Kalletaler findet uraltes Schwert

Fund aus dem Frühmittelalter kommt in Ausstellungsvitrine des Lippischen Landesmuseums

Tanja Watermann

  • 0
Dr. Elke Treude, Kreisarchäologin und stellvertretende Leiterin im Lippischen Landesmuseum, präsentiert den rund 56 Zentimeter langen und 4,4 Zentimeter breiten Langsax, den Dino Ildarolu im Kalletal gefunden hat. Das Schwert wird nun wissenschaftlich bearbeitet und später im Landesmuseum in Detmold ausgestellt. - © Tanja Watermann
Dr. Elke Treude, Kreisarchäologin und stellvertretende Leiterin im Lippischen Landesmuseum, präsentiert den rund 56 Zentimeter langen und 4,4 Zentimeter breiten Langsax, den Dino Ildarolu im Kalletal gefunden hat. Das Schwert wird nun wissenschaftlich bearbeitet und später im Landesmuseum in Detmold ausgestellt. (© Tanja Watermann)

Kalletal. Der Kalletaler Dino Ildarolu hat ein Auge für historische Funde aller Art. Bei fast jedem Spaziergang findet er mal mehr, mal weniger bedeutsame alte Werkzeuge, Waffen oder Reste davon – wie ein größeres Schwert, einen so genannten Langsax.

Für das Stück interessiert sich jetzt das Lippische Landesmuseum in Detmold. Dr. Elke Treude, Kreisarchäologin und stellvertretende Museumsleiterin, hat sich die Sammlung von Ildarolu im vergangenen Jahr angesehen und die 56,2 Zentimeter lange Waffe als einen klassischen Langsax in frühmittelalterlicher Form identifiziert. Für Dr. Treude handelt es sich um ein interessantes Objekt, da es aus dem Frühmittelalter nicht viele gut erhaltene Objekte aus der Region gibt. „Der Langsax gehört zu den richtig schönen Stücken und würde unsere Dauerausstellung nach seiner Restaurierung gut ergänzen“, erklärt sie und zeigt die Waffe, deren Ursprung sie zeitlich im 7. bis 8. Jahrhundert nach Christus einordnet.

Die 4,4 Zentimeter breite Klinge zeigt Anhaftungen, wie kleine Steine und Bodenmaterial, doch lässt sie schon auf den ersten Blick Rückschlüsse auf die hochwertige Verarbeitung des schmiedeeisernen Prozesses des Gärbens zu. Hierbei wird das Material durch häufiges Falten und Verschweißen verstärkt. „Für uns ist neben dem Fundort auch immer der Fundzusammenhang wichtig. Beim Langsax handelt es sich um einen Baggerfund, der leider keine weiteren Rückschlüsse oder weiterführende Hinweise zulässt.“ Laut Treude hätte der Fundort sonst vielleicht noch Reste der Griffangel oder der Messerscheide preisgegeben.

Für das Schwert beginnt jetzt ein aufwändiger Restaurierungsprozess mit der wissenschaftlichen Bearbeitung, die eine engere Bestimmung des Alters und der Herstellungstechnik geben wird. Beim ersten Röntgen ließen die Aufnahmen Schlüsse zu, dass das Schwert über eine „Blutrinne“ verfügen könnte. Im Landesmuseum gibt es zwar zwei Restauratoren, die sich auf Textilien und Gemälde – nicht aber auf Metalle – spezialisiert haben. Daher kümmert sich jetzt eine externe Restaurierungswerkstatt um die Aufbereitung, die mehrere Monate in Anspruch nehmen kann.

Gut verpackt in einer massiven Holzkiste, eingebettet in ein speziell zugeschnittenes Innenfutter mit Aussparungen in Schwertform, geht die Reise nun sicher vor Stößen und weiteren Umwelteinflüssen geschützt weiter. Um den Langsax zu erhalten, muss er „entsalzt“ werden, um den Korrosionsprozess zu stoppen. Fremdmaterial, das der Klinge anheftet, wird sehr kleinteilig abgetragen und auf weitere Spuren analysiert. Alle verwendeten Materialien werden dokumentiert sowie die einzelnen Arbeitsschritte fotografiert, um den Restaurierungsprozess auch später im Detail nachvollziehen zu können. Für die spätere Ausstellung wird der Langsax komplett ausstellungsfertig restauriert, wobei der Ist-Zustand beibehalten wird, also der Schwertgriff nicht ersetzt wird. Es soll später die Ausstellungsstücke in der Vitrine „Grabfunde der Merowingerzeit“ ergänzen und sich unter anderem zu einer fränkischen Wurfaxt aus dem 6. Jahrhundert nach Christus gesellen, die in Extertal gefunden wurde.

Ildarolu hat das Fundstück dem Lippischen Landesmuseum übereignet, das im Gegenzug dafür die kompletten Kosten der Restaurierung trägt.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2021
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare