Senioren studieren aus purem Vergnügen

Im Kurgastzentrum Bad Meinberg lernen Senioren Neues über die Welt

Cordula Gröne

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Begeistert vom Studium Speciale: Wilfried Westphal, Bärbel Janssen, Wolfgang Capellmann, Mechthild Schulte Rassel und Nicolaus Böhle (von links). - © Cordula Gröne
Begeistert vom Studium Speciale: Wilfried Westphal, Bärbel Janssen, Wolfgang Capellmann, Mechthild Schulte Rassel und Nicolaus Böhle (von links). (© Cordula Gröne)

Horn-Bad Meinberg. Senioren von heute haben Zeit, sind geistig fit und wollen etwas erleben. 63 haben gerade ein Studium Speciale am Europäischen Zentrum für universitäre Studien (EZUS) der Senioren OWL beendet – und sind begeistert.

Nach einem Studium Generale über drei Trimester konnten die Teilnehmer, die aus Lippe, Bielefeld und darüber hinaus kommen, ein Studium Speciale anschließen. Die LZ sprach im Kurgastzentrum mit fünf Teilnehmern, die sich seit dem Jahr 2011 kennen. 

„Die Qualität der Professoren ist sehr gut“, meint Nikolas Böhle (68, Ex-Bankvorstand) und die anderen nicken bestätigend. „Das beruht auf Gegenseitigkeit“, weiß Nathalie Bender, Leiterin des EZUS. Auch die Referenten genössen das große Interesse der Teilnehmer. „Wir können ohne Leistungsdruck arbeiten“, erklärt Wilfried Westphal (64), ein früherer Steuerberater. Dabei seien die Themen teilweise sehr aktuell gewesen, etwa Hintergründe zum Anschlag auf Charlie Hebdo. „Ich habe mich nie mit Musikwissenschaft beschäftigt“, gibt Wilfried Westphal zu. „Heute höre ich Wagner ganz anders.“

„Es ist ein Mehrwert, den man hat. Ich habe mir dadurch ein breites Wissen aneignen können“, erzählt Böhle. Er vertieft Themen Zuhause und nutzt weitergehende Literaturhinweise. „Ich kann stärker argumentierten und bin direkter in meiner Wortwahl. Ich werde sogar kritischer“, hat der 68-Jährige bei sich festgestellt. Zugang zum Internet solle man haben, meint die Gruppe übereinstimmend.

Bärbel Janssen (64, Industriekauffrau) guckt bei vielem kritischer hin, seien es Zeitschriftenberichte oder die Nachrichten. „Ich habe jetzt ein ganz anderes Hintergrundwissen. Gerade auch bei der Ukraine kann man gewisse Dinge besser einordnen.“ „Man bekommt Querverbindungen“, sagt Mechthild Schulte Rassel (67, Hauswirtschaftsmeisterin). „Das Studium führt dazu, dass man sich in verschiedene Themen eingräbt“, zeigt sich auch Wolfgang Capellmann fasziniert. Er fühlt sich so noch am Puls der Gesellschaft.

Als weitere Vorteile nennen die Teilnehmer, dass die Fixtage dem Jahr Struktur geben. Sie freuen sich nicht nur auf anregende Wissensinhalte, sondern auf den Austausch mit Gleichgesinnten. Und wie reagiert die Umwelt auf die jung gebliebenen Alt-Studenten? Mechthild Schulte Rassel: „Die Augen werden größer.“ Viele wüssten gar nichts von der Seniorenuni und würden gern mal mitkommen.

Wollen alle ein weiteres Studium Speciale absolvieren? Das mehrstimmig „Ja“ lässt keinen Zweifel daran. Die Studienthemen sind vielfältig. Beim letzten ging es beispielsweise um den arabischen Frühling, Literatur und Zensur und die Rolle Europas.

Mehr Werbung für Seniorenuni

Dass die Studierenden sich kein X für ein U vormachen lassen, wurde beim Gespräch mit Nathalie Bender und Markus Rempe, Vorstandsvorsitzender der Lippe Bildung eG, die das EZUS trägt, deutlich.

Es werde zu wenig für die Seniorenuni geworben, diese sei zu wenig bekannt, finden die Teilnehmer.  „Viele haben über die Sommerakademie das EZUS erst kennengelernt“, meint Wilfried Westphal. Um den Bekanntheitsgrad zu steigern, haben die Verantwortlichen bereits Anzeigen geschaltet, auch soll ein Video-Clip erstellt werden.

In Detmold fand bereits eine Informationsveranstaltung statt, weitere folgen. Die Teilnehmer schlugen außerdem vor, einzelne Block-Seminare zu unterschiedlichen Themen anzubieten. Mit der Kunsthalle Bielefeld sei bereits etwas in Vorbereitung, lässt Bender schon mal in die Zukunft blicken.

Die Seniorenuni soll auf Wunsch des Kreises Lippe weiter in Bad Meinberg angeboten werden. Markus Rempe: „Ziel ist, dass das EZUS ausgebaut wird und sich dauerhaft etabliert.“

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