Eine Tradition auf dem Prüfstand

Werkstoffkundler der Hochschule analysieren das Bleigießen und geben Tipps für die Sicherheit

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Kritischer Blick: Prof. Dr. Andreas Niegel hat die Legierung für das Bleigiessen in seinem Labor unter die Lupe genommen. Sein Ergebnis: Bei dem Silvesterspaß ist Vorsicht geboten. - © Gocke
Kritischer Blick: Prof. Dr. Andreas Niegel hat die Legierung für das Bleigiessen in seinem Labor unter die Lupe genommen. Sein Ergebnis: Bei dem Silvesterspaß ist Vorsicht geboten. (© Gocke)

Lemgo. „Es ist nicht ganz ohne, was da in den Packungen Jahr für Jahr verkauft wird“, mahnt Professor Andreas Niegel. Denn wie es der Name bereits nahe legt, enthalten die Legierungen für den Partyspaß reichlich Blei. „Das ist ein Stoff, mit dem ein Mensch lange zu tun hat, wenn er ihn aufnimmt. Sollte dieser in den Körper gelangen, dauert es gut 50 Jahre, bis er wieder abgebaut ist“, warnt der Wissenschaftler. „Man sollte also verhindern, dass dies geschieht, schließlich ist Blei äußerst giftig.“

Spielverderber will der Lemgoer Materialwissenschaftler jedoch nicht sein: „Ich halte es nicht für geboten, dass Bleigießen verboten wird. Deutliche Hinweise auf den Verpackungen würde ich mir jedoch schon wünschen. Die Leute sollten wissen, was sie benutzen und mit der notwendigen Sorgfalt an das Ganze herangehen.“ Die anorganischen Bleiverbindungen werden seit 2006 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft als krebserregend eingestuft. „Wer also auf Nummer sicher gehen möchte, der sollte seinen Raum gut lüften und auf gar keinen Fall die Dämpfe über dem Material einatmen“, erklärt Professor Niegel.

Das feste Material sei an und für sich recht ungefährlich, „denn eine Resorption über die Haut ist nur erschwert möglich“. Wer aber Blei berührt habe, sollte unbedingt darauf achten, sich die Hände zu waschen. Bereits kleinste Partikel des Schwermetalls können gefährlich sein, wenn sie über die Schleimhäute von Mund oder Augen in den Körper gelangen. Besonders bei Kindern sei also Obacht geboten, appelliert der Professor.

Am ersten Tag des neuen Jahres dann sei es besonders wichtig, darauf zu achten, dass die Reste des Bleigießens nicht in den Hausmüll gelangen, sondern als Sondermüll behandelt werden. „Denn genau das ist ein Schwermetall wie Blei“, weiß Professor Niegel. „Wenn sie das anderswo entsorgen und es Hunderte oder Tausende Haushalte hier in der Region ebenso machen würden, dann haben sie eine erhebliche Belastung unserer Umwelt. Denn auch hier wird das Blei für Jahrzehnte bleiben“, mahnt der Wissenschaftler. „Denken sie also an die Generation von morgen und stellen sie sicher, dass es entsprechend entsorgt wird.“

Was genau eigentlich in den kleinen Packungen ist, die wir kurz vor Silvester kaufen können, das hat sich Andreas Niegel mit seinem Team im Labor angesehen. „Denn reines Blei ist es auch nicht, was sie da über die Kerzen halten – der Schmelzpunkt wäre da viel zu hoch, sodass sie wenig Spaß daran haben dürften, wenn sie versuchen, es über einer Kerze flüssig zu bekommen.“ Die in Lemgo untersuchte Probe war eine Legierung, die gut 82 Prozent Blei, 15 Prozent Antimon und gut 3 Prozent Zinn enthielt. „Die 87 Prozent Blei, die auf der Verpackung angegeben waren, stimmten also nicht ganz“, was jedoch nicht zum Nachteil des Verbrauchers sei. „Aus gesundheitlichen Gründen wäre sogar ein noch geringerer Blei-Anteil wünschenswert.“ Dem jedoch dürfte das wirtschaftliche Interesse der Hersteller entgegen stehen, denn reines Zink etwa, was ein geeigneter Ersatz wäre, ist gut zehnmal so teuer wie Blei.

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