Externsteine, Detmold, Paderborn: Vier Beispiele für OWL in Videospielen

Björn Vahle

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Paderborn liegt... am Fuße der bayrischen Alpen. Zumindest in "Wolfenstein: The Old Blood". - © Bethesda Game Studios
Paderborn liegt... am Fuße der bayrischen Alpen. Zumindest in "Wolfenstein: The Old Blood". (© Bethesda Game Studios)

Computerspiele aus Ostwestfalen gibt es. Gerade Gütersloh (mit den Entwicklern Gaming Minds Studios, früher auch Ascaron) und Paderborn (Gameslab der Uni) stehen dafür. Dass OWL aber auch selbst in Spielen vorkommt, ist weniger bekannt. Hier sind fünf Beispiele, die die Region für sich und ihre Geschichten genutzt haben.

Externsteine und Teutoburger Wald

Das an "Diablo" erinnernde Action-Rollenspiel "Titan Quest" von 2006 führt Spieler in seiner Grundvariante an Schauplätzen aus der griechischen, ägyptischen und chinesischen Mythologie vorbei und hetzt einem allerlei buntes Gekröse aus den Erzählungen um Odysseus und Kollegen zur fachgerechten Verarbeitung auf dem Antiken Schneid- oder Schießwerkzeug auf den Hals. Der Wiedererkennungswert dieser Schauplätze macht also einen nicht unerheblichen Teil des Spielspaßes aus.

Ein Screenshot, der die Kartenansicht aus "Titan Quest" im Gebiet der Externsteine - © @Fandom Titan Quest Wiki/Screenshot: NW
Ein Screenshot, der die Kartenansicht aus "Titan Quest" im Gebiet der Externsteine (© @Fandom Titan Quest Wiki/Screenshot: NW)

Als dann 2018 nach zwölf Jahren aus dem Nichts das Add-On "Ragnarök" angekündigt wurde, das uns diesmal in die Nordische Mythologie mitnahm, war die Freude ohnehin schon groß. Spieler aus OWL werden sich auf der Reise durch neue Gebiete gleich mehrfach die Augen gerieben haben, wenn in der Mitte des Spiels die Einblendung mit dem Namen des nächsten Gebiets erschien. "Teutoburger Wald" bekommt man da zu lesen. Und wenig später: "Externsteine".

Die sind dann auch einigermaßen detailgetreu nachgebaut, der Teuto scheint dagegen eher aus mehreren Gebieten OWLs zusammengeschustert zu sein. Ein bisschen Hücker Moor hier, dunkle Fichten da, aber der charakteristische Bergrücken fehlt irgendwie ganz. Und auf einer Reise von Nordgriechenland nach Skandinavien hätte unser Held ja noch zig andere Routen wählen können. Dass Ostwestfalen sich hier also neben den Pyramiden von Gizeh und der Chinesischen Mauer einreiht, war in etwa so wahrscheinlich wie es ein Champions League-Titel für Arminia Bielefeld im Jahr 2022 ist.

Paderborn I

Die Vorgänger von "Wolfenstein: The Old Blood" begründeten vor mehr als 30 Jahren nichts weniger als das Genre der Ego-Shooter, schafften es aber wegen Hakenkreuzen und hohem Gewaltfaktor in Deutschland regelmäßig auf den Index. Der Grund: Hier jagt man in einer bizarren alternativen Fassung der Geschichte Nazis, die diesmal den Zweiten Weltkrieg gewonnen haben. Das gefiel der USK so "gut", dass die Schergen in den jüngsten Ablegern der Serie einfach "Das Regime" genannt werden. Die Parallelen übersieht man aber natürlich nicht mal mit zwei Holzaugen.

Egal. "The Old Blood" ist die Erweiterung zum ersten Teil des Reboots von 2014. Hier sollen wir als Widerstandskämpfer B.J. Blazkowicz in geheimer Mission die namensgebende Burg Wolfenstein infiltrieren, ein Monstrum aus Granit in den bayrischen Alpen. Startpunkt für das Unterfangen: Paderborn. Das liegt hier nämlich eingebettet in ein Bergmassiv. Ganz recht, nix mit Dom und Paderquellgebiet. Erkundet werden stattdessen märchenhaft verwinkelte Gassen zwischen Häusern mit geschwungenem Giebel und typisch süddeutschen Fensterläden.

Im Spielverlauf treffen wir später übrigens auf Zombies. Böse Zungen würden behaupten, das kann einem im echten Paderborn montagmorgens in Uninähe auch passieren.

Paderborn II

Melina Jürgens aus Paderborn als Senua im gleichnamigen Spiel. - © Ninja Theory
Melina Jürgens aus Paderborn als Senua im gleichnamigen Spiel. (© Ninja Theory)

Statt die Stadt als Referenz zu nutzen, kann man sich natürlich auch einfach das Talent sichern, dass es hier zweifellos gibt. So geschehen im Fall von Melina Jürgens. Die Paderbornerin ohne Schauspielausbildung war beim britischen Entwickler Ninja Theory in Cambridge eigentlich für das Video-Tagebuch zum Entwicklungsprozess des verstörend genialen "Hellblade: Senua's Sacrifice" zuständig.

Doch weil die Schauspielerin absprang, die die von Psychosen geplagte Senua eigentlich im Motion Capture-Anzug spielen sollte, rutschte Jürgens in die Hauptrolle. Ihre Darstellung der von Stimmen aus dem Unterbewusstsein gequälten Frau auf der Mission, ihren Geliebten aus der Unterwelt der nordischen Mythologie zu retten, brachte ihr britische wie deutsche Computerspielpreise ein. Das Spiel wurde für seine nie dagewesene Nähe zur Lebenswirklichkeit psychisch kranker Menschen gelobt, mit deren Hilfe Ninja Theory es entwickelt haben. Zuletzt war Jürgens selbst Teil der Jury des Deutschen Computerspielpreises.

Ein Beispiel dafür, wie Jürgens im Spiel und wirklich aussieht:

Detmold

Der Hexer Geralt von Riva fesselte zuerst Millionen polnischer Leser der Romane von Andrzej Sapkowski und später weltweit als Protagonist der "The Witcher"-Rollenspiele.  Noch 2019 soll es eine Netflix-Serie geben. In einer düsteren Fantasy-Welt voller Intrigen, Magie und Rassismus gegenüber allen Nichtmenschen muss der Weißhaarige als bezahlter Monsterschlächter allerlei Fiesewichte (menschlich wie nichtmenschlich) besiegen. Und dafür geht's im zweiten Teil der Spieleserie nach: Detmold.

Das ist in diesem Fall nämlich keine Stadt sondern ein Zauberer, der es mit der Loyalität Geralt gegenüber nicht so genau nimmt. Deshalb ist es uns später auch ein Fest, je nach unseren Entscheidungen gleich mehrere Möglichkeiten zu haben, den Verräter von der Bürde seines niederträchtigen Lebens zu befreien. Übrigens heißt Detmold in der englischen Version sinnigerweise "Dethmold". Und das sieht dann zum Beispiel so aus:


Haben wir ein Beispiel vergessen? Gibt's das Hermannsdenkmal in Call of Duty? Oder die Oetkerhalle in Fortnite? Schreiben Sie uns an online@lz.de!

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