Lipperin hilft freiwillig in Ghana

Ebola in den Nachbarländern

Erol Kamisli

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Lemgo / Schieder-Schwalenberg. Am 16. Dezember beginnt für Arzthelferin Michelle Babion die Reise in eine fremde Welt. Die Schieder-Schwalenbergerin fliegt in die ghanaische Hauptstadt Accra, um dort in einem Krankenhaus zu arbeiten - trotz Ebolagefahr.

Weniger als sieben Stunden Flugzeit liegen vor ihr, "doch für mich ist es eine Reise in ein unbekanntes Land", sagt die 24-Jährige, die derzeit im Lemgoer Brustzentrum am Klinikum Lippe arbeitet. Insgesamt vier Wochen wird sie freiwillig und auf eigene Kosten in einem westafrikanischen Krankenhaus arbeiten.

Acht Impfungen hat sie bereits, darunter gegen Meningitis und gegen Gelbfieber. Vor allem die Malariaprophylaxe sei wichtig, betont die Klinikangestellte.

Auch das aktuelle Thema Ebola wird in der Familie und im Freundeskreis von Michelle diskutiert. "Meine Eltern finden den Aufenthalt gut, aber machen sich Sorgen wegen Ebola", sagt die 24-Jährige. Sie habe über Ebola viel gelesen und gehört, wonach es bereits vor den Toren Ghanas Probleme geben soll. "Wenn es während meines Aufenthalts einen Ebola-Fall geben sollte, werde ich vor Ort entscheiden, ob ich bleibe oder mich in einen Flieger nach Deutschland setze", sagt sie.

Doch sie wolle sich die Vorfreude nicht trüben lassen, sie sei ein positiver Mensch. Derzeit informiere sie sich über die Homepage des Auswärtigen Amtes in Berlin. Dort sei aktuell zu lesen, dass die Ebola-Epidemie in den Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone sich unter Umständen auch in Ghana ausbreiten könne. In Ghana gebe es keinen bestätigten Ebolafall, schreibt das Auswärtige Amt und rät allen Reisenden, die Nachrichtenlage intensiv zu verfolgen und allgemeine Hygienemaßnahmen einzuhalten.

"Ich bin ja nicht allein und verloren irgendwo im Dschungel, sondern in einem Krankenhaus. Das Bedürfnis, den Menschen in Ghana zu helfen, steht über der Angst vor Ebola", betont sie.

Direkt nach der Schule habe sie mit der medizinischen Ausbildung begonnen. "Ich wollte schon immer mal ins Ausland und dort Erfahrungen sammeln", erzählt die 24-Jährige. Und Afrika habe sie schon immer gereizt. "Ich will mich sozial engagieren, mal raus aus dem Alltag und Menschen, denen es schlecht geht, mit meinen Kenntnissen helfen", sagt Babion, die in ihrer Freizeit für den SV 21 Steinheim kickt. Sie habe in der Unfallchirurgie gelernt und sei fit für ihren Freiwilligendienst.

Mit ihrem Entschluss, nach Afrika zu gehen, habe sie ihre Unsicherheiten und Befürchtungen zur Seite geschoben. Sie freue sich auf den vierwöchigen Sprung in eine andere Welt. "Ich war noch nie alleine im Ausland und auch Weihnachten werde ich zum ersten Mal nicht mit meiner Familie feiern", erzählt die junge Frau.

Doch sie sei gespannt auf Land, Kultur und natürlich die Menschen - dafür opfere sie auch gerne ihren gesamten Jahresurlaub und zahle mehr als 2000 Euro aus der eigenen Tasche. Untergebracht ist die Schieder-Schwalenbergerin in einem Gästehaus auf dem Gelände der Klinik. Während ihres Aufenthaltes möchte sie gerne in der Unfallaufnahme arbeiten: "Ich hoffe natürlich auch auf Kontakte zu anderen Freiwilligen, die aus aller Welt kommen."

Die Organisation "Praktikerwelten", die ihr den Aufenthalt vermittelte, habe "eine Überflutung mit neuen Eindrücken" prophezeit. Am 15. Januar 2015 endet die Freiwilligenzeit. "Ich weiß nicht, mit welchen Bildern im Kopf und Gefühlen im Herzen ich nach Hause komme, aber es wird auf jeden Fall anders als jetzt", glaubt Michelle Babion; und darauf freut sie sich auch ganz besonders.

Weitere Infos zum Freiwilligendienst im Ausland gibt?s auf der Homepage des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung unter www.bmz.de

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