Dörentruper sind im Doppel-Einsatz für andere

Jens Rademacher

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Viel Engagement und daneben viele Hobbys: Sigrid und Günter Dreier sind im Ehrenamt mit Überzeugung bei der Sache. Foto: Jens Rademacher - © Jens Rademacher
Viel Engagement und daneben viele Hobbys: Sigrid und Günter Dreier sind im Ehrenamt mit Überzeugung bei der Sache. Foto: Jens Rademacher (© Jens Rademacher)

Dörentrup. Natürlich, sie haben sich gefreut, dass sie das Bundesverdienstkreuz bekommen haben. Beide gleichzeitig, das kommt nur ganz selten vor. „Es ist schon eine Ehre, der man schlecht widerstehen kann", sagt Günter Dreier. Und doch war Sigrid Dreier ein bisschen skeptisch: „Meine Frau ist nicht so für Ehrennadeln", erklärt er und schmunzelt. Auch als die Anfrage für ein Gespräch über ihr ehrenamtliches Engagement kommt, braucht es ein bisschen Überzeugungskunst, bis die beiden einverstanden sind.

Nein, in den Vordergrund drängen sich die Dreiers nicht. Aber sie wirken an so vielen Stellen wie nur wenige: in der Kirchengemeinde, bei der Tafel, in der Flüchtlingshilfe, beim Weißen Ring, als Schiedsmann und im Sportverein TuS Spork/Wendlinghausen – die Liste ist lang und sicherlich unvollständig.

Zu den wohl schönsten Seiten ihres ehrenamtlichen Engagements zählen die Kontakte zu früheren Flüchtlingen. Da ist etwa das Paar – er aus Kamerun, sie aus dem Kongo –, das die Dreiers seit mindestens 15 Jahren kennen. Sigrid Dreier förderte die jungen Flüchtlinge gezielt – „dank ihrer pädagogischen Fachkenntnisse", wie Landrat Dr. Axel Lehmann bei der Verdienstkreuz-Verleihung über die ehemalige Lehrerin sagte. So konnte der Kameruner ein Studium an der Fachhochschule Logistik studieren. „Es ist schön, wenn es solche Kontakte gibt", sagt Günter Dreier.

Flüchtlinge schrieben eine Ehrenurkunde

Die Dreiers sind übrigens schon mal für ihr Engagement für Flüchtlinge ausgezeichnet worden – von den Flüchtlingen selbst. Ein Paar überreichte ihnen eine Ehrenurkunde – selbstgebastelt. Was sie riesig gefreut hat. Das Engagement in der Flüchtlingshilfe begann schon in den 90er Jahren und hörte nicht mit dem „Kaufhaus" als Treffpunkt für Flüchtlinge auf, den sie und Mitstreiter vor wenigen Jahren in Humfeld eingerichtet hatten. „Wir sind ein Team", betont Sigrid Dreier.

Was bringt jemanden dazu, sich so für andere einzusetzen? Sigrid Dreier berichtet von ihren eigenen Erfahrungen. „Ich bin seit der Kindheit mit dem Flüchtling-Sein konfrontiert." 1946 kam ihre Familie aus dem Sudetenland nach Dörentrup. „Ich habe mich als Flüchtlingskind durchgekämpft", sagt sie. Sie wurde Lehrerin und ist überzeugt, dass man in schwierigen Situationen ein bisschen für Gerechtigkeit und Menschlichkeit sorgen kann. Auch der religiöse Hintergrund spielt eine Rolle: „Einer trage des anderen Last", zitiert sie die Bibel.

Günter Dreier liest drei Tageszeitungen

Günter Dreier (liest drei Tageszeitungen) nennt seine breitgefächerten Interessen, die ihn zu vielen Tätigkeiten führten: Natur, Literatur, Sport ... Weil der heute 82-jährige ehemalige Polizeihauptkommissar ein Büchernarr ist und selbst einmal Englisch und Französisch studiert hat, lag es zum Beispiel nahe, dass er früher oder später Vorsitzender des Bücherei-Fördervereins würde. Sein ehemaliger Beruf führte ihn zu der verantwortungsvollen Aufgabe, Opfern von Verbrechen Hilfe anzubieten. Erst vor wenigen Tagen war Günter Dreier mit dem Weißen Ring in Lemgo beim Aktionstag gegen Gewalt an Frauen.

Viele Aufgaben kamen nach dem Ruhestand, aber nicht alle. Zum Beispiel die Pilze. Günter Dreier gilt als bester Pilzexperte weit und breit, berät sogar das Gesundheitsamt des Kreises. Jüngst widmete die LZ ihm einen großen Bericht. Schon seit 1968 befasst er sich mit dem Thema. Es packte ihn an dem Tag, „als meine Frau mit ihrer Klasse Pilze sammelte und ich mit dabei war. Da hat das gezündet", erinnert sich Günter Dreier.

Aber wie schaffen die beiden das alles? Das fragt sich manchmal nicht nur der frühere Hillentruper Pfarrer Ralph Oberkrome, der die beiden für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen hatte. „Ich habe immer das Gefühl, dass wir zu wenig Zeit haben", sagt Sigrid Dreier. Sie würde sich gerne mehr um ihre Hobbys kümmern: Malen, mit Ton arbeiten, Klavier spielen, den Garten. Aber irgendwie klappt es dann doch. Genauso wie der gemeinsame Besuch des Volkshochschulkurses über die Literatur der Romantik ...

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