Neues Konzept für Burg Sternberg geplant

Landesverband beauftragt Lippe Tourismus und Marketing AG

Martin Hostert

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Verbandsversammlung im Zeichen der Burg: In vorderster Reihe Landesmuseums-Direktor Michael Zelle und die Verbandsabgeordneten Wolfgang Schnabel, Dr. Lucas Heumann und Bernhard Brandt (von links). - © Hostert
Verbandsversammlung im Zeichen der Burg: In vorderster Reihe Landesmuseums-Direktor Michael Zelle und die Verbandsabgeordneten Wolfgang Schnabel, Dr. Lucas Heumann und Bernhard Brandt (von links). (© Hostert)

Extertal/Kreis Lippe. Die Lippe Tourismus und Marketing AG soll ein Konzept für den Betrieb der Burg Sternberg erstellen. Die Versammlung des Landesverbandes hat ihr dazu gestern den Auftrag erteilt.

Im März 2014 hatte der Landesverband (LVL) als Besitzer der mehr als 700 Jahre alten Burg ein Symposium zu deren Zukunft organisiert. Ziel war und ist, mehr Besucher auf die Burg zu locken und den Finanzbedarf zu mindern.

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Bürgermeister kritisiert langen Stillstand

Extertals Gemeindeoberhaupt Hans Hoppenberg hatte schon vor einem Jahr gefordert, die LTM AG mit einem Konzept zu beauftragen. Nach dem „erfolgreichen Symposium mit vielen guten Ideen“ habe er „viel schnellere Schritte“ erwartet. Die Burg müsse „aus einer Hand“ betrieben werden. Nun sei es an der Zeit, nach vorn zu blicken: „Wir sind endlich da wo wir hingewollt haben: Lasst Profis ran.“ Deutlich kritisiert Hermann Haack die „viel zu späte Entscheidung“ für die LTM AG. Jahrelang sei der Landesverband „viel zu kurz gesprungen“, indem er ausschließlich auf Events und Musik gesetzt habe. „Dieses Desinteresse liegt darin begründet, dass alle nur ihre Spielwiesen in Detmold, Lemgo und Bad Salzuflen bedienen“, sagte der frühere Extertaler Bürgermeister und Bundestagsabgeordnete (SPD). Eine „vermarktbare Burg“ habe nie eine Rolle gespielt.

Ideen wurden viele gesammelt, gebildet wurde schließlich eine Arbeitsgruppe, die im März 2015 tagte. „Klar ist, dass nicht nur kulturelle Aktionen und Musikangebote die Burg attraktiver machen können“, fasste Verbandsvorsteherin Anke Peithmann gestern zusammen. Die LTM AG habe sich beim neuen Konzept für das Hermannsdenkmal-Areal bewährt, und „Herr Weigel macht uns Mut, dass er bis Ende des Jahres ein Konzept vorlegt“, lobte sie den LTM-Chef.

Peithmann räumte ein, dass es lange gedauert habe, überhaupt bis zu diesem Beschluss zu kommen. Dies hatte Rolf-Dieter Morgenthal (SPD) bemängelt. Aber, so die Verbandsvorsteherin: „Wir haben lange gebraucht, um den Symposium-Bericht zusammenzustellen, und überdies parallel viele Gespräche geführt – etwa mit der Hochschule für Musik und bei einem Kongress der deutschen Musikschulen.“ In den vergangenen Monaten sei dann deutlich geworden, dass der Landesverband „lieber mit der LTM zusammenarbeiten will“. Die LTM AG bekommt dafür 15.000 Euro, die der LVL an Sachkosten einsparen will.

Günter Weigel sagte zu, das Konzept zu liefern: „Wir bündeln Ideen und bringen Interessierte zusammen.“ So könne die Wirtschaftsförderung des Kreises die Burg in ihre Aktivitäten in Dörentrup einbinden – für Firmenevents oder als Übernachtungsstätte. Annette Paschke-Lehmann (Grüne), die sich als einzige der Stimme enthielt, regte die Kontaktaufnahme zum lippischen Sängerbund an.

Christian Sauter (FDP) erwartete, dass nunmehr „zügig ein Konzept“ vorgelegt wird. Dabei seien die nordlippischen Kommunen zu beteiligen – dies sieht die Beschlussvorlage allerdings auch vor. Sie sollen laut Anke Peithmann ebenso an den Tisch geholt werden wie die Kulturagentur, weitere Fachleute oder das Westfälische Kinderdorf.

Hans Hoppenberg, Bürgermeister von Extertal, sagte gestern auf LZ-Anfrage, die finanzielle Verantwortung für die Burg Sternberg müsse beim Landesverband Lippe bleiben. Die Instandhaltung koste 180.000 bis 250.000 Euro jährlich. Die LTM zu beauftragen, sei der richtige Schritt. Er sei nun „guten Mutes“.

Kommentar: Es ist genug geredet

Getreu dem Motto „und wenn ich nicht mehr weiter weiß, dann gründ’ ich einen Arbeitskreis“ hatte es seit dem Symposium im März 2014 ein Jahr und drei Tage gedauert, und siehe: Eine solche Arbeitsgruppe des Landesverbandes tagte. Ihr Ergebnis: Die LTM AG soll ein Konzept für die Burg Sternberg erstellen. Es ist schwach und kaum zu glauben, dass die Verbandsversammlung ein Jahr brauchte, um das Symposium zu analysieren und dann zu erkennen, dass Marketing-Profis ins Boot geholt werden müssen. Extertals Bürgermeister Hans Hoppenberg hatte damals schon gefordert, die LTM zu beauftragen, und Anke Peithmann hatte deren Know-how gelobt.

Das Burgambiente ist einmalig, doch Hochzeiten allein sind zu wenig, und die Musikbildung lastet die Burg schon lange nicht aus. Aufbruchstimmung war vor einem Jahr zu spüren, als sich Landesministerin und Verbandsvorsteherin, Landrat und Bürgermeister zum Symposium versammelt hatten. Ideen gibt es genug. Firmen suchen nach „Locations“ für „Events“, die Landeskirche hat kein Tagungshaus mehr, Klassenfahrten brauchen Ziele. Doch die Aufbruchstimmung vom März 2014 blieb leider weitgehend ungenutzt und muss nun neu entfacht werden.
Die gute Nachricht: Ein Jahr an einem Konzept zu arbeiten, kann sich die LTM nicht erlauben.

mhostert@lz.de

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