Extertal-Rott. Teile des Extertaler Ortsteils Rott liegen nur einen Steinwurf vom niedersächsischen Friedrichswald entfernt. Seit Jahrzehnten gibt es Unsicherheiten, welche Gemeinde überhaupt für die Pflege der Straßen zuständig ist. Jetzt sind die „Problemkinder“, wie von beiden Ländern gewünscht, komplett nach Rinteln übergewandert.<br /><br />Das niedersächsische Bergdorf darf sich also über Gebietszuwachs freuen, die Gemeinde Extertal ist zufrieden, die Unterhaltungslast nicht mehr tragen zu müssen. Die Bundesländer sind einverstanden. Nach knapp vier Jahren, die das Flurbereinigungsverfahren in Anspruch genommen hat, scheinen die Grenzen sinnvoll verteilt. Zumindest bis auf ein paar skurrile Einzelfälle.<br /><br />Die Wohnsituation von Karl-Heinz Franz aus Rott ist ein Paradebeispiel für derartige Besonderheiten. Die Straße „In der Weide“, an der er wohnt – sie lag jahrzehntelang zwischen den Bundesländern. Durch die Flurbereinigung ist sie jetzt – wie insgesamt 4.348 Quadratmeter – komplett in niedersächsischen Besitz übergegangen. Das Haus des 61-Jährigen steht allerdings immer noch auf Extertaler Gebiet. „In der Praxis führt das oft zu Verwirrung. Vieles läuft einfach doppelt“, berichtet Franz. Das heißt, für eine Handvoll Häuser müsse die lippische Müllabfuhr und die Post extra über niedersächsische Straßen anrücken. In der Vergangenheit sei es durchaus vorgekommen, dass sich Schneeräumfahrzeuge aus unterschiedlichen Bundesländern gegenüberstanden.<br /><br />Besonders verzwickt könnte es allerdings im Falle eines Brandes werden. Das Gerätehaus der Friedrichswälder Blauröcke liegt etwa 400 Meter entfernt, allerdings sind sie streng genommen nicht für das lippische Häuschen zuständig. Für dieses müsste die Feuerwehr extra aus dem vier Kilometer entfernten Bremke anrücken. Auf nachbarschaftliche Hilfe aus Niedersachsen könnte der 61-Jährige jedoch bestimmt zählen, zumal der Übungsplatz der Friedrichswälder sowieso auf lippischem Gebiet liege. Generell würden Notrufe wegen der Ortsvorwahl in der Leitstelle in Lemgo auflaufen. „Da muss man schon deutlich sagen: Schickt bitte einen Krankenwagen aus Rinteln. Sonst dauert das ewig“, erzählt Franz aus eigener Erfahrung.<br /><br />Im Herzen fühle sich der Extertaler, der in Rinteln zur Schule gegangen ist, eher seinen lippischen Wurzeln zugehörig. Sein Alltag spielt sich jedoch im benachbarten Bundesland ab. „Ich bin Lipper, aber alles, was ich mache, mache ich in Niedersachsen“, sagt Franz. Kein Wunder, bis zum Rotter Dorfkern trennen ihn knapp zwei Kilometer Wald, das niedersächsische Bergdorf ist dagegen gleich nebenan.<br /><br />An die skurrilen Nebenwirkungen des Wohnortes hat sich Familie Franz gewöhnt. Auch wenn die Post manchmal einen Tag länger braucht, weil Absender fälschlicherweise als Ort Rinteln notieren: „Dann geht die Post zurück. Und am nächsten Tag steht der Bote aus Lippe vor der Tür.“