Mönkeberg statt U-Haft

Auf dem früheren Bundeswehrgelände könnten jugendliche Straffällige einziehen

veröffentlicht

Einsam und verlassen: Zurzeit stehen die Häuser auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände oberhalb von Kempen leer. Das könnte sich jedoch bald ändern. Foto: Beckmann
Einsam und verlassen: Zurzeit stehen die Häuser auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände oberhalb von Kempen leer. Das könnte sich jedoch bald ändern. Foto: Beckmann

Horn-Bad Meinberg/Kempenfeldrom (jab). Der Leerstand auf dem Mönkeberg könnte bald ein Ende haben. Nach LZ-Informationen ist die EJF-Lazarus-Gesellschaft daran interessiert, auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände jugendliche Straffällige unterzubringen und pädagogisch zu betreuen. Stadt und Bevölkerung reagieren mit Skepsis.

Die Gesellschaft ist aus dem Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerk und der Diakoniestiftung Lazarus Berlin hervorgegangen und betreibt andernorts bereits Einrichtungen wie diese. Nun hat sie ein Auge auf die Liegenschaft Mönkeberg geworfen, die dem Land gehört und auf der vor vier Jahren eigentlich ein Jugendwaldheim entstehen sollte. Nun könnten dort tatsächlich Jugendliche einziehen, noch ist aber nichts beschlossen.

"Der Kreis und die Stadt Horn-Bad Meinberg haben keine weiteren Informationen als die Zielsetzung. Diese muss jedoch mit der der Stadt kompatibel sein", erklärte Bürgermeister Eberhard Block auf Nachfrage. Da die Stadt auf Tourismus setze, bestehe einer derartigen Einrichtung gegenüber Skepsis. Politik und Verwaltung hätten das Jugendwaldheim damals sehr befürwortet, da auf diese Weise ein gewisses Maß an Tourismus möglich gewesen wäre.

"Wir haben aber festgestellt, dass wir formalrechtlich in den Prozess einbezogen werden müssen", so der Verwaltungschef. Der Grund: Das Planungsrecht weise das Areal als Sondergebiet Funk aus. Die Niederlassung der Gesellschaft könne deshalb nur nach einer Nutzungsänderung erfolgen. Diese müsste der Kreis Lippe aussprechen, zuvor müsste er die Stadt Horn-Bad Meinberg aber am Planänderungsverfahren beteiligen.

Von der Gesellschaft war keine Stellungnahme zu der möglichen Niederlassung und Art der Nutzung zu bekommen. Da sich auch in der Bevölkerung Sorgen breit machen, laden die Ortsvereine von CDU und SPD nun zu Bürgerversammlungen ein. "Aus pädagogischer Sicht gibt es gegen eine solche Einrichtung zwar nichts einzuwenden. Schließlich sollen die Jugendlichen hierher, damit sie nicht mit erwachsenen Straftätern in Untersuchungshaft sitzen müssen", sagte Manfred Robrecht (SPD). Da es in Veldrom und Leopoldstal bereits Häuser für die Betreuung von Jugendlichen gebe, sei ein weiteres aber zu viel.

Auch Achim Wiegand (CDU) äußerte gegenüber der LZ Bedenken, ob ein weiteres Jugendhaus wirklich gut für den Ort sei. Bevor sich die CDU ein endgültiges Bild mache, wolle sie jedoch erst einmal die Bürgerversammlung abwarten. Diese findet am Montag, 3. August, ab 20.30 Uhr im "Römerhof" in Feldrom statt. Bürgermeisterkandidat Michael Rosentreter und Landrat Friedel Heuwinkel haben sich bereits angekündigt. Einen Tag später wird Bürgermeister Block zur Bürgerversammlung der SPD erwartet. Sie findet ab 19 Uhr im "Römerhof" statt.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2018
Texte und Fotos von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.