Parteiloser Bürgermeisterkandidat Stefan Rother geht mit „Bunter Bank“ ins Rennen

Interview zur Bürgermeisterwahl: "Wirtschaft ist bei mir Chefsache"

Manfred Brinkmeier

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„Bunte Bank“: Stefan Rother (parteilos) hat schon mal vor dem Rathaus in Horn Platz genommen. Dort möchte er im Herbst als Nachfolger von Bürgermeister Eberhard Block Einzug halten. - © Preuß
„Bunte Bank“: Stefan Rother (parteilos) hat schon mal vor dem Rathaus in Horn Platz genommen. Dort möchte er im Herbst als Nachfolger von Bürgermeister Eberhard Block Einzug halten. (© Preuß)

Horn-Bad Meinberg. Am Sonntag, 13. September, wird es spannend in Horn-Bad Meinberg. Dann wird der Nachfolger von Bürgermeister Eberhard Block (SPD) gewählt. Einer von drei Kandidaten ist der parteilose Stefan Rother.

Der gebürtige Herforder wird von CDU, FDP, Grünen und der Linken ins Rennen geschickt. Im Gespräch mit der LZ äußerte er sich über seine Chancen, den Wahlkampf, wie er über das Ehrenamt denkt, aber auch zum Zusammenspiel mit dem Landesverband Lippe.

Information
Persönlich

Stefan Rother ist seit dem 2. Januar 2004 Fachbereichsleiter für Ordnung und Soziales in der Stadt Preußisch Oldendorf. Der 52-jährige ist verheiratet und hat zwei Kinder (Mädchen 22 Jahre und Junge 19). Rother war zunächst im mittleren Dienst bei der Verwaltung in Herford beschäftigt. Mit dem Abschluss an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Bielefeld wechselte er in den gehobenen Dienst in das Herforder Sozialamt. Es folgten eine zweieinhalbjährige Verwaltungsmanagement-Ausbildung am Studieninstitut für Kommunale Verwaltung OWL in Bielefeld und eine mehr als einjährige Fallmanagement-Ausbildung an der Verwaltungsakademie in Münster. Seine Freizeit verbringt Stefan Rother am liebsten mit Famlie, Hund und Fahrrad.

Haben Sie in den Sommerferien überhaupt Zeit zum Urlaub?

Stefan Rother: Mein Urlaub ist bereits anderweitig verplant. Ich nehme ihn von Mitte August bis Mitte September für meinen Wahlkampf.

Mangelt es Ihnen nicht an Präsenz – Sie arbeiten doch in Preußisch Oldendorf?

Rother: Kein Mensch kann drei, vier Monate lang Wahlkampf machen. Wir haben schließlich alle noch einen Beruf. Von Plakatschlachten halte ich ohnehin nichts. Es wird somit ein kurzer, aber knackiger Wahlkampf, und in dieser Zeit werde ich jeden Tag vor Ort sein. Das sehe ich ganz entspannt.

Sie sind 2013 bei der Wahl des Beigeordneten gegen Ihren jetzigen Hauptkonkurrenten Matthias Engel (SPD) gescheitert. Sind das nicht schlechte Voraussetzungen?

Rother: Das sehe ich nicht so. Damals handelte es sich um eine Wahl des Stadtrates, und es war eine sehr knappe Geschichte. Dieses Mal aber wählt der Bürger. Das sind ganz andere Voraussetzungen. Dass ich kein Parteibuch habe, sehe ich dabei als große Chance an. Ich bin also kein Parteikandidat, sondern vertrete ausschließlich die Interessen des Bürgers.

Bei Ihrer Wahlkampftour durch die Ortsteile bitten Sie Bürger zu Gesprächen auf die „Bunte Bank“. Was hat es damit auf sich?

Rother: „Bunte Bank“ heißt sie deshalb, weil sie für eine Vielfalt an Ideen stehen soll, aber auch für die Vielfalt der Parteien, die mich im Wahlkampf unterstützen.

Worin sehen Sie Ihre Stärken, und was wollen Sie bewirken?

Rother: Ich bin ein sehr offener Mensch, der für kurze Wege im Rathaus sorgen will. Dabei setze ich auf eine bunte Vielfalt konstruktiver Ideen – ohne parteipolitische Verengung. Man kann auch trotz angespannter Haushaltslage gestalten. Für mich ist die Frage spannend, wie ich Bürger mit ihrem großen Potenzial zum Wohl der Kommune einbinden kann.

Wie wollen Sie den Spagat zwischen Spardiktat und der Stärkung des Ehrenamtes schaffen?

Rother: Jetzt sind wir bei einem ganz entscheidenden Punkt. Wenn es das Ehrenamt nicht gäbe, müsste die Stadt diese Aufgaben erledigen, was ungleich teurer wäre. Das Ehrenamt zu stärken, rechnet sich für eine Stadt. Hier zu sparen, hieße also, an der falschen Stelle zu sparen. Wie soll ich denn junge Leute und Familien in die Stadt holen, wenn sie nicht attraktiv und lebenswert ist? Und das funktioniert nicht ohne eine gute Infrastruktur und ein breit aufgestelltes Ehrenamt.

Wie stehen Sie zum Thema Flüchtlinge?

Rother: Es muss für neu ankommende Flüchtlinge für kurze Zeit eine zentrale Anlaufstelle geben. Danach möchte ich sie in Wohnungen unterbringen. Da sind meine Erfahrungen in Preußisch Oldendorf sehr gut. Flüchtlinge identifizieren sich mit einer Wohnung nämlich viel mehr als mit einer zentralen Unterkunft. Das schont auf lange Sicht den Stadtsäckel.

Wie sieht es mit der Schaffung von Arbeitsplätzen aus?

Rother: Wir müssen Anreize für Firmen schaffen, nach Horn-Bad Meinberg zu kommen. Ganz wesentlich ist dabei die Kommunikation mit der Wirtschaft. Ich möchte für ein Rathaus der kurzen Wege und – damit verbunden – für Entscheidungen in kürzester Zeit sorgen. Dazu gehört auch, mit den Parteien über eine direkte Wirtschaftsförderung zu sprechen. Wirtschaft ist bei mir deshalb Chefsache.“

Wie wollen Sie dem Staatsbad wieder auf die Beine helfen?

Rother: Das Schöne ist, dass ich unvoreingenommen und unbelastet an die Sache herangehen kann. Verbrannte Erde zurückzulassen, ist nicht mein Ding. Ich möchte deshalb zunächst einmal wieder für eine vernünftige Gesprächskultur mit dem Landesverband Lippe sorgen. Da muss es möglich sein, dass beide Seiten auch mal außerhalb des Protokolls miteinander reden.

Ziehen Sie im Fall der Wahl von Preußisch Oldendorf nach Horn-Bad Meinberg?

Rother: Ja, der erste Bürger einer Stadt gehört in den Ort.

Das Interview führte LZ-Redakteur Manfred Brinkmeier.

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