Neuer Prozess gegen 
Ehepaar aus Horn

Urteil wegen Messerattacke aufgehoben

Erol Kamisli

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Beim Prozessauftakt am 6. Dezember 2013 (von rechts): der Angeklagte mit seinem Anwalt Dr. Holger Rosteck, Anwalt Dr. Lutz Klose, die Angklagte und ein Dolmetscher. - © Archiv
Beim Prozessauftakt am 6. Dezember 2013 (von rechts): der Angeklagte mit seinem Anwalt Dr. Holger Rosteck, Anwalt Dr. Lutz Klose, die Angklagte und ein Dolmetscher. (© Archiv)

Detmold/Horn-Bad Meinberg. Sechseinhalb und vier Jahre Haft wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung - so lautete das Urteil des Detmolder Landgerichts im Dezember 2013 gegen ein Ehepaar aus Horn-Bad Meinberg. Doch nach Revision durch Verteidiger und Staatsanwaltschaft hob der Bundesgerichtshof (BGH) das Urteil auf. Ab Montag, 12. Januar, wird am Landgericht neu verhandelt.

Das Paar hatte im Juni 2013 den damals 19 Jahre alten Ex-Freund ihrer Tochter am Horner Bahnhof mit einem Cuttermesser angegriffen und schwer verletzt, da er angeblich Nacktfotos und Sexvideos der Jugendlichen im Internet verbreitetet habe. "Wir haben mit solch einer Entscheidung gerechnet", freute sich Rechtsanwalt Dr. Holger Rosteck, der den 38-jährigen Angeklagten verteidigt. Der BGH habe bemängelt, dass der Tötungsvorsatz, den das Gericht im ersten Urteil angenommen habe, nicht zweifelsfrei festgestellt worden sei. Er erwartet nun für seien Mandanten eine Verurteilung wegen Körperverletzung und nicht wegen versuchten Totschlags. "Ob die Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden kann, wird sich zeigen", sagte Dr. Rosteck.

Sein Mandant hatte gleich zu Beginn des ersten Prozesses den Angriff auf das damals 19-jährige Opfer zugegeben. Doch die Tat sei nicht geplant gewesen, er habe nur seine Frau beschützen wollen, die bereits mit dem Ex-Freund der Tochter in Streit geraten war. "Ich war wie von Sinnen", erinnerte sich der 38-Jährige während der Verhandlung. Hauptgrund für den Streit mit dem jungen Mann waren Nacktfotos der damals 16-jährigen Tochter, die im Internet aufgetaucht seien. Auf den Bildern sei die Tochter halbnackt vor einem Spiegel und bei sexuellen Handlungen zu sehen. Nach der Tat habe er die Polizei verständigt und sei gemeinsam mit seiner Ehefrau festgenommen worden.

"Ich werde darum kämpfen, dass die beiden wieder wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung verurteilt werden - aber diesmal ohne verminderte Schuldfähigkeit", sagte Oberstaatsanwalt Christopher Imig. Dies hatte der Sachverständige den Eheleuten attestiert und das Gericht in der Urteilsfindung berücksichtigt. "Doch der BGH hat die Verminderung der Schuldfähigkeit scharf kritisiert", erklärte Imig.

Der Prozess beginnt am Montag, 12. Januar, um 9 Uhr. Weitere Termine sind am 20. und 22. Januar.

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