Masern: Gesundheitsamt weitet Kontrollen auf sechs Schulen aus

Seda Hagemann und Yvonne Glandien

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Kreis Lippe/Extertal. Der Masern-Ausbruch in Extertal zieht immer größere Kreise. Das Gesundheitsamt hat am Montag den Impfstatus von mehr als 2.000 Schülern an nunmehr sechs Schulen überprüft. Am Montagmorgen war das Gesundheitsamt noch von Überprüfungen an drei Schulen ausgegangen.

Bei Gesprächen mit Lehrern kam heraus, dass ein Schüler, der sich möglicherweise mit dem Virus angesteckt haben könnte, auch Kontakt zu Schülern der übrigen Schulen am Schulzentrum Extertal hatte und diese somit auch zur Risikogruppe gehören", begründet Dr. Helmut Günther vom Gesundheitsamt die Ausweitung.

Ein erstes Ergebnis zeige, dass alle Mitschüler aus dem direkten Umfeld der Erkrankten ausreichend geschützt seien, teilte der Kreis Lippe am Dienstagnachmittag mit.

Überprüft wurde der Impfstatus von Schülern am Gymnasium Barntrup, der Grundschule Silixen, der Sekundarschule Nordlippe, der Haupt- und Realschule Bösingfeld sowie der Pestalozzischule Extertal.

Eine erste verlässliche Übersicht über die Krankheitssituation soll am Mittwoch vorliegen. Laut Infektionsschutzgesetz dürfen nicht geimpfte Schüler bei einem Masernausbruch 10 bis 14 Tage die Schule nicht mehr besuchen, bis die Inkubationszeit abgelaufen ist. Dies verhindere eine weitere Verbreitung der Masern und diene dem Schutz von nicht geimpften Personen, heißt es.

Zudem hat das Gesundheitsamt auch die vorsorgliche Impfung von 34 Asylbewerbern aus der Unterkunft in Almena empfohlen, da dort auch Schüler der Grundschule Silixen untergebracht seien, die eventuell Kontakt zu einem der Masernerkrankten gehabt hätten können, berichtet der Kreis Lippe. Dabei handelt es sich laut dem Kreis um eine reine Vorsichtsmaßnahme, erkrankt sei dort aktuell niemand.

Amtsärztin rät zur Impfung

Kreis Lippe. Masern hat es schon immer gegeben, und viele haben sie gehabt – eine ganz normale Kinderkrankheit? Eine Kinderkrankheit schon, aber eine, die alles andere als harmlos ist, sagt Amtsärztin Dr. Eva-Maria Stingl im Interview mit LZ-Redakteurin Silke Buhrmester

Hat sich das Masernvirus verändert und ist die Krankheit aggressiver als früher?

EVA-MARIA STINGL: Nein, Masern waren schon immer eine gefährliche Krankheit, die mit vielen Komplikationen verbunden sein konnte.

Warum hört man unter den Älteren dann immer wieder Sätze wie „Ich hatte auch Masern und hab’s überstanden“?

STINGL: Weil es früher keinen Impfstoff dagegen gab. Da war die Erkrankung quasi schicksalhaft. Die Impfung wurde 1973 in Deutschland eingeführt. Sie war von Anfang an sehr wirksam, und man könnte mit einer entsprechenden Durchimpfungsquote die Masern ausrotten.

Man hat aber das Gefühl, dass die Zahl der schweren Folgeerkrankungen zugenommen hat.

STINGL: Komplikationen wie Lungen-, Gehirn- oder Mittelohrentzündung gab es früher auch. Eine Folge, die erst Jahre später auftritt und immer tödlich verläuft, ist die sklerosierende Panenzephalitis (SSPE). SSPE führt zu einer Zerstörung des Gehirns. Diese Erkrankung hat man früher nicht mit Masern in Verbindung gebracht.

Um den besten Schutz zu haben, sollten Kindern zweimal geimpft werden – gibt es eine maximale Zeitspanne zwischen der ersten und der zweiten Impfung?

STINGL: Nein, das Immunsystem merkt sich die Impfung, so dass die zweite auch später erfolgen kann, wenn sie versäumt wurde. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt zudem eine Impfung für alle, die nach 1970 geboren sind und in der Kindheit nicht oder nur einmal gegen Masern geimpft wurden.

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  1. Fragebogen an die Eltern

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