Postboten protestieren gegen Zeitverträge

Gewerkschaft Verdi: Jeder fünfte Zusteller hat nur einen befristeten Job

Martin Hostert

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Petra Schepsmeier, Uwe Hofer und Olaf Funk. - © FOTO: DIRK WINDMÖLLER
Petra Schepsmeier, Uwe Hofer und Olaf Funk. (© FOTO: DIRK WINDMÖLLER)

Kreis Lippe. Gut 200 Postzusteller aus der Niederlassung Herford, zu dem auch der Kreis Lippe gehört, haben gestern in Detmold-Klüt dagegen protestiert, dass immer mehr ihrer Kollegen befristet eingestellt würden. Sie nutzten die Pause einer Betriebsversammlung und ließen portofrei Luftballons aufsteigen.

Solche Verträge beträfen in Lippe mittlerweile jeden fünften „Postler“ sagte Michael Lasrich (Verdi). Nach seinen Angaben arbeiten 90 der 470 lippischen Zusteller befristet – manche schon viele Jahre. Der Arbeitgeber führe „immer neue Sachgründe“ an, um häufiger hintereinander befristete Verträge abschließen zu können. Im ganzen Bezirk Herford seien es 650 von 4000.

Und noch etwas ärgert die Gewerkschafter sehr: „Über den 21. März 2015 hinaus wird es gar keine Vertragsverlängerungen geben. Wir fordern aber sichere Perspektiven für unsere Kollegen, die Angst um ihre Jobs haben und es sich nicht leisten können, krank zu werden.“ Dieses Datum hänge offensichtlich mit den im Mai beginnenden Tarifverhandlungen zusammen: „Der Vorstand will mit dem Ziel da hineingehen, die Löhne zu senken“, berichtete Lasrich.

Seitens der Deutschen Post verwies Pressesprecher Rainer Ernzer gestern darauf, dass alle befristet eingestellten Mitarbeiter sozialversicherungspflichtig beschäftigt seien und denselben Lohn erhielten wie ihre unbefristet arbeitenden Kollegen. Im Schnitt beschäftige die Deutsche Post seit Jahren schon zehn Prozent ihrer Zusteller auf Zeit. Die Zahlen Lasrichs vermochte der Sprecher nicht zu bestätigen. Allerdings: „Gerade zur Weihnachtszeit müssen wir verstärkt Personal mit Zeitverträgen einstellen. Wir haben doppelt soviel Briefpost und doppelt soviel Pakete.“ Vor allem im Paketdienst arbeiteten Leute für einige Wochen. Ernzer nannte dies „einen vernünftigen Mittelweg. Wir brauchen kein schlechtes Gewissen zu haben und bezahlen gut.“ Jedermann habe die Chance, sich zu bewähren und einen festen Vertrag zu bekommen.

Die Gewerkschaft allerdings erwartet etwas anderes von der Deutschen Post AG: „Wir sind ein gut gehendes DAX-30-Unternehmen. Da sollte der Vorstand die Löhne erhöhen, statt sie zu senken. Er will aber die 1,3 Milliarden Euro Gewinnerwartung noch steigern“, kritisierte Gewerkschaftssekretär Michael Ledig. Er betonte, dass die Zusteller nicht im Streik seien und auch keinen planten. Eine weitere Protestaktion kündigte er aber für Freitag, 5. Dezember, an. Dann werde es abends eine Betriebsversammlung im Bielefelder Paketzentrum geben, sodass am Samstag drauf weniger Pakete und Päckchen ausgetragen würden als normalerweise.

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