Beliebte Senioren-Uni feiert runden Geburtstag

Manfred Brinkmeier

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Zehn Jahre Senioren-Universität: (von links) Catrin Michels (Lippe Bildung eG und für die EZUS-Verwaltung zuständig), Dozent Dr. Jochen Hippler und Markus Rempe, Geschäftsführer der Lippe Bildung eG, im Gespräch. - © Bernhard Preuß
Zehn Jahre Senioren-Universität: (von links) Catrin Michels (Lippe Bildung eG und für die EZUS-Verwaltung zuständig), Dozent Dr. Jochen Hippler und Markus Rempe, Geschäftsführer der Lippe Bildung eG, im Gespräch. (© Bernhard Preuß)

Horn-Bad Meinberg. Das Besondere an einem runden Geburtstag ist, dass er die Chance auf das Besondere ermöglicht. Das ist bei zehn Jahren Senioren-Uni in Bad Meinberg nicht anders. Dort ist der renommierte Friedens- und Konfliktforscher Dr. Jochen 
Hippler einen ganzen Tag zu Gast gewesen.

Es ist bereits das zweite Mal in diesem Jahr, dass Dr. Hippler die älteren Semester über den Nahen Osten informierte. „Die Herausbildung des Islamischen Staates" lautete dabei das Thema des Studientages. Für Markus Rempe, Vorstandsvorsitzender Lippe Bildung eG, ist das Besondere an EZUS, dem Europäischen Zentrum für universitäre Studien der Senioren OWL am Standort Bad Meinberg, dass nicht nur die Studierenden Freude am Angebot haben. „Auch die Dozenten kommen gerne nach Lippe", sagt er – was Dr. Hippler bestätigt.

„Es ist einfach spannend, fernab des regulären Uni-Betriebes auf hoch interessierte Studierende zu treffen. Denn hier steht ja der freiwillige Charakter im Vordergrund, was man sehr deutlich merkt." Dr. Jochen Hippler bedauert in diesem Zusammenhang die zunehmende Bürokratisierung der Universitäten. „Oftmals hat man da junge Leute vor sich, die ihre Zeit absitzen, weil sie halt einen Schein machen müssen."

In Bad Meinberg sei das völlig anders. „Die Studierenden hier sind neugierig, aufgeschlossen und aktiv. Sie fordern einfach einen Input für die Erklärung von Hintergründen. Das ist für mich sehr spannend und bedeutet auch, dass ich gar nicht weiß, in welche Richtung sich ein solcher Tag entwickelt." Er sei nach Bad Meinberg gekommen, um Vorurteile auszuräumen, nicht, um den Leuten irgendein Programm unterzujubeln, betont der Dozent.

Diese inhaltliche Struktur mit der sehr angenehmen Ausgangssituation für beide Seiten gibt es jetzt also seit zehn Jahren. Markus Rempe dazu: „Das ist eben das Besondere einer Universität des dritten Lebensabschnitts und Teil des demografischen Wandels. Die Leute werden immer älter und wollen nach ihrem Berufsleben einer sinnvollen Beschäftigung nachgehen."

Bei der Zielgruppe 50plus wachse der berechtigte Wunsch, sich wissenschaftlich systematisch mit philosophischen, gesellschaftlichen, religiösen, historischen, politischen, ethischen, gesundheitlichen und lebenspraktischen Themen intensiv zu beschäftigen. Markus Rempe: „Wir arbeiten mit unserem Angebot intensiv an einer neuen gesellschaftlichen Positionierung des Alters. Dabei gehen wir differenziert mit Themen um und wollen immer ganz nah dran sein an Dingen, die unsere Gesellschaft beschäftigen. Was deutschlandweit einzigartig ist, ist in Lippe bereits Tradition. Darauf sind wir schon sehr stolz." Die Teilnehmer kommen laut Rempe von weit her nach Bad Meinberg.

Wissensdurst kennt kein Alter
Frisch gestärkt kommen die 22 Teilnehmer des heutigen außerplanmäßigen Studienseminars nach der Mittagspause zusammen. Ihr Dozent, Dr. Jochen Hippler, ist Friedens- und Konfliktforscher am Institut für Entwicklung und Frieden der Uni Duisburg-Essen und will heute sein Wissen zum Thema „Der Islamische Staat" weitergeben.

Im Gegensatz zu den meisten Studenten, die es kaum erwarten können die Uni-Zeit endlich hinter sich zu lassen, sind alle Anwesenden ganz freiwillig hier – und sie sind alle älter als 50 Jahre. Als Studierende am „Europäischen Zentrum für Universitäre Studien der Senioren OWL" (EZUS) absolvieren sie derzeit das Studium Speciale und vertiefen dabei aktuelle politische, wirtschaftliche, soziale oder kulturelle Themenfelder. Auch in der Pause sind die Diskussionen zum heutigen Thema nicht abgerissen und so warten die Studierenden bei Mineralwasser und Kaffee gespannt auf ihren Dozenten. Mit Hilfe seiner PowerPoint-Präsentation veranschaulicht dieser für jeden plausibel die Entwicklung des Islamischen Staats.

Man merkt: Hippler weiß wovon er spricht und schafft es, dieses Wissen seinen Zuhörern verständlich zu machen. Kurt Klages, der seit neun Jahren und damit fast von Anfang an dabei ist, weiß: „Hier kann jeder etwas beitragen." Zum heutigen Themenfeld kann vor allem der ehemalige Berufssoldat Wolfgang Winkler viel erzählen, denn er kennt den Irak und Syrien. Für ihn sei die Teilnahme am Seminar eine der besten Entscheidungen seines Lebens gewesen.

„Nach meiner Pensionierung und dem Tod meiner Frau habe ich ein neues Ziel vor Augen gebraucht", erinnert sich der heute 68-Jährige, der seit sechs Jahren mitstudiert. „Besonders gereizt hat mich dabei die Beschäftigung mit Themen, mit denen ich mich vorher noch nie auseinandergesetzt hatte – wie Philosophie oder Religionswissenschaften", fügt Winkler an.

„Die Atmosphäre ist immer locker und der Austausch untereinander und mit den Dozenten steht im Vordergrund", weiß seine Studienkollegin Brigitte Spethmann-Heitlage, die seit 2009 zusammen mit ihrem Mann studiert. Und so scheuen sich die Teilnehmer auch nicht, ihrem Dozenten Hippler immer wieder weiterführende Fragen zu stellen oder untereinander in die Diskussion zu gehen.

„Hier kann man Themen vertiefen, für die man im Berufsleben gar keine Zeit hatte", erläutert die 73-Jährige ihre Beweggründe: „Wir sind immer neugierig geblieben. Und wenn man die Zusammenhänge versteht, kann man viele aktuelle Themen wesentlich besser beurteilen." Letztlich sind sich alle drei einig: „Wir machen weiter, solange wir Spaß haben und es die Gesundheit zulässt."

EZUS
Das Europäische Zentrum für universitäre Studien der Senioren OWL (EZUS) wird 2006 gegründet. Senioren ab 50 Jahren soll damit eine Möglichkeit zur Weiterbildung am Studienort Bad Meinberg geboten werden. Angeboten werden unter anderem das Studium Generale sowie das Studium Speciale. Ersteres umfasst 13 Module wie Theologie, Musik oder Politikwissenschaften. Das Studium dauert acht Monate und findet in drei sechswöchigen Studienblöcken jeweils an zwei Tagen pro Woche statt. Das Studium Speciale vertieft das bereits vorhandene Wissen und geht auch auf persönliche Themenwünsche der Studierenden ein. Als Dozenten fungieren renommierte Fachleute. Über eine Lernplattform im Internet erhalten die Studierenden Lernmaterialien zur Vor- und Nachbereitung der einzelnen Seminare. Weitere Informationen unter www.ezus.org.

Studientag für Menschen ab 50

Student sein für einen Tag – auch das funktioniert bei der Senioren-Uni. Ein „Schnupper-Studientag für Interessierte" ist Teil des Jubiläumsjahres 2016 der Bildungseinrichtung im Haus am Kurpark, Parkstraße 63, in Bad Meinberg.

Angesprochen werden sollen Menschen ab 50 Jahren, die nicht genau wissen, was auf sie beim „Studium Generale" zukommt. Sie können so auch die Gelegenheit nutzen, andere Studierende zu deren Erfahrungen zu befragen. Ein solcher Schnuppertag mit der aktuellen Studiengruppe dauert von 10 bis 17 Uhr. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Die Teilnahme kostet 39 Euro.

Für dieses Jahr stehen noch vier Termine an. Am 17. oder 18. Mai dreht sich alles um „Neue Erkenntnisse in der Psychologie". Dozent ist Prof. Dr. Ingrid Scharlau von der Uni Paderborn. Am 31. Mai oder 1. Juni geht es um „Biographie- und Erinnerungsarbeit – Theoretische Ansätze, Bedeutung und Formen des Lebensrückblicks in der zweiten Lebenshälfte". Dozent ist Prof. Dr. Wilhelm Frieling-Sonnenberg.

Der 15. September ist dem Thema „Kommunikation – Spracherwerb – Sprache" vorbehalten. An diesem Tag kommt Prof. Dr. Dr. Horst M. Müller von der Uni Bielefeld nach Bad Meinberg. Am 23. September rückt das Thema „Nachhaltige Entwicklung" mit Georg Krämer vom Welthaus Bielefeld in den Mittelpunkt.

Markus Rempe, Vorstandsvorsitzender der Lippe Bildung eG, möchte Menschen ab 50 Jahren dazu ermutigen, sich für den nächsten Lebensabschnitten rechtzeitig zu rüsten. Für die Studienberatung und den Kontakt stehen Bettina Zodrow (Leitung), Tel. 05261-288-9296, E-Mail zodrow@lippe-bildung.de, sowie Catrin Michels, Tel. 05261-288-9935, E-Mail michels@lippe-bildung.de, zur Verfügung.

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