Schwerstarbeit im Meinberger "Stinkebrink"

Die wechselvolle Geschichte der Moorgewinnung

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Zwischenlager: Dorthin wird der Rohstoff von der Diesellok auf einem 300 bis 400 Meter langen Schienenstrang, der ständig von Hand neu verlegt werden muss, transportiert. - © Foto: Brinkmeier
Zwischenlager: Dorthin wird der Rohstoff von der Diesellok auf einem 300 bis 400 Meter langen Schienenstrang, der ständig von Hand neu verlegt werden muss, transportiert. (© Foto: Brinkmeier)

Von Manfred Brinkmeier

Die Entdeckung des "schwarzen Goldes" war eine glückliche Fügung für Bad Meinberg. Es brachte Beschäftigung für die Menschen und förderte zugleich das Ansehen des Bades.

Horn-Bad Meinberg. In den Kurorten wird das natürliche ortsgebundene Heilmittel Torf überwiegend für Bäder und Packungen verwendet. In Deutschland werden dabei jährlich rund 220 000 Tonnen Torf für die Moortherapie gebraucht.

Nach Angaben von Ernst-Wilhelm Beckmeier, dem technischen Betriebsleiter beim Staatsbad Meinberg, wird in Bad Meinberg das Naturprodukt für die medizinischen Anwendungen bereits seit 1820 abgebaut. Die Moorlagerstätte trug den Namen "Beinkerbruch" und befand sich hinter der Abfallanlage von Staatlich Bad Meinberger.

Beckmeier: "Früher gab es ein Moorfeld im Bereich des Waldstadions. Deshalb heißt es ,Moorstraße'. Wenn man alte Aufzeichnungen liest, dann wird einem schnell klar, was die Menschen damals geleistet haben, um an das so wertvolle Material heranzukommen." So habe er erfahren, dass zwei Moorstecher täglich bis zu fünf Kubikmeter badefertigen Moorschlamm zubereiten mussten. "Aus heutiger Sicht ist dies kaum vorstellbar."

Per Pferdefuhrwerk sei das Material dann zu den Badeeinrichtungen gefahren worden. 1924 waren in den beiden Badehäusern bereits 20 Moorbadeplätze eingerichtet. Die Versorgung mit ausreichenden Mengen an Badeschlamm wurde so immer problematischer.

1929 wurde schließlich das jetzige Moor "Stinkebrink" erschlossen. Beckmeier: "Der Rohstoff steht uns nur in begrenzter Menge zur Verfügung. Deshalb hat man schnell gelernt, sparsam mit ihm umzugehen." Zu diesem Zweck wurde der "Stinkebrink" in 16 Felder unterteilt. Genutzt wird aber jeweils nur ein Feld. Das in den Badeeinrichtungen verwendete Therapie-Moor wird anschließend wieder in das Feld zurückgepumpt, das zuletzt abgebaut worden ist.

Beckmeier: "Nach rund 15 Jahren Regeneration wird in einem abgebauten Feld erneut Moor gestochen. Der Abbau eines Feldes dauert dabei rund vier Jahre." Selbstverständlich hat auch in der Moorgewinnung der technische Fortschritt die schwere Handarbeit abgelöst. Beckmeier: "Heute geschieht das mit einem Bagger. Anschließend wird der Rohstoff mit einer Feldbahnlok und zwei Loren abtransportiert. Im jetzigen Feld erfolgt in diesem Monat noch einmal ein Abbau. Dann ist dort Schluss. Ab Jahresende wird dieses Feld wieder verfüllt."

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