Zwei Hubschraubereinsätze nach Schlangenbiss

Jens Reichenbach und Thomas Reineke

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Eine Gabunviper dieser Größe hat den Mann mit einem seiner Giftzähne erwischt. Hier zeigen die Schlangenexperten Patrick Urban (l.) und Benjamnin Westerheide eine vergleichbare Schlange der Art "Bitis gabonica rhinzeros" - trivial heißt sie "westliche Gabunviper". - © Christian Mathiesen
Eine Gabunviper dieser Größe hat den Mann mit einem seiner Giftzähne erwischt. Hier zeigen die Schlangenexperten Patrick Urban (l.) und Benjamnin Westerheide eine vergleichbare Schlange der Art "Bitis gabonica rhinzeros" - trivial heißt sie "westliche Gabunviper". (© Christian Mathiesen)

Extertal/Bielefeld. Ungewöhnlicher Rettungseinsatz am Karfreitag in Lippe. Am späten Mittag meldet ein Schlangenbesitzer aus Extertal über Notruf, dass er soeben von einer giftigen Schlange gebissen wurde. Er hatte seiner jungen Gabunviper beim Häuten geholfen. Dabei soll der Kopf des Tieres freigekommen sein und plötzlich traf ihn ein Zahn der Giftschlange in den Finger. 


Für die Disponenten der Leitstelle der Feuerwehr und des Rettungsdienstes in Lemgo war schnell klar, dass höchste Eile geboten ist. "Die Kollegen haben erst einmal recherchiert, was für eine Schlange das ist und wie giftig sie ist", sagte Dienstgruppenleiter Stefan Hartmann-Paulsen von der Leitstelle. 


Das Gift der Gabunviper gilt als tödlich, wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Für Menschen ist bereits eine Dosis von mehr als 35 Milligramm Gift tödlich, ausgewachsene Gabunvipern geben bei einem durchschnittlichen Biss eine deutlich höhere Menge ab. Die Drüsen der Jungtiere produzieren dafür eine deutlich höhere Giftkonzentration.   Die Leitstelle informierte sofort den Schlangenexperten der Bielefelder Feuerwehr, Björn Buschkamp. Er gilt bei Bissen von giftigen Reptilien OWL-weit als Experte und erster Ansprechpartner. "Nachdem klar war, dass hier eine der giftigsten Schlangen der Welt zugebissen hat, habe ich mit der Giftnotrufzentale in Berlin Kontakt aufgenommen", so Buschkamp. 


Während Rettungshubschrauber "Christoph Westfalen" aus dem Münsterland den 48-jährigen Patienten ins Klinikum Bielefeld Mitte brachte, wo er sofort auf der Intensivstation aufgenommen wurde, kümmerte sich Buschkamp mit Hilfe der Datenbank in Berlin um das nötige Antiserum. 


Die Giftnotrufzentrale fand ein Depot des nötigen Antiserums im Zoo Wuppertal. Ein Polizeihubschrauber aus Düsseldorf flog daraufhin sechs Ampullen, von denen eine mehrere tausend Euro kosten soll, vom Wuppertaler Zoo nach Bielefeld.
Dort warteten die Intensivmediziner schon auf das nötige Gegengift, sollte ihr Patient kollabieren. Am Samstag konnten die Mediziner aber Entwarnung geben: Der Patient schwebte nicht mehr in Lebensgefahr. 


Der 48-Jährige hatte Glück im Unglück: Der extra hinzugezogene Schlangenexperte Patrick Urban erkannte, dass die Giftdosis im Körper relativ gering war. Daraufhin riet er den Medizinern ab, dem Patienten das Antiserum zu verabreichen.
Urban erklärt: "Nur wenn Gift und Gegengift sich von der Menge neutralisieren, kann das Antiserum eine Hilfe sein. Ist das Gegengift allerdings deutlich stärker, kann sich auch das Antiserum für den Patienten tödlich auswirken." 


Die Ärzte behandeln deshalb weiterhin die Symptome des Schlangengifts. Das Gift der Gabunvipern zersetzt unter anderem das umliegende Gewebe. Deshalb droht dem Schlangenbesitzer mindestens die Amputation seines Fingers. Die Behandlung des Patienten im Krankenhaus dauert an.
Die Kosten des aufwendigen und teuren Rettungseinsatzes werden auf jeden Fall in Rechnung gestellt, sagte Hartmann-Paulsen von der Leitstelle in Lippe später auf Anfrage. Wenn es für den Schlangenbesitzer gut laufe, springe seine Krankenkasse ein. 


Die Experten glauben, dass der Schlangenbesitzer beim Umgang mit seiner Gabunviper fahrlässig gehandelt habe. Er soll beim Häuten auf Schutzkleidung und Handschuhe verzichtet haben.

Info: Kostenfrage
  • Die Kosten des  aufwendigen und teuren Rettungseinsatzes stellt der Rettungsdienst Lippe in Rechnung, bestätigte Stefan Hartmann-Paulsen, Leitstelle Lippe.
  • Wenn es für den Schlangenbesitzer gut laufe, springe seine Krankenkasse ein.
  • Experten gehen von fahrlässigem Umgang aus.
- © Christian Mathiesen

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