Bahnmeisterei Farmbeck soll zum Kultur-Treffpunkt werden

Jens Rademacher

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Erfolgreich im Wettbewerb: die Landeseisenbahn Lippe mit (von links) Thorsten Försterling, Jugendreferent Horst Kurzawski, Geschäftsführer Niels Lange und Benedikt Vogelsteller (Vorsitzender) an der Bahnmeisterei in Farmbeck, die sie umbauen wollen. - © Jens Rademacher
Erfolgreich im Wettbewerb: die Landeseisenbahn Lippe mit (von links) Thorsten Försterling, Jugendreferent Horst Kurzawski, Geschäftsführer Niels Lange und Benedikt Vogelsteller (Vorsitzender) an der Bahnmeisterei in Farmbeck, die sie umbauen wollen. (© Jens Rademacher)

Dörentrup-Farmbeck. Das rollende Jugendzentrum ist ein Aushängeschild der Landeseisenbahn Lippe (LEL). Nun will der Verein sein Angebot ausbauen und in Farmbeck, dem Heimatstandort des Waggons, seine Bahnmeisterei zu einem (unbeweglichen) Kultur-Treffpunkt für Jugendliche machen. Für die Idee haben die schon mehrfach ausgezeichneten Museumsbahner einen Preis bekommen. Sie erhalten 50.000 Euro, um ein Konzept zu erarbeiten.

„Wir haben 1000 Ideen und Möglichkeiten hier", schwärmt LEL-Geschäftsführer Niels Lange beim Termin an den Gleisen. Auf einen festen Ort insbesondere für die Jugendarbeit setzt die Landeseisenbahn nun mit dem Wettbewerb „Dritte Orte – Häuser für Kultur und Begegnung im ländlichen Raum" des NRW-Kultur- und Wissenschaftsministeriums. Die Museumsbahner gehören zu 17 Preisträgern, die eine Jury unter 150 Bewerbern ausgesucht hat. Ziel: Farmbeck soll zu einem „Stellwerk" für die Jugendkultur werden und so das Problem der fehlenden Angebote für junge Leute lindern.

„Wir haben jetzt ein Jahr Zeit für das Konzept", sagt Jochen Brunsiek, Koordinator des LEL-Projekts „Jugend unter Dampf". Danach geht es in Runde zwei: Wenn das Konzept die Jury erneut überzeugt, winkt über drei Jahre die stattliche Summe von 600.000 Euro für die Infrastruktur und die Kulturarbeit.

Rechts im Bild ist der Jugendwaggon. - © Jens Rademacher
Rechts im Bild ist der Jugendwaggon. (© Jens Rademacher)

Apropos Infrastruktur: Die lässt an den Gleisen in Farmbeck noch Wünsche offen. Zurzeit hat die Landeseisenbahn in den früheren Räumen eines Land- und Kohlenhandels ihre Bahnmeisterei eingerichtet. Diese umfasst unter anderem eine Halle, in der Draisinen und Werkzeug lagern. „Um vor Ort Jugendarbeit leisten zu können, müssen wir die Räume ertüchtigen und erweitern", sagt Innenarchitekt Thorsten Försterling, mit dem zusammen auch schon das Konzept für den Jugendwaggon entstanden war. Strom- und Wasseranschlüsse seien bei Veranstaltungen – etwa dem Rail-Rock-Festival – immer ein Problem gewesen.

Unter anderem geht es um so profane Dinge wie Toiletten: „Bislang mussten wir einen Toilettenwagen aufstellen." Manche Anfragen für Veranstaltungen habe man mangels geeigneter Räume gar absagen müssen. Das Dach der betagten Gebäude habe die LEL jüngst schon abgedichtet, berichtet Vereinsvorsitzender Benedikt Vogelsteller. Die LEL plant den Kauf der gepachteten Gebäude.

Vor Ort Räume herzurichten, eröffnet aus Sicht der Museumsbahner viele weitere Möglichkeiten für die Kultur – und eben für die Jugendlichen, wenn das rollende Jugendzentrum unterwegs ist. Was nun sinnvoll wäre, sollen die potenziellen Nutzer selbst sagen, schließlich soll das Konzept erst noch im Detail entstehen: „Wir fragen die, die es betrifft", kündigt Försterling an.

Die Nutzer kommen seit zehn Jahren aus dem nahen Humfeld und anderen Ortsteilen nach Farmbeck. Doch der Ort im Industriegebiet an den Gleisen sei gar nicht so abgelegen, wie man meinen könnte. Hotel und Bundesstraße 66 sind nebenan, ein Wanderweg zur Burg Sternberg beginnt dort. Försterling denkt als Nutzer auch an die Fahrgäste des Museumszugs.

Seit 2009 bietet der Verein Jugendarbeit an. Gefördert vom Kreis, bieten Horst Kurzawski, Jugendreferent und künstlerischer Berater, und die anderen Aktiven auch Fotokurse, Malerei, Schmiede-Workshops oder Poetry Slams an. Brunsiek erinnert an die Kooperation mit dem Projekt „Kulturrucksack". „Man kann schon einiges in Sachen Kultur im ländlichen Raum machen, wenn man Unterstützung hat", lobt Försterling den Wettbewerb. Dass nun für die Konzepterstellung 50.000 Euro zur Verfügung stehen, „verpflichtet uns zu Qualität".

Wettbewerb

War es die ungewöhnliche Verbindung zwischen historischer Technik und Jugendarbeit bei der Landeseisenbahn Lippe, die die Jury des Wettbewerbs „Dritte Orte" überzeugte? Möglich. Das nordrhein-westfälische Ministerium für Kultur und Wissenschaft selbst teilt jedenfalls mit, die Jury habe die gute Vernetzung in der Region, den originellen Ansatz und die Verbindung von zentraler und dezentraler Jugendarbeit hervorgehoben. Bis 2023 stehen für das Förderprogramm insgesamt zehn Millionen Euro zur Verfügung. Mit dem „dritten Ort" ist laut Mitteilung ein Ort für Begegnung und Austausch gemeint – in Abgrenzung zum Zuhause (erster Ort) und zur Arbeit (zweiter Ort).

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