100.000 Euro fließen in den Umbau der Gastro am Hermann

Marianne Schwarzer

  • 0
Ralf Noske, Anke Peithmann und Peter Gröne (hinten von links) vor der Gastronomie am Hermann mit den Pächtern Kristin und Benjamin Krentz von „Infinity". - © Vera Gerstendorf-Welle
Ralf Noske, Anke Peithmann und Peter Gröne (hinten von links) vor der Gastronomie am Hermann mit den Pächtern Kristin und Benjamin Krentz von „Infinity". (© Vera Gerstendorf-Welle)

Kreis Lippe. Wer nach einer Wanderung oder Radtour endlich oben am Hermann ankommt, muss sich nicht mit knurrendem Magen begnügen – zumindest nicht in den kommenden fünf Jahren. Wenn es nach Gastronom Benjamin Krentz und dem Landesverband Lippe geht, dann bekommen hungrige Ausflügler sogar in den kommenden 15 Jahren ihre Verpflegung im Schatten des Recken.

Aus einer Notlösung wird eine dauerhafte Partnerschaft: Eigentlich hatte Benjamin Krentz mit seinem Unternehmen „Infinity" eigentlich nur kurz einspringen wollen, als die Gastronomie am Hermann Anfang 2018 zusammengebrochen war: Organisator Uwe Acker suchte dringend nach einem Anbieter für die Zeit von „Hermann leuchtet".

Doch auch zum Saisonstart war der Landesverband Lippe als Verpächter um einen kurzzeitigen Ersatz für Hermann-Wirt Guido Röcken verlegen – und so einigte man sich zunächst auf eine Interimslösung, die Krentz bot.

„Jetzt ist endlich aus einem improvisierten Jahr etwas Festes geworden", berichtete Landesverbandsvorsteherin Anke Peithmann gestern vor Ort. „Danke, dass Sie überhaupt eingesprungen sind."

Nicht von Anfang an war klar, dass Krentz auch als dauerhafter Pächter der Auserwählte sein würde: Der Landesverband hat mit verschiedenen Bewerbern verhandelt, bestätigten Peithmann und Kämmerer Peter Gröne. „Aber am Ende haben wir uns eben doch für jemanden aus der Region entschieden, der auch schon an anderen Stellen gezeigt hat, dass er etwas von dieser Art der Gastronomie versteht." Attraktiv für den Pächter seien auch die geplanten Maßnahmen, wie etwa das Erlebniszentrum.

Fünf Jahre läuft der Pachtvertrag – mit der Option auf Verlängerung bis zu 15 Jahre. Dass Krentz und sein Team die richtige Wahl sei, habe man schon beim Deutschen Wandertag spüren können, berichtet Peithmann. „Da habe ich noch mit Besuchern gesprochen, die begeistert von der Würstchenbude in der ehemaligen Touristinformation waren, weil sie sie so lauschig fanden. Ich habe sie natürlich nicht aufgeklärt, dass das lediglich improvisiert war."

Der Landesverband habe sorgfältig gewählt, denn es nütze nichts, mit einer tollen Sehenswürdigkeit zu punkten, wenn die Bewirtung nicht stimme. Damit die sogar noch ein bisschen besser wird, haben sich beide Parteien darauf geeinigt, noch in diesem Jahr jeweils 50.000 Euro in das Objekt zu stecken – der Landesverband in bauliche Verbesserungen wie den Umbau der Theke und „Infinity" vor allem in eine Umgestaltung des Veranstaltungssaals zu einem heimeligen Ort für Hochzeitsfeiern am Hermann. Die technische Ausrüstung auch in der Küche sei bereits perfekt, er sei seinem Vorgänger sehr dankbar, sagt Krentz. Alles war in tollem Zustand und ich konnte ihn jederzeit anrufen, fügt er hinzu.

„Die Sparte Veranstaltungen wollen wir ausbauen", kündigt der Gastronom an. Tagestouristen finden hier ein Selbstbedienungsrestaurant vor, „in dem der Siebenjährige Besucher sein Pinocchio-Eis und der 70-Jährige seine Roulade oder einen Salat bekommt", so Krentz, „ohne lange Wartezeiten". In der Saison ist täglich geöffnet, außerhalb die meiste Zeit am Wochenende.


Auf Qualität kommt es an

Ein Kommentar von Marianne Schwarzer.

Nichts kann einem einen schönen Ausflug so sehr verleiden wie eine schlechte Gastronomie, in der weder die Produkte noch der Service stimmen. Gerade bei dem touristischen Aushängeschild schlechthin kann sich der Landesverband Lippe keinen Lapsus erlauben. Aber ein Selbstbedienungsrestaurant am Hermann? – Jawoll, ein Selbstbedienungskonzept ist am Hermann genau das Richtige.

Allerdings vorausgesetzt, die Qualität stimmt.
Wer hat nicht schon mal mit durstiger Kehle bei großem Andrang im herrlichen Sonnenschein an einem touristischen Hotspot stundenlang auf eine Bedienung gewartet? Da kommt schnell Frust bei den Gästen auf, und solche Negativerlebnisse verleiden ihnen die Erinnerung genauso wie plörriger Kaffee, schales Bier oder eine schlechte Wurst.

So viele gute Bedienungen, um den Massen zu Stoßzeiten einigermaßen gerecht zu werden, findet heute kaum noch ein Gastronom. Doch wer auf ein schönes Ambiente und auf Sauberkeit setzt, gleichzeitig wertige Produkte aus der Region anbietet, kann punkten, auch wenn die Gäste sich das Essen von der Theke holen müssen. Ein Unternehmen wie „Infinity", das sogar den Kaffee vom lippischen Röster bezieht, kann das schaffen.

Mögen sie nicht immer ein Vorbild sein – die Briten zeigen mit ihrer Ausflugsgastronomie, wie es funktioniert: Selbst der altehrwürdige National Trust, Verwalter vieler historischer Bauten, bietet seinen Gästen heimelige Restaurants mit flottem Selbstbedienungskonzept – und die brummen. Und wenn da mal ein Mensch in der Schlange stehen muss, nöhlt keiner. Also: Well done, Landesverband.

Information

Personal


Gute Gastronomie steht und fällt mit dem Personal, da sind sich Pächter und Verpächter einig. „Dass wir das hier stemmen können, hängt auch an unseren guten Mitarbeitern", betont Benjamin Krentz. Acht bis zehn werden künftig am Hermann arbeiten. Infinity, das unter anderem die Phoenix Contact Arena und das Freizeitzentrum Kronenbruch am Schiedersee betreibt, beschäftigt einen festen Stamm aus etwa 30 Mitarbeitern sowie 100 bis 120 Saisonkräfte.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2019
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

0 Kommentare
0 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!