Kalletaler Wanderwege erhitzen die Gemüter

Lorraine Brinkmann

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Rund um Heidelbeck erwartet Lauffreudige ein abwechslungsreicher Wanderweg. Einige der Kalletaler Routen werden derzeit neu sortiert, auch eine neue Wanderkarte ist in Arbeit. Das gefällt allerdings nicht jedem. - © Nadja Jacke
Rund um Heidelbeck erwartet Lauffreudige ein abwechslungsreicher Wanderweg. Einige der Kalletaler Routen werden derzeit neu sortiert, auch eine neue Wanderkarte ist in Arbeit. Das gefällt allerdings nicht jedem. (© Nadja Jacke)

Kalletal. Für die Wanderer in Kalletal stehen bald einige Veränderungen an. Die bisher markierten Wege werden neu sortiert und im Zuge dessen anders markiert. Das Konzept „Qualität statt Quantität“ scheint allerdings nicht jedem zu schmecken. Ein Leserbrief in der LZ und Beschwerden im Rathaus sorgen für derartige Aufruhr, dass sich Bürgermeister Mario Hecker in der jüngsten Sitzung für Bildung, Jugend, Kultur, Freizeit und Sport gezwungen sah, eine Stellungnahme abzugeben und sich vor seine Mitarbeiter im Rathaus zu stellen.Stein des Anstoßes ist das große lippische Projekt, in diesem Jahr als „Qualitätswanderregion“ ausgezeichnet zu werden (die LZ berichtete).

Auch in Kalletal wurde dafür das seit Jahrzehnten gewachsene Wanderwegenetz unter die Lupe genommen. Ergebnis: Einige der Wege fallen künftig weg, vorhandene bekommen Namen. Weil Wanderer künftig mit den alten Karten nichts mehr anfangen können, soll es ab Sommer neue und damit eine bessere Orientierung geben. Auch bei den Fernwanderwegen wird es Veränderungen geben – zum Leidwesen von Berthold Schulz, der jahrzehntelang als Wanderwart in der Region unterwegs war. Das Eindampfen vieler Fern- und Wanderwege hält er für einen Fehler. Er äußerte sich in einem Leserbrief.

Nachdem von den sogenannten A-Wegen in den vergangenen Jahren bereits einige weggefallen seien, seien nun auch die mit A1 und A2 bezeichneten Routen dran, schreibt der ehemalige Wanderwart unter anderem. Erst vor zwei Jahren seien beide überarbeitet und mit Infotafeln und Bänken versehen worden. Sie würden von heute auf morgen gestrichen.

Bürgermeister weist Vorwürfe zurück

„Falsch“, sagt Bürgermeister Mario Hecker. Zur Analyse des bestehenden Wanderwegenetzes sowie zur Erarbeitung eines neues Konzeptes seien im Frühjahr 2019 sämtliche Heimatvereine und Vereinsgemeinschaften angeschrieben worden, verbunden mit einer Einladung, am Arbeitskreis von Corinna Will, zuständig für Tourismus bei der Gemeinde, teilzunehmen. So auch der Heimat- und Verkehrsverein Hohenhausen inklusive Berthold Schulz. Eine Teilnahme sei nicht erfolgt.

Im späteren Verlauf des Projekts sei der Verein erneut zur Planung der „Qualitätstour Bärenkopfroute“ kontaktiert worden. In einer Mail habe der Verein gegenüber Corinna Will geäußert, man sei nach Rücksprache mit Berthold Schulz zu dem Schluss gekommen, dass es den Mitgliedern nur recht sei, wenn A1 und A2 zu einem Weg mit den geforderten 30 Prozent Grünweg zusammengelegt würden. Aus Zeitgründen habe man außerdem keine Möglichkeit gesehen, sich weiter in das Thema einzuarbeiten. „Die Aussage, dass von heute auf morgen der A1 und der A2 gestrichen wurden, ist somit leider nicht korrekt“, so der Bürgermeister.

Neue Wandertafel und Flyer vor zwei Jahren

In keiner Weise habe er einer Demarkierung der beiden Wanderwege zugestimmt, dementiert Berthold Schulz auf LZ-Nachfrage. Für beide habe er erst 2018, nach dem der A3 gestrichen wurde, neue Texte für Wandertafeln und Flyer geschrieben. Im Frühjahr 2019 seien dann die Infotafel und eine Bank aufgestellt worden. Dass Flyer und Infotafeln nun nach nur zwei Jahren einstampft würden, mache ihn wütend. Außerdem habe er an allen Sitzungen, in denen das Thema Wanderwege auf der Tagesordnung stand, teilgenommen und dort seine Meinung vertreten. Dass die Vereine ihre Mitarbeit verweigert hätten, sei ebenfalls nicht richtig, anwesend seien allerdings tatsächlich nur wenige gewesen.

Die Gemeinde hat mit Martin Deppe inzwischen einen neuen offiziellen Wanderwegewart beauftragt, der laut Bürgermeister Hecker seit 2020 eng mit Corinna Will zusammenarbeitet. Mittlerweile sei sämtliches Wandermobiliar an Wegen und Standorten erfasst und dokumentiert worden. Dieses kontrolliere Martin Deppe regelmäßig, um den Vereinen Arbeit abzunehmen. Ziel der Gemeinde sei es, Einheimischen und Touristen ein nachhaltiges Angebot an Erholungsmöglichkeiten zu bieten. Im Bereich Wandern könne das aber nur gemeinsam mit allen Partner und gut aufgestellten Konzepten gelingen.

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