Schäfer nutzen Esel als Wolfsschutz

Klaus und Claudia Sievers haben jahrelange Erfahrung im Umgang 
mit den Huftieren. Sie warnen davor, sie zum Schutz vor Raubtieren einzusetzen

Yvonne Glandien

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Fühlen sich wohl: Acht Esel leben zur Zeit auf dem Teuthof. Dazu kommt ein Maultier. - © Yvonne Glandien
Fühlen sich wohl: Acht Esel leben zur Zeit auf dem Teuthof. Dazu kommt ein Maultier. (© Yvonne Glandien)

Dörentrup-Bega. Esel sind stur? Keineswegs, sagt Klaus Sievers. Ihm und seiner Frau Claudia gehört der „Eselhof Teut" – und sie kennen die Tiere gut. Esel können vieles – eines aber nicht: Wölfe vertreiben, so der Fachmann. Doch genau das sollen sie tun, meinen immer mehr Leute. Erst recht, seit vor kurzem ein Wolf in Sonneborn auftauchte.

Denn in Medienberichten ist die Rede von Herdeneseln, die Wölfe verjagen sollen. Diese Tiere werden in Schafsherden untergebracht und sollen sich der drohenden Gefahr stellen. Dass dies in der Realität nicht nur unsinnig, sondern auch gegen das Tierwohl sei, erklären Klaus und Claudia Sievers, die unter anderem geführte Wanderungen mit Eseln anbieten.

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Schutz vor Raubtieren

Theo Grüntjens, Wolfsberater für die niedersächsische Landesregierung, meint, ein pauschales Schutzmittel gegen Wölfe gebe es so nicht. „Es kommt immer auf die Umstände an", sagt der Experte. Die Nutzung von Eseln hält er prinzipiell für wirksam, besonders in Kombination mit einem Herdenschutzhund. „Jedoch geht das nur in bestimmten Einsatzbereichen." Zudem sei die rechtliche Lage für den Einsatz von Herdeneseln problematisch.

„Esel sind unglaublich intelligente Tiere", sagt Klaus Sievers. Der Sozialpädagoge hat sich bereits zu Studienzeiten vorgenommen, einmal Esel zu halten. Vor fast 20 Jahren war es dann soweit. Er und seine Frau schafften sich zwei Esel an, die ihrem Pferd fortan Gesellschaft leisteten. „Pauline" und „Ronja" sind auch heute noch auf dem Hof zu finden. „Sie sind ein bisschen wie Hunde", sagt Klaus Sievers. Wer sich erst einmal mit einem Esel anfreunde, wolle ihn nicht mehr von seiner Seite weichen lassen.

Die öffentliche Wahrnehmung entspreche oft nicht der Wahrheit. „Esel sind zum Beispiel nicht stur. Sie sind klug. Die sogenannten Hausesel stammen nicht aus unseren Gefilden, sondern aus dem asiatischen Bergland. Wenn Steine unter ihren Hufen wegrollen, scheuen sie nicht wie Pferde, sondern frieren ein und treffen eine Entscheidung", sagt der Experte. Genau dieser Moment des Einfrierens sei, was oft für Sturheit gehalten werde. „Einen Esel kann man zu nichts zwingen, was er nicht will."

Allerdings gebe es in der Haltung einiges zu beachten. Beispielsweise sollten Esel immer wenigstens in Paaren gehalten werden. „Sie brauchen immer ein Dach mit mindestens drei festen Wänden, um sich zurückziehen zu können", sagt Klaus Sievers. Vor allem dürften Esel nicht auf offener Weide gehalten werden. „Sie sind es genetisch gewohnt, durch trockene Wüsten zu laufen, daher fressen sie alles, was sie kriegen können."

Das sei genau eines der Probleme, das mit dem Mythos Herdenesel zusammenhinge, meint Claudia Sievers. Die geübte Reiterin hat eine Weiterbildung in tiergestützter Therapie absolviert und weiß, was in der Eselhaltung wichtig ist. Auf einer offenen Weide bestehe die Gefahr, dass sich die Tiere konstant überfressen und erkranken. Die Annahme vieler Landwirte sei, dass der Esel sich seinem natürlichem Feind, dem Wolf, entgegenstelle und die Herde verteidige. Dies sei aber nur der Fall, wenn es sich um eine Herde weiterer Esel handelt, meint Klaus Sievers. Jedoch habe der Esel kein Interesse daran, ihm artfremde Tiere wie Schafe zu verteidigen.

Nach den Wolfssichtungen in Sonneborn und den vermehrten Sichtungen in Niedersachsen und NRW habe es bereits telefonische Anfragen bei dem Paar gegeben. Die Mär des Herdenesels als Wolfsabwehr halte sich immer noch. Die Sievers befürchten nun, dass sich Schafshalter ohne weitere Informationen Esel anschaffen und diese schwer erkrankt in ein paar Jahren wieder loswerden wollen.

Weitere Informationen und Kontakt im Internet unter www.eselhof-teut.de.

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