Illegale Heckenrodung trifft Kieswerk H. Pampel in Rinteln

Anja Imig

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Trauriger Anblick: Auf den Stock gesetzter Schwarzer Holunder. Die Aufpflanzung dazwischen wurde komplett gerodet. - © Christian Höppner
Trauriger Anblick: Auf den Stock gesetzter Schwarzer Holunder. Die Aufpflanzung dazwischen wurde komplett gerodet. (© Christian Höppner)

Rinteln-Möllenbeck. Mitarbeiter der Unternehmensgruppe Reese beklagen den illegalen Heckenrückschnitt im Bereich einer Ausgleichsfläche in der Nähe der Ellerburg in Rinteln. "Im Frühjahr wurde eine bereits vor vier Jahren angepflanzte Hecke soweit „auf den Stock“ gesetzt, dass eine Reaktivierung aus eigener Kraft nicht mehr möglich ist. Die beseitigte Hecke befand sich im Landschaftsschutzgebiet Wesertal im Bereich der Stadt Rinteln und sollte dort zur Stärkung der Erholungseignung das typische Landschaftsbild der Weseraue anreichern und entwickeln", teilt das Unternehmen mit.

Unternehmen hatte sich für Hecken stark gemacht

Allein der wirtschaftliche Schaden für die Neupflanzung der Hecke wird auf etwa 3000 Euro beziffert; wobei die Entwicklungszeit der Hecke nicht berücksichtigt ist. Zuletzt hatte man sich seitens der Unternehmensgruppe Reese im Bereich des Nassabbaus Pampel in Zusammenarbeit nach eigenen Angaben mit der örtlichen Jägerschaft und dem Nabu Rinteln für den Erhalt – insbesondere alter Heckenstrukturen in diesem Bereich – stark gemacht und Hecken aufwendig umgepflanzt.

"Der illegale Rückschnitt ist daher bestürzend und stellt gleichzeitig einen Verstoß gegen die bestehende Baum- und Heckenschutzverordnung dar. Bäume und Hecken in der freien Landschaft sind entweder durch ihre Lage im Landschaftsschutzgebiet oder durch die Baum- und Heckenschutzverordnung besonders geschützt. Ihre Beseitigung oder Schädigung ist verboten. Gegenteilige Maßnahmen stellen eine Ordnungswidrigkeit dar", erklärt das Unternehmen.

Breit gefächerte ökologische Funktionen

Hecken sind wertvolle Lebensräume. Ihre ökologische Funktion ist breit gefächert, so dienen sie als Singwarte, Brutstätte und Überwinterungsplatz für verschiedene Vogelarten, Insekten und Bilche. Für Fledermäuse können Hecken Leitstrukturen darstellen; Feldvögel wie das Rebhuhn nutzen sie als Unterstand und Nahrungsreservoir. Freiwachsende Feldhecken werden von einem Saum aus Gräsern und Stauden begleitet und weisen auf kleinstem Raum unterschiedliche Standortverhältnisse (Mikroklima, Licht, Feuchtigkeit) auf, die vielen Arten Lebensraum bieten können.

Enorme Heckenverluste hat es aufgrund des Verlusts des wirtschaftlichen Nutzens in den 50er und teilweise bis in die 80er Jahre im Zuge der Flurbereinigungsverfahren gegeben. Dabei wurden wertvolle Funktionen wie die Windschutzfunktion (Erosionsschutz), die Schattenfunktion, der längere Erhalt von Bodenfeuchte und das Klimaschutzpoteztial (CO2 Bindung aus der Atmosphäre) nicht berücksichtigt.

Gerodete Hecke muss neu gepflanzt werden

"Durch den vielfältigen Nutzen von Wildgehölzhecken als Rückzugsräume, Fortpflanzungsstätten und Pufferstreifen, werden diese oft als Ausgleichsmaßnahmen in Planfeststellungsbeschlüssen festgesetzt. Die gerodete Hecke muss nach Einstellung des Verfahrens auf Kosten der Unternehmensgruppe Reese neugepflanzt werden", heißt es abschließend.

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