Neue Plattform auf dem Steinberg ist Nordlippes höchste Erhebung

Jens Rademacher

  • 8
Einst Raketenstation, heute Biotop mit Fernblick: Bernd Mühlenmeier vom Nabu Lippe auf der Aussichtsplattform. - © Jens Rademacher
Einst Raketenstation, heute Biotop mit Fernblick: Bernd Mühlenmeier vom Nabu Lippe auf der Aussichtsplattform. (© Jens Rademacher)

Dörentrup-Schwelentrup. Selbst bei wolkigem Himmel reicht der Blick vom Teutoburger Wald bis zum Wesergebirge. Die Rundumsicht über die Baumwipfel können Spaziergänger von der Panorama-Plattform auf dem Steinberg oberhalb von Schwelentrup genießen. Denn der Aussichtshügel auf dem Gelände der ehemaligen Raketen- und Radarstation ist fertig, abgesehen von kleineren Restarbeiten.

Damit sei die höchste Erhebung in Nordlippe entstanden, sagt Bernd Mühlenmeier, stellvertretender Vorsitzender des Nabu-Kreisverbands Lippe und treibende Kraft des Projekts. Einen Termin für die offizielle Einweihung gibt es indes noch nicht. Frühestens im November werde es so weit sein, sagt Mühlenmeier. Dann wird aber ein langes und zeitweise intensiv diskutiertes Projekt auf dem bislang zweithöchsten Berg Nordlippes beendet sein.

Seinen Anfang hatte es 1998 genommen. Damals übernahm der Nabu das zehn Hektar große Areal und verpflichtete sich, die einstige Nato-Station zu renaturieren. Es entstand die Idee, den Aussichtshügel zu bauen. Ein Hügel sei besser als ein Turm, gerade für Leute, die nicht mehr so gut zu Fuß seien, meint Mühlenmeier.

„Gut Ding will Weile haben", sagt er zu dem Projekt. Auf 396 Metern Meereshöhe können Besucher nun von dem Erdhügel auf der Bergkuppe ins Land schauen – neun Meter über dem bisherigen Gipfel. „Sie denken, Sie sind auf dem Dach von Lippe." Ein knapp 200 Meter langer Weg schlängelt sich von Osten her den Hügel hinauf.

Dieser besteht nach Mühlenmeiers Angaben aus aufgeschüttetem Erdaushub von nordlippischen Baustellen. Die Steigung ist gering, der Weg so angelegt, dass er auch für Ältere und Menschen mit Handicap zu bewältigen sei. Nach einem Bogen erreichen Besucher die Plattform, die etwas kleiner ist als ursprünglich geplant. Sie wird von Quadern aus Laßbrucher Sandstein begrenzt.

Was noch fehlt, sind ein feinerer Wegesplitt, Sitzgelegenheiten sowie Panorama- und Infotafeln für den Aussichtspunkt. Dafür hat die Gemeinde Dörentrup 10.000 Euro in Aussicht gestellt, zumal die Stelle zum touristischen Anziehungspunkt werden soll. Dass sie das wird, daran hat Nabu-Mann Mühlenmeier keinen Zweifel. Denn bereits jetzt sind Ausflügler auf dem Hügel unterwegs – wie die Schwelentruperin Ursula Katzwinkel, die die Stelle ihren beiden Enkeln aus Brandenburg zeigt. „Wunderschön" sei der Blick vom Hügel. Überdies führen Wanderwege wie der „Weg der Blicke" oder der europäische Fernwanderweg E 1 über den Steinberg – und künftig auch auf den Hügel. Und der ist nach Mühlenmeiers Überzeugung „eine der schönsten Stellen in ganz Lippe".

Projekt macht über Jahre viele Schlagzeilen

„Vögel statt Raketen" ist das Motto für die Renaturierung der früheren Raketen- und Radarstation auf dem Steinberg gewesen. Dass immer wieder gesagt werde, der Nabu Lippe habe das heutige Naturschutzgebiet 1998 für den symbolischen Preis von einer Mark von der Bundesvermögensverwaltung übernommen, sei nur zum Teil richtig, betont Bernd Mühlenmeier, stellvertretender Vorsitzender des Vereins.

„Wir hatten die Pflicht, neun Gebäude zu entfernen", sagt Mühlenmeier. Und weil das Areal in den sechs Jahren nach Aufgabe der militärischen Nutzung sehr vermüllt worden sei, habe der Nabu 18.000 Mark in die Entsorgung stecken müssen. Die Dörentruper Arbeitsgruppe entfernte Straßen und Asphalt, die Natur zog wieder ein und machte den Steinberg zum Höhenbiotop. Das Fundament einer Abschussbasis blieb erhalten und erinnert Besucher an die militärische Nutzung im Kalten Krieg.

Ein Intermezzo als Leader-Projekt, Ärger wegen Vandalismus, Querelen um Bauschuttablagerungen und sogar ein Bußgeld in Höhe von 1000 Euro für den Nabu wegen der Ablagerung von Erde im Naturschutzgebiet folgten. Und jüngst hatte der Planer, der in der Anfangsphase des Hügel-Projekts beteiligt war, Statikbedenken angemeldet. Der Bauunternehmer, der die Erde aufhäufte, habe das unfachmännisch gemacht – der Hügel könne ins Rutschen kommen.

Bernd Mühlenmeier betont, das Bauunternehmen Pockrandt habe jahrelange Erfahrung, der Boden liege teils schon lange, da komme so schnell nichts ins Wanken. Was nach Auskunft des Kreises vom Frühjahr dieses Jahres ein Gutachten bestätigte.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2018
Texte und Fotos von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

8 Kommentare
8 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!