Eine Woche Auszeit von der Pflege

Angebot des Rotary Clubs Detmold und der St. Elisabeth-Stiftung

Von Cordula Gröne

Auszeit von der Pflege - © Horn
Auszeit von der Pflege (© Horn)

Horn-Bad Meinberg. Sie sind Tag und Nacht für ihre Angehörigen da. Für die acht Frauen, die jetzt in Bad Meinberg eine Auszeit von der Pflege genommen haben, gibt es eigentlich keinen Urlaub.

Ein Stillleben mit Kerze zieht in der Stuhlrunde immer mal wieder die Blicke auf sich. Die Teilnehmerinnen erzählen von sich: Da lässt Trauer auch mal die Augen feucht werden, Minuten später wird herzhaft gelacht – ganz so wie während der sieben Tage.

Eine Auszeit für pflegende Angehörige ermöglichten zum zweiten Mal die St. Elisabeth-Stiftung und der Rotary Club Detmold in Bad Meinberg. Eine Woche verbrachten die Frauen im Haus am Park, betreut von Pfarrerin Gertrud Zimmer und Krankenschwester Maria Raschke.

Die Auszeit tut ihnen gut: Die Teilnehmerinnen mit gebastelten Vögeln. - © Foto: Gerstendorf-Welle
Die Auszeit tut ihnen gut: Die Teilnehmerinnen mit gebastelten Vögeln. (© Foto: Gerstendorf-Welle)

"Man denkt nicht nach, weiß nicht, wie man das schafft", erzählt Traute Wehlitz von der langen Pflege ihres Mannes. Sie ist bereits zum zweiten Mal da. "Ich habe festgestellt, dass man eigentlich sein Ich aufgeben muss", sagt Gisela Uhe, die sich zuhause um ihre Schwiegermutter kümmerte. "Wenn man länger pflegt, hat man bald keine Freunde mehr. Wenn ein Kranker hinter der Tür liegt, kommen die nicht gern."

Leben die Kinder weiter entfernt, können diese die anstrengende Situation, die sie nur bei Besuchen kurz erleben, nur in Ansätzen nachvollziehen. So sind für Bärbel Trojak auch die täglichen Besuche im Heim anstrengend. Oberflächliche Vorschläge wie: "Da muss man mal was tun", kommen bei den Frauen gar nicht gut an.

Älteste in der Runde ist mit 80 Jahren Klara Reller, die täglich mit dem Auto zu ihrer 52-jährigen Tochter fährt, die Multiple Sklerose hat. "Das ist psychisch schwer", deutet sie an, dass ihr das Schicksal der Tochter schwer zu schaffen macht – "als Mutter leidet man mit".

Nie Zeit für sich zu haben, immer zur Stelle sein zu müssen, immer an den anderen zu denken – es ist ein Hamsterrad, in dem sich Pflegende befinden. Am Ende steht oft nur der Tod des Angehörigen.

Zur Auszeit mussten manche der Frauen überredet werden. Umso dankbarer sind sie für das Erlebte, für neue Impulse. Auch für Ahaerlebnisse, die den Alltag bewältigen helfen. Traute Wehlitz fühlt sich mit neuer Energie aufgeladen. Das Gefühl von Behütetsein genießt Vera Klapdor – nichts erklären zu müssen, sich nicht rechtfertigen zu müssen.

"Da ist eine ganz tiefe Verbindung da", erklärt Theologin Gertrud Zimmer das entstandene Band. Alle Frauen sind oder waren in der gleichen Situation. Und sie sind froh, nach Bad Meinberg gekommen zu sein. "Wir werden die Auszeit nie vergessen", erklärt Gisela Uhe stellvertretend für alle.

Information
Projekt für Pflegende

Bereits zum zweiten Mal sponsern der Rotary-Club Detmold und die St. Elisabeth-Stiftung die Auszeit, die im Juni mit zu pflegendem Angehörigen angeboten wird. Der größte Teil der Kosten für Unterbringung und Verpflegung wird übernommen. Das Begleitprogramm sah dieses Mal einen Besuch im Detmolder Schloss, ein Cellokonzert, einen Ballettabend sowie kreative Angebote vor. Wer mochte, konnte autogenes Training und Wassergymnastik machen. Vor allem die Gespräche untereinander und mit den Betreuerinnen genossen die Frauen.(co)

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