Das Steinmeiersche Haus in Bösingfeld könnte einem Neubau weichen

Sylvia Frevert

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Abriss und Neubau geplant: das Haus Steinmeier in der Mittelstraße soll nach den Wünschen der Projektgruppe "Extertal 2020" einem Neubau mit acht Wohnungen weichen. Foto: Sylvia Frevert - © Sylvia Frevert
Abriss und Neubau geplant: das Haus Steinmeier in der Mittelstraße soll nach den Wünschen der Projektgruppe "Extertal 2020" einem Neubau mit acht Wohnungen weichen. Foto: Sylvia Frevert (© Sylvia Frevert)

Extertal-Bösingfeld. Es steht an prominenter Stelle in Zentrumslage in der Bösingfelder Mittelstraße direkt gegenüber dem Marktplatz: Das Haus Steinmeier ist wahrlich keine Schönheit mehr, sondern gilt vielen nur noch als abrisswürdig. Jetzt gibt es Ideen, was mit dem Leerstand passieren könnte. Der Hummerbrucher Architekt Adolf Hermann hat Pläne zur Umnutzung des Grundstücks vorgestellt. Es könnten acht Wohnungen mit Tiefgarage und Loggia entstehen.

Vor allem könnte das eintreten, was Hermann als „Sanierungsauftakt mit Strahlkraft“ im Ortskern beschreibt. Das Steinmeiersche Haus war Thema der Projektgruppe „Extertal 2020“. Und generell, sagte der Architekt bei der Versammlung, sei über einige Jahrzehnte in der Innenstadt zu wenig saniert worden. Ein Spaziergang durch die Mittelstraße zeige sichtbaren Leerstand und Sanierungsstau. Eines dieser Probleme sei das Haus Steinmeier – „ein Leerstand, der uns alle betrifft“, wie so Frank Meier, Moderator der Versammlung, sagte.

„Aus meiner Sicht ist das Gebäude eine Ruine“, erklärte Architekt Hermann. Ein derzeit noch gültiges Wertgutachten besage anderes, ein neues sei aber in Auftrag gegeben. „Auf Basis der jetzigen Zahlen beläuft sich der Grundstückspreis plus Abbruchkosten auf rund 200 Euro pro Quadratmeter“, sagte Hermann. Nach seiner Einschätzung lasse sich solch ein Preis in Extertal nicht erzielen. Aber das neue Gutachten „ermöglicht eher eine Bebauung“, so der Architekt.

Allerdings müssten vorher die Belastungen, unter anderem Forderungen der Gemeinde Extertal selbst, aus dem Grundbuch gelöscht werden. „Die Gemeinde wird verzichten müssen“, forderte Hermann. Erst dann könne ein von der Sparkasse Lemgo betriebener und für kommenden Januar angesetzter Versteigerungstermin Aussicht auf Erfolg haben. „Der Verkehrswert beläuft sich nach dem neuen Gutachten auf 16.000 Euro“, erklärte Extertals Kämmerer Hubertus Fricke. Nach dem Tod der Eigentümer, die ohne Erben in Eckernfördegestorben seien, sei das Haus in den Besitz des Landes Schleswig-Holstein gekommen.

Wenn diese finanziellen Hürden aus dem Weg geräumt seien, gebe es durchaus Bewerber für das Grundstück, zumal Vorgespräche mit dem Kreis Lippe in Sachen der normalerweise strengen Brandschutzauflagen „sehr positiv“ verlaufen seien. Die Gemeinde und die Politik müssten auch ihr Entgegenkommen zeigen, da der jetzige Bebauungsplan den Neubau verhindere.

Aus Sicht des Architekten können insgesamt acht Wohnungen mit jeweils rund 60 bis 70 Quadratmetern Wohnfläche entstehen. „Alle Wohnungen hätten durch eine Loggia Süd-Belichtung“, beschreibt Hermann das Neubauobjekt, das mit Fahrstuhl behindertengerecht gestaltet werden und gestiegenen Ansprüchen von Mietern genügen soll. „Nachfrage an hochwertigem Wohnraum ist da“, fügte Hermann hinzu. Das zeigten sowohl die „vom Papier“ verkauften Wohnungen der Seniorenwohnanlage „Fliedergarten“ als auch die Nachfrage nach den von den Eigentümern doch nicht realisierten Seniorenwohnungen in der nahen Nordstraße.

Um das Projekt zu verwirklichen, seien aber nicht nur Fördermittel Voraussetzung, sondern vor allem eines: der politische Wille aller Parteien und ein Entgegenkommen der Gemeinde, idealerweise die Übernahme einer Bürgschaft.

Mal Haushaltswaren, mal Apotheke

Das Haus Steinmeier wurde nach dem Krieg vom gleichnamigen Fliesenleger gebaut. Über die Jahrzehnte beherbergte es mal ein Haushaltswarengeschäft, mal eine Apotheke und mal einen Kolonialwarenladen. Inzwischen gilt es als unrettbares Abriss-Objekt, dessen sich die Initiative „Extertal 2020“ angenommen hat. Diese wurde von Marketing Extertal angestoßen, die Leitung hat Frank Meier. (sf/rad)

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