Dörentrup wird Testgebiet für Klimaschutz-Projekt der EU

In 50 Haushalten soll ein Jahr lang der Stromverbrauch gemessen werden

Jens Rademacher

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Forschen beim EU-Projekt "Anyplace" in Dörentrup: Fritz Garnjost (links) und Stephan Vogelskamp vom Kreis Lippe vor dem Innovationszentrum in Wendlinghausen. - © Jens Rademacher
Forschen beim EU-Projekt "Anyplace" in Dörentrup: Fritz Garnjost (links) und Stephan Vogelskamp vom Kreis Lippe vor dem Innovationszentrum in Wendlinghausen. (© Jens Rademacher)

Dörentrup. Alle Dörentruper Haushalte und Unternehmen bekommen in diesen Tagen Post. 3500 Briefe sind rausgegangen. Darin bittet Bürgermeister Friedrich Ehlert, an einem Feldversuch in Sachen Klimaschutz teilzunehmen: Die Mitarbeiter des EU-Projekts „Anyplace" möchten in 50 Haushalten ein Jahr lang mit intelligenten Zählern den Stromverbrauch messen.

„Alle 15 Minuten lesen diese ,Smart Meter‘ die Daten automatisch aus", erläutert Stephan Vogelskamp, der das Projekt für den Kreis Lippe im Wendlinghauser Innovationszentrum koordiniert. Mit den Daten soll ermittelt werden, wann viel, wann wenig Strom verbraucht wird – und wo.

Darüber Aufschluss zu erhalten, sei wichtig für die Energiewende. Denn durch den Ausbau der erneuerbaren Energien gebe es zu manchen Zeiten ein Überangebot an Strom – wenn viel Wind weht und die Windkraftanlagen zum Beispiel viel Strom produzieren. Ist es windstill und bewölkt, so dass auch Solaranlagen keinen Strom produzieren, kann es zu wenig Energie in den Netzen geben. „Um den Klimaschutz voranzubringen, brauchen wir deshalb Lösungen, um den Verbrauch intelligent an das Angebot anzupassen", sagt Vogelskamp.

Da kommen die Verbraucher ins Spiel – und das sogenannte Smart Home: Viel sei erreicht, wenn es durch einfach zu bedienende und preisgünstige Technik gelinge, „dass die Waschmaschine beispielsweise erst dann läuft, wenn Strom aus regenerativen Quellen verfügbar ist", erklärt Fritz Garnjost, der für die technische Projektsteuerung zuständig ist.

Vogelskamp und Garnjost hoffen deshalb, dass sich viele Freiwillige auf den Aufruf melden – egal ob sie zur Miete wohnen, ein Haus oder Geschäftsräume haben. Bei ihnen wird dann der Stromzähler durch ein „Smart Meter" ersetzt, im Mai soll es mit der Verbrauchserfassung losgehen. Wenn es etwa eine Solaranlage auf dem Dach gibt, wird ebenfalls gemessen, wann Strom eingespeist wird. Der Datenschutz sei gewährleistet. Auch Energieberater Matthias Ansbach von der Verbraucherzentrale in Detmold nennt in dem Brief die Chancen des Forschungsprojekts. Die Dörentruper könnten Stromfressern auf die Spur kommen und so „bares Geld" sparen, sagt Vogelskamp.

Die Teilnehmer bekommen Beratung. Rückmeldungen sind übrigens länger möglich, als es in dem Brief heißt, der durch einen Fehler beim Dienstleister zu spät verschickt worden sei: Noch bis Mittwoch, 16. März, können sich Interessierte melden.

www.anyplace2020.org

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