Alltag ist in Extertaler Pflegeheim nach zweiter Impfung einfacher geworden

Martin Hostert

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„Ich will gesund bleiben und niemanden anstecken", hat sich Bewohnerin Ruth Born (links) fest vorgenommen. Mit der Einrichtungsleiterin Kerstin Göhmann versteht sie sich gut.  - © Martin Hostert
„Ich will gesund bleiben und niemanden anstecken", hat sich Bewohnerin Ruth Born (links) fest vorgenommen. Mit der Einrichtungsleiterin Kerstin Göhmann versteht sie sich gut.  (© Martin Hostert)

Extertal. Bewohner und Nutzer von Tages- und Kurzzeitpflege des Friedrich-Winter-Hauses in Extertal sowie die Mitarbeiter gehörten kurz nach Weihnachten zu den ersten, die gegen den Coronavirus geimpft wurden. Nun sind so ziemlich alle mit der zweiten Impfung versehen. „Wir sind sehr zufrieden. Alles hat gut geklappt“, resümiert Leiterin Kerstin Göhmann. Mehr als 90 Prozent der 95 Bewohner und eine deutliche Mehrheit der Kollegen hätten sich impfen lassen.

Die strengen Hygienemaßnahmen sind zwar geblieben, und ihr Ende ist trotz der Impfung nicht abzusehen. Man weiß ja noch nicht sicher, ob der Virus nicht auch von Geimpften weitergegeben werden kann. Doch eines stellt Kerstin Göhmann, als Altenpflegerin der ersten Stunde und jetzige Leiterin ein Urgestein des Hauses, „ganz klar“ fest: „Unser Alltag ist entspannter geworden. Man hat nicht vor jedem Test Angst, sich den Virus möglicherweise eingefangen zu haben.“

Das sei auch für die Arbeitsatmosphäre wichtig. Kerstin Göhmann kann es nicht fassen, wenn sie von Kolleginnen anderer Häuser hört, dass diese beschimpft worden seien, den Virus-Einzug nicht verhindert zu haben. „Ich habe Verständnis für Angehörige, vor allem, wenn jemand an Covid gestorben ist. Aber da gibt es manchmal Dinge zu hören...“ Corona habe sich im Friedrich-Winter-Haus seit einem Jahr nicht blicken lassen, die Sorge, der Virus finde doch ein Schlupfloch, sei seit den Impfungen nicht mehr so extrem.

Keiner lässt sich unterkriegen

Ohnehin sei die Atmosphäre im Haus in den vergangenen Monaten eher von Pragmatismus geprägt gewesen. Da habe sich keiner unterkriegen lassen. „Wir haben hier viel gelacht und viel gemacht“, sagt Kerstin Göhmann. Sie erzählt von den „Begegnungsfenstern“ und davon, dass Angehörige im ersten Lockdown selbstverständlich ins Haus durften, wenn Bewohner im Sterben lagen. Erinnert an Freiluftkonzerte im Innenhof, die die Senioren vom Balkon aus verfolgten. Zeigt das im Saal aufgebaute kleine AWO-Zelt, aus dem heraus Pfarrer Gottesdienste gefeiert und Musiker musiziert haben. Blickt nach vorne: „Hier werden wir auch in kleinerer Runde Karneval feiern.“

Denn dass die Impfe kein Freifahrtschein für weniger Vorsicht ist, sei allen immer klar gewesen, sagt sie. Ziel sei nicht etwa gewesen, endlich die blöde Maske loswerden oder groß feiern zu können. „Es geht vor allem darum, nicht krank zu werden.“ Göhmann resümiert: „Die Angst vor dem Krankenhaus ist schon groß. Da waren sich Bewohner, Angehörige oder Betreuer einig, die Impfung anzunehmen. Und unsere Leute haben sie gut überstanden.“

Darin bestätigt Ruth Born die Einrichtungsleiterin. Ihr sei in der Nacht nach dem Piks übel gewesen, berichtet die Seniorin – muss aber lachen: „Das war es auch schon.“ Ruth Born wohnt seit zwei Jahren im Friedrich-Winter-Haus und ist guter Stimmung. „Es hat sich viel verändert. Besuch kommt nicht mehr – aber das möchte ich auch nicht. Ich will gesund bleiben und niemanden anstecken.“ Das ändere sich nach der Impfung nicht. Null Risiko ist das Motto der 89-Jährigen. „Und uns geht es doch gut hier.“

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