Lymphödem: Erfahrung mit einer chronischen Krankheit

Von Marianne Schwarzer

Diagnose Lymphödem - © Lippe
Diagnose Lymphödem (© Lippe)

Kreis Lippe. Geschwollene Füße: Kommt schon mal vor. Aber dahinter kann sich eine chronische Krankheit verbergen, die mitunter auch Allgemeinmediziner übersehen: Lymphödem. Doch je früher das erkannt wird, desto besser lässt es sich behandeln. Ein Erfahrungsbericht.

Sommerhitze: Beide Füße schwellen so an, dass selbst die weiten Sandalen nicht mehr passen. Ein Insektenstich vergrößert den einen Fuß deutlich. "Ich verschreibe Ihnen ein Antibiotikum", sagt der Hausarzt. Warum ist aber auch der andere Fuß ziemlich dick? – Da muss er passen.

"Nicht immer erkennen Hausärzte das", wird 14 Tage später Dr. Klemens Thöne, Gefäßspezialist in der Bad Meinberger Gemeinschafts-Praxis Thöne und Sbrisny, sagen. Als nach der Antibiose zwar die Entzündung, aber nicht die Schwellung abgeklungen ist, diagnostizert der Spezialist: "Sie haben ein Lymphödem." Wie ein Fünftel seiner Patienten. Dr. Thöne nimmt kein Blatt vor den Mund: "Ihre Lymphgefäße sind geschädigt. Das ist wie bei der Glatze: Das kommt nicht wieder. Sie müssen bis ans Lebensende Kompressionsstrümpfe tragen."

Wickeln ist die erste Maßnahme: Anna-Lena Kröger legt LZ-Redakteurin Marianne Schwarzer die Verbände an, die sie tragen muss, bis die Kompressionsstrümpfe fertig sind. Dr. Gabriele Sbrisny macht der Patientin Mut. - © Foto: Preuss
Wickeln ist die erste Maßnahme: Anna-Lena Kröger legt LZ-Redakteurin Marianne Schwarzer die Verbände an, die sie tragen muss, bis die Kompressionsstrümpfe fertig sind. Dr. Gabriele Sbrisny macht der Patientin Mut. (© Foto: Preuss)

Niederschmetternd für eine 49-Jährige. Aber es ist endlich auch die Erklärung, warum jahrelang Socken tiefe Abdrücke hinterließen und schmale Schuhe niemals passten, von Stiefeln ganz zu schweigen. Doch das könnte sich jetzt ändern, das ist die gute Nachricht. Und: Die Venen sind gesund.

"Wir müssen erst mal die Flüssigkeit aus den Beinen holen", erklärt Dr. Thöne. Vier Tage hintereinander liegen die Beine in der Arztpraxis für 45 Minuten in zwei Luftsäcken, in denen Druck ausgeübt wird. Jedes Mal sind sie danach schlanker. Damit sie nicht wieder voll laufen, werden die Waden anschließend stramm in elastische Binden gewickelt – auch über Nacht. Das ist ätzend, und als Schuhe passen nur noch Clogs, Größe 43, über die Binden. Nach Kompressionstherapie und Wickeln werden die Beine vermessen: Die Kompressionsstrümpfe sind eine Maßanfertigung. Lieferzeit: 5 bis 7 Tage. Damit nicht alles für die Katz war, wickelt, zurück in der Praxis, Sprechstundenhilfe Anna-Lena Kröger die Beine in einen Zink-Leim-Verband, dünner als die elastischen Binden: "Wir müssen jetzt ja nur noch den Zustand halten", erklärt Gefäßspezialistin Dr. Gabriele Sbrisny dazu.

Ein Glück, dass zur Kompression Kniestrümpfe ausreichen, denn bei schweren Fällen müssten sogar die Zehen einzeln verpackt werden. Der Druck unterstützt die Lymphgefäße. "Wir versuchen, es möglichst erträglich zu machen", sagt die Fachärztin. "Sonst brechen zu viele die Therapie ab. Und das kann böse enden."

Was sind Lymphödeme?

Die Flüssigkeit zwischen den Zellen wird über die Lymphgefäße abtransportiert, auch Eiweiß, Fette und Giftstoffe. Ist das System gestört, staut sich das alles im Gewebe, verhärtet sich. Das passiert durch Veranlagung, aber auch nach Verletzungen, Operationen und Krebserkrankungen. Im fortgeschrittenen Stadium entstehen Wundrosen, wachsen die Körperteile auf ihr Mehrfaches an. Elefantiasis heißen die Missbildungen, die oft an Beinen oder den äußeren Geschlechtsteilen auftreten.

An Lymphödemen, die übrigens nichts mit Venenerkrankungen zu tun haben, stirbt man in der Regel nicht, aber sie führen unbehandelt zur Invalidität. In Deutschland sind über 3 Millionen Menschen betroffen. In Lippe kümmert sich das Lymphnetzwerk aus Ärzten, Physiotherapeuten und Sanitätshäusern um die Patienten:

www.Lymphnetzwerk-Lippe.de

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2019
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.