beleuchtet werden – zum Beispiel einer lippischen Rose.

„Wir haben die Befragung nochmals ausgewertet und auch die Kritik der vergangenen Monate ernst genommen", sagt Stefan Freitag, Bereichsleiter bei den Stadtwerken, mit Blick auf die Bürgerbeteiligungsaktion im Jahr 2016. Rund 700 Detmolder hatten für den damaligen Entwurf der Hochschule OWL gestimmt und sich damit für einen bunten, beleuchteten und begehbaren Turm ausgesprochen.

Danach hatten die Stadtwerke zunächst mit einen Architekturbüro weiter geplant, bevor nun doch noch ein neuer gemeinsamer Entwurf entstand. „Wir schlagen einen Kompromiss aus den damaligen Varianten 1 und 2 vor, die stimmenmäßig nicht weit auseinander lagen. Damit wollen wir die Mehrheit der Bürger abholen", erklärt Stefan Freitag.

Der neue Entwurf sieht weiterhin vor, den Turm mit pulverbeschichteten Platten in Rot und Blau zu verkleiden – auch um seine technische Berechtigung zu dokumentieren. „Warmes Wasser wird in der Regel durch Rot dargestellt und befindet sich oben, kaltes Wasser ist dagegen blau", sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Jörg Karlikowski. Und so soll es denn auch auf der äußeren Hülle des Gebäudes sein.

Hingucker: In der Ansicht vom Kronenplatz aus soll das Blau überwiegen. - © Montage: Stadtwerke Detmold
Hingucker: In der Ansicht vom Kronenplatz aus soll das Blau überwiegen. (© Montage: Stadtwerke Detmold)

Die Farbgebung ist indes noch einmal angepasst worden. „Es sind Farbproben vom Bahnhofsgebäude genommen worden", berichtet Karin Linneweber vom Denkmalamt der Stadt Detmold. Der Turm dürfe nicht in zu starke Konkurrenz zu den umgebenen Denkmälern wie dem historischen Bahnhofsgebäude samt Bahnsteig und der Villa Hilker am Kronenplatz treten. Da die Farben aber zurückhaltend seien, sei der Wärmespeicher dort verträglich.

Vom Bahnhof aus gesehen soll der Turm mit mehr roten als blauen Platten versehen werden, damit er sich in das Bild einfügt. Von der anderen Seite aus gesehen soll er mehr blaue Platten bekommen. Für die Abendstunden ist eine Beleuchtung geplant, die aus dem einfachen Anstrahlen bis hin zur Projektion verschiedener Motive auf den Turm reicht. „Wir haben ein Lichtkunst-Projekt entwickelt, in Verbindung zu dem, was zuvor mit dem Architekturbüro abgestimmt worden war", erklärt Professorin Mary-Anne Kyriakou (Hochschule OWL).

Freuen sich über das Projekt: (von links) Stefan Freitag, Stadtwerke-Geschäftsbereichsleiter Markt, Aufsichtsratsvorsitzender Harald Matz, Lichtdesignerin Mary-Anne Kyriakou, Stadtwerke-Pressesprecherin Eva-Susanne Ellminger, Karin Linneweber (Stadt Detmold) und Stadtwerke-Geschäftsführer Jörg Karlikowski vor einem Entwurf zur nächtlichen Illumination des Turms. - © Stadtwerke Detmold
Freuen sich über das Projekt: (von links) Stefan Freitag, Stadtwerke-Geschäftsbereichsleiter Markt, Aufsichtsratsvorsitzender Harald Matz, Lichtdesignerin Mary-Anne Kyriakou, Stadtwerke-Pressesprecherin Eva-Susanne Ellminger, Karin Linneweber (Stadt Detmold) und Stadtwerke-Geschäftsführer Jörg Karlikowski vor einem Entwurf zur nächtlichen Illumination des Turms. (© Stadtwerke Detmold)

So wie tagsüber das Tageslicht die Formen und Farben des Turms scheinbar verändert, soll dies bei Dunkelheit durch elektrisches Licht geschehen. Dazu werden im direkten Umfeld des Wärmespeichers vier Standorte geschaffen, von denen er mit LCD-Projektoren angestrahlt werden kann. Dazu muss das Gebäude nicht, wie erst vorgesehen, mit einem Gewebe bespannt werden. Als Projektionsfläche könne nach aktuellem Stand der Technik die Platten selbst dienen.

„Wir können mit dem Licht die Form und die lineraren Komponenten betonen oder auch einen Teil optisch verschwinden lassen", sagt Kyriakou. Außerdem hat sie zusammen mit ihrem Ehemann, dem Lichtkünstler Ingo Bracke, einige künstlerische Motive entworfen, die ähnlich wie bei einem Dia auf den Turm projiziert werden könnten – darunter Netzstrukturen oder auch die lippische Rose als Zeichen für Lippe und OWL. „Wer dann zum Beispiel in Detmold aus der Bahn steigt, weiß dann: ,Jetzt bin ich zu Hause‘", so die Professorin.

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Rundumsicht per Kamera

Die Stadtwerke würden den Turm gerne auch begehbar machen, wenn sich Fördermittel dafür akquirieren lassen. Bis es soweit ist, soll eine Kamera den Rundumblick über Detmold ermöglichen. Am Eingang zur Fußgängerunterführung sollen Monitore angebracht werden, auf denen die eingefangenen Bilder zu sehen sind. Neu ist: Diese sollen mit historischen Stadtansichten von Detmold wechseln. Und über einen Link sollen sich die Detmolder die Bilder auch vom Computer aus ansehen können.

Bei den Motiven handelt es sich um erste Entwürfe, die noch weiter entwickelt werden. Vorgesehen ist, dass der Turm nicht immer gleich beleuchtet wird, sondern zum Beispiel ein tageweiser Wechsel stattfindet. Zu besonderen Ereignissen könnte es besondere Motive geben.

Darüber hinaus werden im Genehmigungsprozess für die äußere Gestaltung die zu erwartenden Lichtimmissionen untersucht. Und danach richten sich die Uhrzeiten, in denen der Wärmespeicher angestrahlt wird. „Wir wollen nicht, dass es zu Lichtverschmutzung kommt", sagt Kyriakou. Deshalb sollen mit Rücksicht auf die Nachbarn Nachtruhen eingehalten werden.

„Der Turm erhält eine künstlerische Gestaltung, weil er dort steht, wo er steht. Sonst hätten wir ihn auch im Industriegebiet verstecken können", erklärt Harald Matz, Vorsitzender des Stadtwerke-Aufsichtsrates. Das Gremium hat den Plänen einstimmig zugestimmt, am gestrigen Mittwochabend hat der Ausschuss für Stadtentwicklung den Entwurf vorgelegt bekommen. Die endgültige Genehmigung für die Gestaltung steht noch aus. Der Bau hat dagegen schon begonnen. Der Kostenrahmen von 2 Millionen Euro soll eingehalten werden.

Derzeit werden die Fundamente errichtet. Der eigentliche Bau soll im Sommer und die Inbetriebnahme im Herbst 2019 erfolgen. Im zeitlichen Zusammenhang mit der Einweihung plant Professorin Mary-Anne Kyriakou ein Lichtfestival, das künftig regelmäßig stattfinden soll.


"Guter Kompromiss"

Ein Kommentar von Jana Beckmann

Na bitte, es geht doch. Nach einigem Hin und Her hat es doch noch geklappt, dass die Stadtwerke Detmold und die Hochschule OWL gemeinsam an der äußeren Gestaltung des Wärmespeicherturms weiter planen. Das Ergebnis ist positiv, denn es ist eng an den Wünschen der Bürger orientiert.

Von den 700 Detmoldern, die bei der Beteiligungsaktion mitgemacht hatten, hatten 38 Prozent und damit die Mehrheit für eine künstlerische Optik votiert, die sich künftig in den abendlichen Motiven niederschlagen soll. Gleichzeitig ist aber auch der Ansatz der Stadtwerke zu erkennen, die gerne den technischen Aspekt betonen und dazu den Füllstand abbilden wollten – und für ihren damaligen Entwurf immerhin auch 33 Prozent der Stimmen erhalten hatten.

Nun muss nur noch darauf geachtet werden, dass die Beleuchtung auch für die Anwohner verträglich ist. Das Licht darf nicht störend in Wohn- und Schlafzimmer scheinen und die ganze Nacht durchbrennen – das ist aber auch den Initiatoren klar.

Wird dies bei der Umsetzung entsprechend berücksichtigt, wird aus dem Projekt eine runde Sache. Und Detmold ist auf dem besten Weg, ein neues Wahrzeichen zu erhalten.

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