Über die Spätfolgen der Pandemie

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Dr. med. Hannes Horter, Chefarzt der Oberberg Fachklinik Weserbergland - © Oberberg Fachklinik Weserbergland
Dr. med. Hannes Horter, Chefarzt der Oberberg Fachklinik Weserbergland (© Oberberg Fachklinik Weserbergland)

Extertal-Laßbruch. Bei den Corona-Infektionen schaut die Welt auf Zahlen: Zahlen zu Neuinfizierten, Genesenen, Gestorbenen, Tageswerte, Wochenwerte, Grenzwerte. Abseits der Statistiken wird bereits jetzt sichtbar, dass das Virus nicht nur organische Erkrankungen auslöst. Zunehmend zeigt die Pandemie auch psychische und psychosomatische Folgen bei an COVID-19 Erkrankten, aber auch bei durch die Pandemie Belasteten.

Rasche Erschöpfung und Abgeschlagenheit, eingeschränkte Leistungsfähigkeit, Kurzatmigkeit, Muskelschmerzen: Das sind mögliche Folgen nach der akuten Phase einer COVID-19-Erkrankung, welche auch nach einem zunächst asymptomatischem oder mildem Akutverlauf auftreten können, heißt es in einer Pressemitteilung der Oberberg Fachklinik Weserbergland. Die Pandemie und die erfolgten Schutzmaßnahmen haben zudem breite Auswirkungen auf die seelische Gesundheit.

Long-Covid-Syndrom nennt man anhaltende Spätfolgen einer Covid-19-Infektion. Dazu zählen etwa Müdigkeit, Konzentrationsschwäche oder Schmerzen in Muskeln und Gelenken. - © Christin Klose/dpa
Long-Covid-Syndrom nennt man anhaltende Spätfolgen einer Covid-19-Infektion. Dazu zählen etwa Müdigkeit, Konzentrationsschwäche oder Schmerzen in Muskeln und Gelenken. (© Christin Klose/dpa)

Häufige psychische Belastungsfolgen sind Ängste und depressive Symptome, aber auch das Auslösen und die Verstärkung von Depressionen, Abhängigkeitserkrankungen, Angst-, Zwangs- und Traumafolgestörungen. Auch finanzielle Sorgen und Konflikte in der Partnerschaft sind bedrückend. Komplikationen durch aufgeschobene oder nicht stattgefundene Behandlungen bei bestehenden psychischen Erkrankungen verstärken die persönliche Situation.

Bei anhaltenden Symptomen sollte ein Arzt aufgesucht werden

Wer positiv auf COVID-19 getestet wurde und über Wochen und Monate noch Symptome zeigt, sollte sich medizinisch nochmals untersuchen lassen. Dabei sollten neben den körperlichen auch die psychischen Folgen im Blick behalten werden. „Es braucht Strategien für die Rückkehr ins gewohnte Leben", so die Experten der Oberberg-Gruppe.Im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtung berücksichtigen die Ärzte der Oberberg-Gruppe neben der COVID-19-Diagnostik die diagnostischen Vorgehensweisen bei anderen postinfektiösen Syndromen sowie bei chronischen Erschöpfungs- oder Müdigkeitssyndromen.

„Aus unseren Erfahrungen mit der Behandlung von psychosomatisch und psychisch erkrankten Patienten haben wir für das Post-SARS-CoV-2-/COVID-19-Syndrom (PSCS) mit seinen psychischen Folgen einen multimodalen Therapieansatz entwickelt. Noch gibt es keine Leitlinien, aber unsere Behandlung leiten wir aus den Therapieempfehlungen zu Erschöpfungs- und Schmerzsyndromen sowie relevanten psychischen Störungen ab", erklärt Dr. med. Hannes Horter, Chefarzt der Oberberg Fachklinik Weserbergland das Programm der Oberberg-Gruppe.

Die interdisziplinäre, vor allem internistische Behandlung von organischen Grund- und Folgeerkrankungen werde durch weitere Therapien ergänzt. Unter anderem durch Atem- und Physiotherapie, Schmerzmanagement sowie Psychotherapie. Auch weitere Fachtherapien, wie Übungs- und Sportprogramme, Kreativtherapien und Entspannungsverfahren sowie Schlafregulierung, unterstützen den Genesungsprozess.

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