81 Menschen sterben in eiskalten Fluten

Fährunglück vor 85 Jahren gilt als größte Katastrophe in der Friedensgeschichte der Reichswehr

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Von Wolf Scherzer

Der 31. März 1925 ist auch in die Geschichte der Gemeinde Kalletal eingegangen. Bei einer Manöverübung kenterte die Fähre, 80 Soldaten und ein Zivilist ertranken in der Weser.

Kalletal-Varenholz. Ein sichtbares Zeichen, das an die Tragödie erinnert, ist das auf der niedersächsischen Seite der Weser bei Veltheim stehende Denkmal - direkt an der heutigen Weserfähre, die auch der Heimat- und Verkehrsverein Varenholz-Stemmen für touristische Zwecke nutzt.

Alles andere als ein Freizeitvergnügen war das, was sich am Vormittag des 31. März 1925 an der Weser zwischen Varenholz und Veltheim abspielte. Wie einem von Ulrich Siekmann vor zehn Jahren in "Heimatland Lippe", der Zeitschrift des Lippischen Heimatbundes, verfassten Bericht zu entnehmen ist, war im Bereich der 6. Reichswehrdivision in der Gegend des Weserbogens und der Porta Westfalica eine Übung angesetzt worden. Dabei sollte eine Truppe mit Fähren die Weser überqueren.

Das Ausbildungsbataillon aus Detmold traf mit Verspätung ein, in aller Eile musste mit der Verladung auf die bereitstehende "Fliegende Brücke" begonnen werden. Eine ganze Kompanie eilte, bepackt mit Tornister, Stahlhelm und Gewehr und noch außer Atem durch die Hetze der verspäteten Ankunft, auf die ungewohnten und schwankenden Planken. Alles schien zunächst gut zu gehen, doch bei der zweiten Überfahrt geschah das Unglück - die Fähre war bereits über die Strommitte hinweg, als plötzlich eine leichte Bewegung in die Mannschaft kam. Ein Teil der Fähre neigte sich ins Wasser, Soldaten rutschten ab, andere stürzten nach. Die restliche Mannschaft hockte auf dem hinteren Teil des sinkenden Pontons und sehnte den herannahenden Rettungsponton herbei. Als dieser dicht an der Unglücksfähre war, brach Panik aus ...

Tag für Tag arbeiteten die Rettungsmannschaften. Tornister, Koppel und Ausrüstungsgegenstände waren das erste, was unterhalb der Unglücksstelle angeschwemmt wurde. In den ersten acht Tagen wurden 21 Leichen an Land gebracht, die meisten sind bei Erder gefunden worden. Die letzten Vermissten wurden bis nach Porta, Petershagen und Windheim fortgetragen. Am 23. April, 24 Tage nach der Katastrophe, gab die Weser ihr letztes Opfer frei. 81 Menschen hatten den Tod gefunden, unter ihnen auch der Kaufmann Wilhelm Brand aus Varenholz. Da die reguläre Fähre wegen der Übung stillgelegt worden war, wurde ihm gestattet, die Militärfähre zu benutzen.

Knapp drei Monate später stand der dienstverantwortliche Oberleutnant vor dem Mindener Schöffengericht. Er wurde freigesprochen, ein fahrlässiges Handeln konnte nicht festgestellt werden. Konstruktionsfehler der Fähre und das Hochwasser waren für das Gericht die Ursachen der Katastrophe.Konstruktionsfehler und Hochwasser die Ursachen"Das ist ein längeres Zitat"

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